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Der kleine Lebensretter und seine große Tat

Der Retter des beim Schwimmen in Klink verunglückten neunjährigen Jungen: sein elfjähriger Vereinskamerad Josef Zädow aus Sietow.
Josef Zädow aus Sietow.
Carsten Schönebeck

Der Schock sitzt noch tief bei Josef Zädow. Dabei hat der Junge aus Sietow doch alles richtig gemacht. Ohne sein schnelles Handeln hätte das Drama in der Klinker Schwimmhalle wohl ein schlimmeres Ende gefunden.

Was er in dem Moment gedacht habe? „Gar nichts“, sagt Josef Zädow. Ganz instinktiv habe er gehandelt. Wollte einfach nur helfen. Zwei Mal die Woche geht der Elfjährige zum Schwimmtraining in Klink. So auch am Montag. Nur kam da alles ganz anders. Einer seiner Trainingskameraden wurde plötzlich ohnmächtig und sank auf den Grund des Schwimmbeckens. „Es sah aus, als würde er schlafen“, beschreibt Josef das, was sich nur ein kleines Stück vor ihm auf der Bahn abspielte.

Gut, dass Josef so ein guter Schwimmer ist. Sechs Jahre Training, Tauchschein. Medaillen und Pokale stapeln sich im Kinderzimmer. Die wichtigste Lektion am Montag: Kein Nachdenken, einfach nur handeln. Kopf unter Wasser und tauchen auf den Grund. „Ich habe ihn unter der Schulter gegriffen und nach oben gezogen“, beschreibt der kleine Retter das, was sich in der Tiefe des Beckens abgespielt hat. Fast zwei Jahre jünger und ein gutes Stück kleiner sei sein Vereinskollege. Schwer war es trotzdem, den leblosen Körper des Neunjährigen über die Wasseroberfläche zu bringen und dort zu halten.

„Auf einmal war alles total hektisch und laut in der Halle“

Währenddessen hatten die anderen Kinder Alarm geschlagen. Augenblicke später sprang eine der Trainerinnen ins Wasser, übernahm den ohnmächtigen Körper und brachte ihn zum Beckenrand. Jede Sekunde war wohl entscheidend. Denn der Herzschlag des Neunjährigen war da bereits verschwunden.

„Auf einmal war alles total hektisch und laut in der Halle“, beschreibt Josef die Situation. Trainerinnen und Rettungsschwimmerin versuchten, den Jungen zu reanimieren. Herz-Druck-Massage. Viel zu lange ohne Reaktion. Dann doch noch. Augenzeugen berichten, der Neunjährige sei plötzlich wieder ansprechbar gewesen. Der Notarzt brachte ihn ins Krankenhaus nach Waren, später auf die Kinder-Intensivstation nach Neubrandenburg. Zwei Tage Bangen um das Leben. Die Ärzte hatten ihn in ein künstliches Koma versetzt. Am Mittwoch gab es vorsichtige Entwarnung. „Er ist aufgewacht. Sein Zustand hat sich verbessert“, bestätigt eine Sprecherin des Klinikums.