Podium mit Wolfsbotschafterin
Debatte über idealen Umgang mit dem Wolf zieht viele nach Waren

Lediglich eines der insgesamt sechs Fotos zeigt einen Wolf – und der befindet sich oben links.
Lediglich eines der insgesamt sechs Fotos zeigt einen Wolf – und der befindet sich oben links.
Susann Salzmann

Ist der Wolf das blutrünstige Monster, für das ihn einige halten? Diese Frage wurde beim Podium im Warener Müritzeum erörtert. Sachlich wie lebhaft.

Wölfe sind nicht unbedingt leicht zu erkennen – nicht nur aus 200 Meter Entfernung, sondern selbst auf einem Bild direkt vor Augen. Dem Trugschluss, dass es sich bei Hunden um Wölfe handelte, erlag auch Hans Wirtz aus der Röbeler Gegend. Interessehalber war er zum Wolfspodium ins Warener Müritzeum gekommen. „Das ist einer“, deutete er auf einen slowakischen Wolfshund, der Isegrim zum Verwechseln ähnlich sah, sich aber „immer wie ein Hund verhält“, wie Nabu-Wolfsbotschafterin Sabine Steinmeier erklärte.

Das Interesse an dem Wolfspodium im Müritzeum war so riesig, dass mehrfach nachbestuhlt werden musste. Nicht nur Müritzer kamen. Und nicht jeder kam, um sich von Referentin Gisela Hentschel sagen zu lassen, dass es sich beim Wolf nicht um das blutrünstige Monster handele. Zu denen, die ihrem Ärger über das Wolfsmanagement Luft machten, gehörte Christian Platzeck aus Alt Schwerin. Im Herbst 2018 wurden elf seiner 250 Schafe gerissen, vier blieben spurlos verschwunden. In diesem Fall handelte es sich vermutlich um einen Wolfsriss. Genproben sollten Gewissheit bringen – doch die konnten letztlich nicht ausgewertet werden – wegen einer Verunreinigung.

Stümperhaftes Verhalten der Gutachter?

Für Platzeck kein Wunder. Er bezeichnet das Vorgehen seines damaligen Rissgutachters vor Ort als stümperhaft. Der sterile Tupfer sei nach der Probenentnahme auf die Grasfläche daneben gelegt worden. Ein weiterer Mann aus dem Auditorium meldete sich: Auch bei ihm verlief die Genuntersuchung wegen Verunreinigung der Probe ergebnislos. Thorsten Manthey – seit 2015 untersuchte er zehn Risse, von denen sieben vom Wolf verursacht waren – verwies auf die solide Ausbildung und räumte gleichzeitig ein, das MV mehr Gutachter braucht.

Für Platzeck hat der Vorfall Konsequenzen. Er kündigte an, seine Schafe abzuschaffen. Das liege nicht per se am Wolf, aber an den finanzpolitischen Bedingungen. Das Areal, das er bewirtschafte, sei 53 Hektar groß. „Ich bräuchte 8000 Meter Schutzzaun“, rechnet er vor. Dazu Herdenschutzhunde, deren Anschaffung, Ausbildung und Futter im Jahr bis zu 5000 Euro pro Tier koste. Das könne er sich nicht leisten.

Abschussmöglichkeit bei Wiederholungstätern

Dass ein Herdenschutzzaun sogar sechsstellige Kosten verursachen könnten, erklärte ein routinierter Schäfer. Er arbeite in Absprache mit dem Umweltministerium MV an einem Pilotprojekt zu einem wolfssicheren Zaun. „Bei diesem kosten 100 Meter bereits 1000 Euro“, sagte der Schäfer.

Auch Volker Koch, Vorsitzender der rund 700 Jäger des Müritzkreises, tat seine Meinung kund: „Der Wolf muss da sein, aber bewirtschaftet“, sprach er sich für eine Festlegung von Stückzahlen an Wild und Wolf pro Hektar aus. Rissgutachter Manthey begründete dies mit der Überzahl an Rehwild. Hier kämen die Jäger mit der Bewirtschaftung nicht hinterher.

Nicht in jedem Fall sprach sich Wolfsbotschafterin Hentschel für Isegrim aus. Immer dann, wenn dasselbe Tier nachweislich zum Wiederholungstäter beim Überwinden von Schutzzäunen oder bei Nutztierübergriffen werde, sollte es auch die Abschussmöglichkeit geben.

Kommentare (3)

...dann kippt die Stimmung in diesem Lande, auch gegen den Wolf. Alles nur eine Frage der Zeit bzw. des eigenen Erlebens ( z.B. Viehzüchter).

Ich zitiere hier nur Herrn Platzeck als Betroffener, Gedanken muss sich jeder selber machen: Zitat "Für Platzeck hat der Vorfall Konsequenzen. Er kündigte an, seine Schafe abzuschaffen. Das liege nicht per se am Wolf, aber an den finanzpolitischen Bedingungen. Das Areal, das er bewirtschafte, sei 53 Hektar groß. „Ich bräuchte 8000 Meter Schutzzaun“, rechnet er vor. Dazu Herdenschutzhunde, deren Anschaffung, Ausbildung und Futter im Jahr bis zu 5000 Euro pro Tier koste. Das könne er sich nicht leisten." Zitat Ende Wo bleibt da der Staat und alle "Wolf-Hier-Schreier"?

...aber Bestie Mensch hat ihm hierzulande die Existenzmöglichkeit genommen! Seit vielen Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten.