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Erinnerungen an den Dienst

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Der Polizist, der es mit Honni und der Weltmeisterin zu tun bekam

Horst Schoenfelder hat vom Balkon aus "seine" Stadt immer noch im Blick. Jetzt aber als Zivilist und ohne Uniform.
Horst Schoenfelder hat vom Balkon aus „seine” Stadt immer noch im Blick. Jetzt aber als Zivilist und ohne Uniform.
Petra Konermann

Die Uniform hat Horst Schoenfelder abgestreift. Nach 39 Jahren als Polizist ein komisches Gefühl. Fast so komisch, wie nachts Franka Dietzsch anzuhalten.

Noch fühlt es sich wie Urlaub an, sagt Horst Schoenfelder. Der 61-Jährige sitzt auf seinem Sofa, vom Fenster aus sieht man beide Röbeler Kirchtürme. Sie markieren in etwa das Revier, in dem sich Horst Schoenfelder jahrzehntelang bewegt hat in seinem Beruf als Polizist. Jetzt, nach 39 Jahren ist Schluss. Die blaue Polizei-Uniform hat der Röbeler an den sprichwörtlichen Nagel gehängt.

Damals, als Horst Schoenfelder sein Berufsleben bei der Polizei begann, war sie noch grün. Und es war ein komplett anderer Staat, in dem er sich entschloss, Polizist zu werden. „Ich hatte meinen Wehrdienst geleistet, und als ich nach Röbel zurück kam, wurde ich vom Volkspolizeikreisamt gefragt, ob ich nicht zur Polizei wollte. Ich wollte“, erinnert er sich.

Für Erich Honecker machte er die Bahn frei

Zunächst war Horst Schoenfelder im Innendienst tätig und als Waffenmeister für die technische Ausstattung der Röbeler Polizisten, der Kampfgruppen und der Brandschutzeinheiten zuständig. Zum Außendienst wurde er vor allem dann abgeordert, wenn die Kunde von einem Besuch des Generalsekretärs des Zentralkomitees SED, Erich Honecker, nach Röbel hallte.

Wenn der mächtigste Politiker der Deutschen Demokratischen Republik von Berlin aus nach Drewitz in der Nossentiner Heide wollte, um zu jagen, dann hatte bitteschön die Bahn frei zu sein – freie Bahn auf der Autobahn für Honeckers Konvoi. „Und auch unter den Autobahnbrücken durfte sich niemand aufhalten, alle Zufahrten wurden gesperrt. Dafür hatten wir zu sorgen“, erzählt Horst Schoenfelder. Minuten nur dauerten diese Sperrungen, dann war Honecker vorbei gerauscht.

Der Fall Gerda Wiese lässt ihn grübeln

Die meiste Zeit seines Berufslebens aber hat er als Polizist der Bundesrepublik verbracht, als Kontaktbeamter. Das Schwierigste an dem Job des Polizisten? Darüber spricht er nicht gern. Es sind die Toten, die man sieht. Die zum Beispiel bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen. „Am schlimmsten war es jedes Mal, wenn Kinder betroffen waren. Das ist nur schwer zu verarbeiten“, sagt er.

Und auch er gehört zu den Menschen, die bis heute über den Fall Gerda Wiese aus Priborn nachgrübeln. Als Polizist war Horst Schoenfelder natürlich Teil der größten Vermisstensuchaktion in Mecklenburg-Vorpommern. Bis heute ist die Pribornerin nicht wieder aufgetaucht. „Ob wir jemals erfahren werden, was aus ihr geworden ist“, fragt sich der Röbeler.

Schnell ein Autogramm – und einen Strafzettel

39 Jahre als Polizist bedeute aber auch unzählige Anekdoten. Wie zum Beispiel die mit Franka Dietzsch, der dreimaligen Weltmeisterin im Diskuswerfen. Bei einer Polizeikontrolle in der Vipperower Heide stand die plötzlich nachts vor Horst Schoenfelder. Als eingefleischter Sportfan hatte der Röbeler sie natürlich gleich erkannt. „Ich bin ja nicht klein, aber bei ihr hatte ich das Gefühl, eine Löwin stand vor mir“, sagt Horst Schoenfelder noch heute beeindruckt.

Der Fahrer des Wagens, in dem auch die Weltmeisterin saß, war zu schnell unterwegs. Deshalb hatten die Beamten das Auto herausgewunken. „Ich hab mir schnell noch ein Autogramm von ihr geben lassen. Einen Strafzettel fürs zu schnelle Fahren gab es für den Mann am Steuer aber trotzdem“, betont Horst Schoenfelder.

Auf den Ruhestand freut er sich. „Es ist schön, nicht mehr früh rauszumüssen“, meint er. „Langweilig wird mir nicht. Bald ist wieder Gartenzeit, da gibt es viel zu tun, meine Frau und ich, wir haben wieder einige Reisen geplant“, sagt Horst Schoenfelder.