Interview mit einem Feind des wilden Tieres
Der Wolf bei den kleinen Mädchen in der Bushaltestelle

Gerd Steinberg, eines der führenden Mitglieder im „Bündnis gegen den Wolf“ auf dem heimischen Hof in Boek mitten im Müritz-Nationalpark.
Gerd Steinberg, eines der führenden Mitglieder im „Bündnis gegen den Wolf“ auf dem heimischen Hof in Boek mitten im Müritz-Nationalpark.
Thomas Beigang

Gerd Steinberg, einer der Sprecher des „Bündnisses gegen den Wolf“ macht aus seiner Abneigung gegen die Raubtiere keinen Hehl. Mehr noch: Er will erst dann Ruhe geben, wenn der letzte in Deutschland und in Freiheit lebende Wolf nur noch eine Geschichte ist. Thomas Beigang fragte den Mann aus Boek, warum das so ist.

Herr Steinberg, das „Bündnis gegen den Wolf“ gilt als erbitterter Gegner derer, die den Wolf unter strengen Schutz stellen und seine Wiederkehr nach Deutschland unterstützen. Haben Sie denn überhaupt schon einmal einen Wolf in freier Wildbahn gesehen?

Ja, da bin ich mir ziemlich sicher. Während einer Zugfahrt, vielleicht zehn oder 15 Kilometer vor Oranienburg. Da lief ein Exemplar parallel zu den Gleisen entlang. Doch, das war ein Wolf, auf alle Fälle.

Nun heißt es aber, aus der Verwaltung des Müritz-Nationalparks zum Beispiel, dass es schon seit geraumer Zeit keine gesicherten Nachweise mehr für die Anwesenheit eines Wolfes hier bei uns gibt.

Das mag ja sein, dass die nichts gefunden haben. Wir verfügen aber über Augenzeugenberichte. Leute haben ihn gesehen - in Schwarz, in Alt Strelitz, nahe bei Röbel und in Bollewick. Richtig ist aber wohl, dass hier im Nationalpark noch kein Exemplar heimisch geworden ist. Wäre dies der Fall, dann könnte wohl kein Schafhalter mehr ruhig schlafen.

Große Erfolge im Kampf gegen den Wolf kann das Bündnis noch nicht vorweisen, an der offiziellen Haltung des Landes hat sich nichts geändert. Macht sich angesichts dessen nicht Resignation breit?

Nein, auf keinen Fall. Ich streite mich seit 2002 in dieser Angelegenheit und in dieser Zeit ist es uns gelungen, viele Menschen auf unsere Seite zu ziehen. Glauben Sie mir, die meisten Menschen sind unserer Ansicht. Unser Kampf ist erst dann beendet, wenn auch der letzte in Deutschland in Freiheit lebende Wolf nur noch Geschichte ist. Ich denke auch, in der Öffentlichkeit wird heute weniger gehässig über uns geredet, als noch vor Jahren. Wir gelten nicht mehr als Schafsköpfe so wie früher.

Woher stammt diese Unerbittlichkeit? In anderen Ländern, in Polen, in Russland oder Schweden war der Wolf nie verschwunden. Und das Leben ging auch dort immer weiter.

Der Wolf passt nicht in eine Kulturlandschaft wie unsere. Glauben Sie denn alles Ernstes, dann könnten Viehhalter noch extensive Weidewirtschaft betreiben? Es ist definitiv nicht möglich, große Koppeln und Wiesen so dicht zu machen, dass der Wolf nicht rauf kommt. Das Ergebnis der Ansiedlung wäre, das Vieh verschwindet von der Weide und die Gewinner der ganzen Sache sind die großen Agrarbarone, die unter industriellen Bedingungen Fleisch- und Milchwirtschaft betreiben. Denen spielt der Wolf ganz prima in die Karten.

Also erscheint völlig ausgeschlossen, dass Mensch und Wolf in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam leben können?

