Unsere Themenseiten

:

„Die Zeitung ist besser als so manches Lehrbuch“

Beim ZiSch-Frühstück erklärt Nordkurier-Mitarbeiterin Kim Rosenberg Schülern der Müritz-Schule anhand einer Druckplatte den Herstellungsprozess der Zeitung.  FOTO:S. Musyal

VonSören MusyalSchüler der Müritz-Schule in Sietow genießen ihr ZiSch-Frühstück und die Antworten von einer Nordkurier-Mitarbeiterin auf ihre Fragen. ...

VonSören Musyal

Schüler der Müritz-Schule in Sietow genießen ihr ZiSch-Frühstück und die Antworten von einer Nordkurier-Mitarbeiterin auf ihre Fragen. Denn für sie ist die Zeitung nicht nur zum Lesen da.

Sietow.Ohne den Nordkurier würde allen etwas fehlen, sind sich Lehrer und Schüler der Klasse A1 der Müritz-Schule in Sietow einig. Immerhin beschäftigen sie sich jeden Morgen mit der aktuellen Ausgabe der Zeitung und das sei ein „Riesenspaß“. Jeder bekäme den Teil der Ausgabe, für den er sich interessiert und dann lese man gemeinsam die einzelnen Artikel, erläutert Klassenleiter Roland Zahn. „Die Einbindung des Nordkuriers in den Unterricht ist uns sehr wichtig“, gibt er zu verstehen. „Die Welt ist bunt und die Themen interessieren schließlich jeden.“
Umso verständlicher ist es da, dass die Abschlussklasse eine Menge Fragen für Kim Rosenberg, die extra aus Neubrandenburg angereiste Mitarbeiterin des Nordkuriers, mitgebracht hatte. Wie kämen die Artikel überhaupt zustande? Machen die Redakteure die Fotos alle selbst? Und überhaupt: Wie viele Tonnen Papier verbrauche die Druckerei denn so im Jahr? Bei so vielen interessierten Nachfragen musste selbst die Nordkurier-Expertin die ein oder andere Antwort schuldig bleiben.
Dafür hatte sie eine Menge Anschauungsmaterial mitgebracht. Die Schüler konnten echte Druckplatten bestaunen und auch skurril gefärbte Fehldrucke bekamen sie zu Gesicht. Damit war dann ebenfalls eine der drängensten Fragen beantwortet: Wie wird die Zeitung denn gedruckt?
Ganz ahnungslos waren die Schüler jedoch nicht. Schließlich gebe es an der Schule eine monatliche Schülerzeitung, die allein von den Schülern gefüllt werde. Und auch den Nordkurier hätten sie schon einmal selbst „befüllt“, berichtet Zahn. Zwar nur im Unterricht, aber es sei schon zu merken gewesen, dass eine Menge Themen nötig sind, um alle Seiten zu füllen. „Die Intensität, mit der sich die Klassen hier mit der Zeitung beschäftigt, ist viel größer als an anderen Schulen“, erklärt Schulleiter Lothar Lotzkat. „Das ist nach vielen Jahren fast eine Selbstverständlichkeit geworden.“ Denn der Nordkurier ist in der Müritz-Schule nicht nur zum Lesen da. Gemeinsames Diskutieren über das Wo und Wie oder das freie Sprechen über den Artikel vermitteln den Schülern wichtige Kompetenzen. Anfängliche Zweifel der Kollegen hätten sich da schnell zerstreut, erinnert sich Zahn. Inzwischen habe man gemerkt: „Die Zeitung ist besser als so manches Lehrbuch.“
Das läge aber auch am pädagogischen Freiraum, den man an der Müritz-Schule hätte. „Wir haben sozusagen eine Nische im Bildungssystem“, sagt Zahn, denn die Müritz-Schule ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt auf geistige Entwicklung. Lebenspraxis wolle man vermitteln und da gehöre eben auch das Zeitungslesen dazu. Mehr noch: Wenn Mama und Papa morgens bei Kaffeeduft die Zeitung unter sich aufteilen, dann ist das auch ein Stück Normalität. „Auch deswegen ist die Zeitung in einzelne Bücher aufgeteilt“, scherzt Kim Rosenberg, „damit man sie leichter in der Familie aufteilen kann.“
Für die Zukunft wünscht sich Zahn, im Unterricht weiter mit dem Nordkurier arbeiten zu können - „auch wenn damit gewisse Kosten verbunden sind.“ Und nachdem das ZiSch-Frühstück so großen Anklang bei den Schülern fand, ist schon die nächste Erkundungstour in Planung: eine Fahrt zur Druckerei in Neubrandenburg.
Die Einstiegsfrage der Schüler, wie denn ein Artikel in die Zeitung käme, können sie nun vielleicht mit diesem Text für sich beantworten. Schließlich sind sie das Thema und konnten live mit ansehen, wie der Redakteur vor Ort war, um Informationen zu sammeln und die Fotos zu schießen.

Kontakt zum Autor
red-waren@norkurier.de