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Die Arbeit war sein Zuhause und umgekehrt

Seit 20 Jahren ist Friedrich Schofeld im „Unruhestand“. Mit seiner Frau Ursula baute er sich als Rentner ein Haus in Walow. Im Ort leben sie schon seit fast 50 Jahren.  FOTOs: Carsten Schönebeck

VonCarsten SchönebeckEin Vierteljahrhundert lang unterrichtete Friedrich Schofeld in Walow. Er sagt, es war die schönste Zeit seines Berufslebens. Auch im ...

VonCarsten Schönebeck

Ein Vierteljahrhundert lang unterrichtete Friedrich Schofeld in Walow. Er sagt, es war die schönste Zeit seines Berufslebens. Auch im Ruhestand lässt er die alte Wirkungsstätte nicht aus den Augen.

Walow.Vom Frühstückstisch eine Treppe abwärts – vermutlich war es der kürzeste Arbeitsweg der Welt. Als Friedrich Schofeld 1958 nach Walow kam, bezog er mit seiner Familie eine Wohnung im alten Schulhaus. „Das war schon etwas Besonderes“, sagt er schmunzelnd. Wenn auch nur für ein paar Jahre. Denn das kleine Häuschen im Dorfzentrum bot kaum Platz für die steigenden Schülerzahlen. „Wir hatten dort nur zwei Räume. Einen für die erste bis vierte Klasse und einen für die älteren Jahrgänge“, berichtet er.
Die Bildungsstätte zog Anfang der 60er-Jahre ins Walower Herrenhaus. Und während im Walower „Schloss“ bald die ersten Internatsschüler einziehen konnten, wohnte die Familie Schofeld weiter im Schulhaus.
„In Walow, das war schon die schönste Zeit“, erzählt Schofeld. Rund 20 Lehrer unterrichteten in dem Örtchen – zehn Klassenstufen. So manchen Jahrgang zweizügig. Improvisation war da oft gefragt. So manches Mal habe er Fächer unterrichtet, für die er gar nicht ausgebildet war. „Ich konnte Akkordeon spielen, also habe ich ab und an Musikunterricht gegeben.“ Und auch wenn er eigentlich nur für die Unterstufe ausgebildet war, bekam er schnell ebenfalls die älteren Schüler. „Manchmal war ich da sogar im Vorteil, weil ich viel mehr pädagogische Kniffe kannte als die Kollegen, die nur mit älteren Schülern zu tun hatten“, sagt er.
„Wir hatten Spaß an der Arbeit und davon haben auch die Schüler profitiert“, sagt Schofeld. Und Parteizwänge hätten auch nie eine Rolle gespielt. Doch trotz guter Stimmung im Kollegium: 1983 wurde die Schule geschlossen. Schofeld unterrichtete ab da in Kogel. Dort sei der Wind ein anderer gewesen. „Das war nicht einfach, auch weil ich mich geweigert habe, in die Partei einzutreten.“ Er wirkte im Neuen Forum mit und half, die Schulen in der Region nach der Wende neu zu organisieren. 1992 ging er in Vorruhestand. Um jüngeren Platz zu machen, wie er sagt. Zwei Jahre später erfüllte er sich den Traum vom eigenen Haus. Auf dem Grundstück neben „seiner“ alten Schule.

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