Definitiv! Wissen Sie, neulich habe ich mal einen interessanten Satz gehört. Eine Politikerin sagte, die Menschen müssen, so wie ihre Vorfahren, lernen, mit dem Wolf zu leben. Dem stimme ich sogar zu. Wissen Sie, wie die Menschen vor langer Zeit, als der Wolf ihnen zu schaffen machte, mit dem Tier umgegangen sind? Soll ich aufzählen, wie die Wolfsangeln gebaut und Fallgruben ausgehoben haben? Auf Schritt und Tritt wurde das Raubtier damals verfolgt, ohne Gnade. Und die Menschen früher wussten ganz genau, warum sie das taten. Weil der Wolf ihnen geschadet hat. Ich prophezeie auch, dass die Zahl der Unfälle auf den Straßen zunehmen wird, wenn sich Wölfe auch bei uns endgültig angesiedelt haben. Beispiele aus Sachsen liegen uns vor, von Pferden und Kühen, die irrsinnig vor Angst auf die Straße gelaufen sind und dort mit Autos kollidierten. Die Besitzer kriegen dann den ganzen Ärger ab, weil die angeblich ihre Tiere nicht vernünftig gesichert haben.

Nun heißt es doch immer wieder, der Wolf ist ein kluges Tier und meidet den Menschen. Oder fürchten Sie etwa auch direkte Angriffe, in abgelegenen Dörfern vielleicht?

Dazu wird es kommen, denn wenn man den Wolf nicht bejagt und verfolgt, wird der immer frecher. Uns liegen gesicherte Erkenntnisse aus Sachsen, wo ja seit Jahr und Tag Wolfsrudel leben, vor. Da gibt die schlimme Geschichte von den zwei Mädchen, die an einer Haltestelle auf den Bus warteten, als plötzlich ein Wolf neben ihnen stand. Gott sei Dank kam dann gleich der Bus, aber eine alte Frau aus dem Dorf, die aus Ostpreußen stammt, hatte das Tier eindeutig als einen Wolf identifiziert. Sie sprechen völlig zu Recht vom Wolf als einem klugen Tier. Wenn der nichts mehr zu befürchten hat, der spaziert glatt bis in unsere Küchen und guckt in die Bratpfannen rein. In Sachsen sind Wölfe schon auf Höfen beobachtet worden.

Ich weiß nicht, das klingt jetzt aber hanebüchen.

Nein, ist es aber nicht. Schauen Sie sich doch mal wissenschaftliche Arbeiten der Russen über den Wolf an. Die beweisen, wozu der tatsächlich fähig ist. Russen sind doch keine Idioten, auch wenn hier manche sie dafür halten. Dort musste immer mit der Gefahr durch Wölfe gelebt werden, die wissen, was der anrichten kann und anrichtet. Davon künden auch alte Kirchenbücher in Deutschland, in denen man lesen kann, wann kleine Kinder verschwunden sind, weil sie der Wolf geholt hat.

Jetzt zurück zur Realität. In Sachsen ist der Wolf in das Jagdgesetz aufgenommen worden, sollte Mecklenburg-Vorpommern in dieser Angelegenheit nachziehen?

Nutzt das wirklich etwas? Denn dort in der Lausitz darf der Wolf auch weiter nicht geschossen werden. Damit verbindet sich aber ein ganz anderes Problem: In Sachsen hat man deshalb den Abschuss wildernder Hunde stark eingeschränkt, damit soll der versehentliche Abschuss von Wölfen, die mit Hunden verwechselt werden, ausgeschlossen sein. Und auch bei uns, das erzählen mir Jäger, hüten sich schon viele, streunende Hunde zu schießen. Aus Angst vor Konsequenzen und irre hohen Geldstrafen, wenn dann aus Versehen ein Wolf getroffen wurde. Also - auch die Zahl der wildernden Hunde in den Wäldern und auf den Weiden steigt an, garantiert. Was das bedeutet, kann man sich wohl ausmalen.

Andere halten dagegen, angesichts der Wilddichte in den Wäldern sei dort der Tisch für ihn reich gedeckt. Kann er nicht dabei helfen, manche Populationen auf ein normales Maß zurück zu stutzen?

