Abschuss befürwortet

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Den Wolf nicht ausrotten, aber regulieren

Der Umgang mit dem Wolf müsse jetzt geregelt werden, weil sich die Tiere immer weiter ausbreiten, fordert Thomas Diener, Vorsitzender des Bauernverbandes Müritz. 
Der Umgang mit dem Wolf müsse jetzt geregelt werden, weil sich die Tiere immer weiter ausbreiten, fordert Thomas Diener, Vorsitzender des Bauernverbandes Müritz.
Bernd Thissen

Die Wolfsübergriffe steigen. Nun machen lokale Vertreter Druck auf die Politik in MV. Und selbst der Innenminister spricht sich schon für den Abschuss aus.

Das böse Wort mit „A“ – für Abschuss – möchte Thomas Diener in seiner Funktion als Vorsitzender des Bauernverbandes Müritz nicht in den Mund nehmen. Nicht, wenn es um das hochsensible Thema Wolf geht. Doch als mit Manfred Leberecht der Vize-Präsident des Landesbauernverbandes in dieser Woche für den Abschuss und die Vergrämung des Wolfes aus Wohn- und Weidegebieten plädierte, falls der wiederholt Grenzen übertritt, bezeichnete Diener dies als „längst überfällige Forderung“. Er selbst nennt es allerdings nur etwas verklärter ein „Entnehmen“ des Wolfes aus der Umwelt, sofern notwendig

Dafür sprach sich am Donnerstag nun auch Innenminister Lorenz Caffier aus. Er forderte bei einem Bürgerforum in Löcknitz, dass die „Entnahme der Tiere“ deutschlandweit verbindlich geregelt werden müsse.

Jäger wollen an Planung beteiligt werden

Eine potenzielle Wolfsregelung sei für die Müritzregion besonders wichtig, so Thomas Diener. Denn dort, wo es viel Wald gibt, siedeln sich auch die Wölfe an. „Es geht nicht um die Ausrottung des Wolfes, sondern um die Regulierung“, betonte er. Das Land biete mit seiner bisher gefahrenen Schiene Wolfsbefürwortern eine Lobby. „Erst wurde das Thema totgeschwiegen, dann ignoriert und wenn es zu spät ist, heißt es, das war nicht gewollt“, sagte Diener.

Doch die Zeit des Verharmlosen sollte nun vorbei sein. Denn dort, wo sich heute vielleicht nur ein Wolf aufhält, könnte es in zwei, drei Jahren bereits ein ganzes Rudel sein, sagte der Vorsitzende der Müritz-Bauern.Vor diesem Hintergrund sei es fast einfacher, nicht Nutztiere einzuzäunen, sondern den Wolf auszuzäunen, meint er zynisch.

Ähnlich argumentiert der Vorsitzende des Jagdverbandes Müritz, Volker Koch. Für ihn ist das Maß mit den letzten Vorfällen an der Rögnitz und am Drewitzer See voll. Wenn der Wolf in der Region ist, sei er eine Wildart, die man akzeptieren müsse. Aber: Die „unterste Ebene“, wie er die Jäger im Vergleich zur Politik bezeichnet, müsste nun in der Wolfsfrage mit an den Diskussionstisch geholt werden. Immerhin seien sie die Experten vor Ort.

Der Wolf sollte bewirtschaftet werden

Der Wolf sollte ins Jagdgesetz aufgenommen werden, damit „man ihn bewirtschaften kann“, so Koch. Diese Bewirtschaftung soll zu einem gesunden Wildbestand ohne Überpopulation einer Art führen. Gebe es erträgliche Wolfspopulationen, stünden Nutztiere kaum mehr auf dem Speiseplan der Räuber. Ziel müsse also sein, dass der Wolf vom Wild allein satt wird. Wie viel Wölfe eine Region verkraftet, müsse jetzt festgelegt werden, fordert er. Aber nicht im stillen Kämmerlein.

Grundsätzlich habe das Ministerium stets die Abstimmung mit den Verbänden gesucht, so Eva Klaußner-Ziebarth, Pressesprecherin im Umweltministerium MV. „Die Verbände waren etwa an der Erarbeitung des Managementplans für den Wolf beteiligt und werden auch wichtige Partner im Rahmen einer Überarbeitung dieses Plans sein“, sagte sie.