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Die Qual der Wahl, aus 200 Vorschlägen 106 Namen zu ziehen

Der Buchautor Jürgen Kniesz mit seinem neuesten Werk: „Sie waren in Waren! 100 und mehr Menschen, die Geschichte machten“. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas Beigang

VonThomas BeigangVon Alban bis Zander: In einem neuen Buch sind Frauen und Männer verewigt, die zum Ruhme Warens tätig gewesen sind. Und alle eint, dass sie ...

VonThomas Beigang

Von Alban bis Zander: In einem neuen Buch sind Frauen und Männer verewigt, die zum Ruhme Warens tätig gewesen sind. Und alle eint, dass sie schon verstorben sind.

Waren.Stolz wie Bolle zeigt sich dieser Tage der Direktor des stadtgeschichtlichen Museums in Waren, Jürgen Kniesz. Und hat auch allen Grund dafür. Pünktlich zum 750. Jubiläum hat der Historiker wieder ein Buch geschrieben und für die Veröffentlichung aufbereitet. „Sie waren in Waren! 100 und mehr Menschen, die Geschichte machten“, heißt das neue Werk, das ab sofort in allen Buchläden der Stadt, in der Tourismus-Information und natürlich auch im Museum erhältlich ist.
„Rund 200 Vorschläge haben meine Mitarbeiter, die Mitglieder des Museums- und Geschichtsvereins und ich zusammengetragen. Alle hätten es verdient, in dem Buch erwähnt zu werden“, zieht Kniesz ein Resümee. „Aber schließlich mussten wir uns beschränken.“ 106 Namen sind es geworden, 106 Frauen und Männer, die entweder aus Waren stammen oder wenigstens einen nennenswerten Bezug zur Stadt an der Müritz in ihrer Biografie vorweisen können. Wie zum Beispiel Theodor Fontane. Weder hier geboren, noch hier gestorben. Aber – im Sommer 1896 verlebte der große Schriftsteller mit seiner Familie hier die Sommerfrische in Ecktannen. Und machte der Stadt in einem Brief an den Chefredakteur der Vossischen Zeitung in Berlin quasi eine Liebeserklärung: „Sollte Ihre Gesundheit einer Aufbesserung bedürfen, so kann ich Ihnen auf der ganzen Gotteswelt keinen besseren Platz empfehlen, als, um mit Storm zu sprechen, diese ,graue Stadt am Meer‘. Die Müritz ist nämlich so etwas wie ein Meer.“
Im Gegensatz zum großen Fontane: Wer kennt Carl Willmann? Der Sohn eines Warener Uhrmachers erlernte zwar das Handwerk seines Vaters, lebte aber seit 1868 in Hamburg, wo er sich alsbald mit der Herstellung und dem Vertrieb von Zauberartikeln einen Namen machte.
Selbst Heiner Müller, der bedeutende Dramatiker, lebte von 1939 bis 1947 in Waren. Obwohl der gebürtige Sachse, sich an seine Kindheit erinnernd, eine Klage über sein Leben in Waren anstimmte: „Mecklenburg...für uns Sachsen wie eine Emigration. Ich war völlig isoliert, vor allem in der Schule. Ausländer wurden aus Prinzip verprügelt. Da musste man immer ziemlich schnell sein.“ Nach Kriegsende arbeitet Müllers Vater, zu Nazi-Zeiten ein Jahr im KZ, als stellvertretender Landrat. Bis 1947 besuchte Müller das Gymnasium in Waren, unter seinen Mitschülern hier der spätere Schauspieler Klausjürgen Wussow, der als Flüchtlingskind ebenfalls nach Waren gekommen war.
„Wir haben versucht, eine möglichst breite Palette an verschiedenen Berufen zu finden“, erklärt Autor Jürgen Knies die Heransgehensweise an das Werk. Eine andere Bedingung sei gewesen, keine Lebenden in das Buch aufzunehmen. Die Erstauflage des Buches beträgt 1000 Stück, der Preis pro Exemplar
15 Euro. „Bei großer Nachfrage“, so Museumsdirektor Kniesz, „sind Nachauflagen natürlich nicht ausgeschlossen.“ Für etwas allerdings bittet der Autor um Nachsicht. „Frauen sind deutlich in der Unterzahl. das ist aber keine Wertung, sondern der jahrhundertelangen gewollten mangelnden Teilhabe am gesellschaftlichen Leben geschuldet.“

Kontakt zum Autor
beigang@nordkurier.de