Das ist Unfug und es zeigte sich doch schon, dass dem nicht so ist. Warum hat es denn vor gar nicht langer Zeit Angriffe auf Weiden und Koppeln gegeben? Der Wolf holt sich seine Nahrung dort, wo es für ihn am einfachsten ist. Warum soll er im Wald jagen, wenn sein Futter auf abgegrenztem Areal für ihn bereitsteht? So eine Koppel, das ist für ihn doch wie eine Imbissbude mit Selbstbedienung.

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Kommentare (6)

Unsere Fauna braucht den Wolf nicht - das sollte wohl unstrittig sein. Ob die Kulturlandschaft den Wolf verträgt, bleibt abzuwarten. Die Annahme, dass der Wolf sich auf die ebenfalls einwandernden Waschbären und Marderhunde stürzt, um zu deren Bestandsregulierung beizutragen, ist absurd. Wildschweine, die sich zu einer regelrechten Plage entwickelt haben, packt er nur dann, wenn Reh-, Rot- und Muffelwid sowie Schafe nicht erreichbar sind. Ich denke, es wäre clever, allen Eventualitäten vorzubeugen, in dem man den Wolf in das Jagdrecht aufnimmt. Somit wäre zumindest eine rechtskonforme Bestandsregulierung möglich, Hans Schommer Hohenbollentin

Man könnte wirklich denken, dass man den Postillion liest. Ist das wirklich euer Ernst? Ich verstehe nicht, wie man solchen gestörten Menschen eine Plattform bieten kann... Wölfe, die in Wohnungen laufen und in Bratpfannen schauen... Wölfe, die an Bushaltestellen Kindern auflauern... Wölfe, die Pferde und Kühe jagen... Das ist einfach nur noch peinlich. Aber es gibt leider Leute, die wirklich glauben, dass ein Wolf eine ausgewachsene Kuh oder ein ausgewachsenes Pferd töten kann. Wir müssen endlich aufhören Gott zu spielen. Wir haben nicht zu entscheiden, wer in unsere Fauna gehört. Die Menschen haben vor einigen Jahren den Fehler gemacht, es zu entscheiden...nun haben wir endlich daraus gelernt und die Tiere, die einst unsere Natur bereichert haben, kommen zurück. Das es immer noch ein paar erbärmliche Überreste an menschlichen Gedankenmüll gibt, wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Aber damit muss man leben. Es gab in den letzten 100 Jahren Neun tote Menschen durch Wölfe...alle sind auf Tollwut, Fütterung durch den Menschen oder Gefangenschaft zurückzuführen. Jedes Wildschwein, jeder bissige Hund ist also gefährlicher. Aber ein Wildschwein greift halt keine Schafe an. Jeder ist sich selbst der nächste...und so will Hans Schommer den Bestand der Wölfe regulieren. Wohlgemerkt...es gibt max. 200 Wölfe in Deutschland. Mit welcher Begründung sollte man diese Zahl nun verringern? Lassen sie mich raten? Weil die Wölfe anonsten die 82 Mio. Deutsche "regulieren" werden? Ich lebe in Niedersachsen...mitten in einer Region, in der sich in einem Radius von ca. 40km Fünf Wolfsrudel befinden. Und komischer Weise hat hier noch nie ein Wolf an der Haustür geklingelt.

Sehr geehrter Herr Steppe-BTSV, Eine kleine Minderheit,zu der Sie auch gehören,brauchen den Wolf. Sie und ihresgleichen bringen diese Gesetze zum Schutz der Tiere ein und die Regierungen ducken sich weg. Aus Ihrem Beitrag entnehme ich,dass sich die Menschheit den Tieren und Pflanzen unterordnen sollen.Sie und Ihre Gesinnungsgenossen,haben es bereits geschafft,dass ganze Bauvorhaben gestoppt werden,nur weil dort ein Vogel pp brütet .Ich wünsche mir eine starke Regierung,die diesem Spuk eine Ende setzt und wieder den Menschen in den Focus rückt. Deshalb ist meine Meinung: Umweltschutz ja,aber nicht gegen die Bevölkerung. Im übrigen wurde die Bevölkerung nicht befragt,ob diese Tiere wieder angesiedelt werden sollen,sondern per Dekret erlassen.

Man weiß gar nicht was man sagen soll. Man reibt sich die Augen und glaubt es nicht, aber es ist wahr. Es gibt Menschen die so denken und es wird auch noch gedruckt. Wir fliegen um die halbe Welt um Elefanten anzusehen, oder Bären, oder Tiger und beklagen, daß dort der Lebensraum vernichtet wird. Wir schimpfen über die Walschlächter und die Robbenmörder. Wir spielen am anderen Ende der Welt den Richter und sind nicht einmal in der Lage bei uns einige wenige Wölfe in Ruhe ihr Leben leben zu lassen. Es ist so traurig, daß man sich schämen muß. Eine solche Diskussion in einem Land , welches Vorreiter sein will im Arten und Umweltschutz- einfach erbärmlich und peinlich. Wir haben die Möglichkeiten für ein gerissenes Ziege zu entschädigen, wir sind eines der reichsten Länder der Erde. Was sagt man einer indischen Familie, deren Vater als Fischer im indischen Osten von einem Tiger getötet wurde. Das nenne ich ein wirkliches Problem. Und trotzdem würde man nicht auf die Idee kommen, ofiziell Tiger in das agdgesetz aufzunehmen. Einfach armselig, was hier vor sich geht!!

Als ich das Interview mit Herrn Steinberg gelesen habe, wusste ich nicht, ob ich schallend lachen sollte, weil dieser Mann uns nur alle auf den Arm nehmen will oder ob er das tatsächlich ernst meint, was er da sagt. So, wie der sich auf dem Foto darstellt, befürchte ich letzteres. Ich habe ja in meinem Leben erst einmal einen frei lebenden Wolf gesehen... ... für 2 Sekunden. Als er mich entdeckt hatte, war er auch schon weg. Aber Wölfe in Tierparks - die dem Menschen weitaus gefährlicher werden können als frei lebende, weil ihnen die natürliche Scheu fehlt - davon habe ich schon so ca. 40-50 anfassen dürfen. Und mich hat noch nie ein Wolf gebissen, selbst dann nicht, wenn ich als Fremder ihr Revier (Gehege) betreten habe. Man sollte doch mal ehrlich sein. Der Mensch, als Zweibeiner, gehört mit Sicherheit nicht zum Beutespektrum von Wölfen. Das steht definitiv fest, weil es ansonsten schon viele Übergriffe von Wölfen auf Menschen gegeben hätte. Und Geschichten, wie die von der Bushaltestelle, gehören in den Bereich von Grimms Märchen. Doch warum sind hauptsächlich "alte Männer" gegen den Wolf? Viele davon sind Jäger. Warum werden diese Leute Jäger? Die meisten Jäger, die ich kennen gelernt habe, sind jenseits der 60. Da funktioniert so Manches nicht mehr so, wie in jungen Jahren. Und damit das nicht so auffällt, brauchen diese Leute einen Ersatz: ihr Gewehr. Das ist schön groß und lang. Mehr muss ich wohl dazu nicht mehr schreiben. Nur zur Info: Ich werde auch bald 60, aber ich brauche kein Gewehr, mir reicht eine Kamera.

Das problem mit dem "Wir brauchen den Wolf nicht" argument ist, dass wir mit dem gleichen Argument auch keine Jäger brauchen. 60 Jahre Jagd haben nicht dazu beigetragen die Wildschwein-, Reh- oder Muffelwild- Populationen zu reduzieren. Im Gegenteil es wird immer wieder von Populationsökologen dargelegt, dass Kirrung und das zerschiessen von Kleingruppen die Populationen wachsen lassen. Muffelwild wird meist erstgarnicht gejagt, zu aufwändig. Jede Tierart reagiert anderes. Bei Rehen ist weder Wolf noch Jäger die Populationlimitierende Fakter sondern Krankheiten und harte Winter. Muffelwild wird wiederum sehr stark vom Wolf dezimiert. Wildschweine auch eher durch Nahrungsknappheit nicht durch bejagung.