Eckhardt Aigner, den viele einfach Eric nenne, unterstützt die in Amsee untergebrachten Ukrainer.
Eckhardt Aigner, den viele einfach Eric nenne, unterstützt die in Amsee untergebrachten Ukrainer. Miriam Brümmer
Der Kneipenname „Höhle“ war Programm und nur eine von vielen Stationen im Leben von Eckhardt Aigner.
Der Kneipenname „Höhle“ war Programm und nur eine von vielen Stationen im Leben von Eckhardt Aigner. ZVG
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Dieser Warener möchte so schnell wie möglich nach Kiew

Während viele Ukrainer versuchen, ihr Heimatland zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen, will ein Warener endlich wieder nach Kiew, sobald die Umstände es zulassen.
Waren

Sein Pseudonym ist Erik, weil das für viele leichter auszusprechen ist als Ecki oder sein gebürtiger Name Eckhardt Aigner. Viele Warener kennen ihn noch aus der Zeit, als er die Kneipe „Hafenkuddel“ betrieb. Die Kneipe musste er aus gesundheitlichen Gründen 2018 jedoch aufgeben. Schon damals engagierte er sich in der Flüchtlingshilfe. Heute hilft er den Ukrainern, die in Amsee untergebracht sind. Er selbst musste aus der Ukraine fliehen und weiß, wie es ihnen geht.

Doch die Geschichte fing schon viel früher an. Geboren wurde der Mann mit zum Zopf gebundenem Bart und ausgefallenen Kopfbedeckungen als Markenzeichen im Mai 1963 im damaligen Karl-Marx-Stadt. Im Laufe seines Lebens zog er nach Moskau und später in die Ukraine. Mit seiner Erlebniskneipe „Höhle“ in Kiew, die nicht nur so hieß, sondern auch so aussah, hatte er mit internationalen Künstlern und Gästen zu tun. Der Name war Programm, denn die Bestellung wurde auf einem Kerbholz vermerkt.

2014 setzten in der Ukraine bürgerkriegsähnliche Zustände ein. „Menschen mit Uniform kamen in die Kneipen und wollten Schutzgeld erpressen“, erzählte er. Als alleinerziehender Vater wollte er jedoch seine in der Ukraine geborene, jüngste 16-jährige Tochter schützen. Beide ließen dort alles zurück und kamen nach Waren.

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Die Tochter ist erwachsen, er möchte in die Ukraine

Als seine Tochter 2020 ihre Lehre abgeschlossen, einen Partner mit gemeinsamer Wohnung hatte und auf eigenen Beinen stand, wurde bei Eckhardt Aigner der Wunsch lauter, wieder in die Ukraine zurückzukehren und dort erneut in die Gastronomie zu gehen. Er traf die entsprechenden Vorbereitungen, fand eine Immobilie, einen Investor und im Sommer des vergangenen Jahres zog er erneut nach Kiew. „Im Januar sollten die Umbauarbeiten für die Kneipe beginnen“, erzählte der Wahlukrainer. Aufgrund der angespannten Situation zwischen Russland und der Ukraine wurden die jedoch verschoben. Abwarten war die Devise: „Bis das besser wird und am 24. Februar hab’ ich im Keller einer Tiefgarage gesessen“, erinnerte sich Eckhardt Aigner. Es blieb nur die Flucht.

Auf dem Bahnhof in Wien als Dolmetscher geholfen

Erste Zwischenstation war Wien. Dort half er auf dem Bahnhof als Dolmetscher, bevor er zurück nach Deutschland und nach Waren kam. Kaum hier, hegt er dennoch den Wunsch, in die Ukraine zurückzukehren. Dort herrsche eine andere Freiheit als in Deutschland mit weniger Bürokratie und die durchweg sehr herzliche Mentalität der Menschen seien sein Antrieb. Wenn es die Zeit mit sich bringt, will er sich in der Ukraine psychologisch um Soldaten kümmern, die aus dem Krieg zurückkehren. Er will den Menschen helfen und, auch wenn es blöd klingen mag, wie er selbst sagte: „Gastronomie ist nicht nur Bier ausschenken.“

Hilfe für die Flüchtlinge in Amsee

Wichtig sei es, den Menschen das Vertrauen zu schenken und ihres zu gewinnen. Das würde er auch hier in Waren in Amsee spüren. Oft ginge es einfach darum, zuzuhören und den Menschen Halt zu geben und nicht darum, Ratschläge zu erteilen. Noch macht er genau das hier in Waren, gibt Unterstützung bei Behördengängen und organisiert mithilfe vieler Unterstützer in und um Waren etwas Kultur für seine Amsee-Schützlinge. Das ist auch mal ein Nachmittag drin, an dem die Kinder gemeinsam Eis essen gehen und die Erwachsenen etwas kinderfreie Zeit für sich haben. Seine Kiewer Jahre seien da ein unglaublicher Heimvorteil und – weil er beide Sprachen spricht – der Bonus.

Derzeit wohnen 55 Ukrainer in Amsee. „Wenn ich sehe, dass die Menschen eigenständig sind, möchte ich zurück nach Kiew“, wenn möglich schon vor dem Kriegsende. „Es gibt dort genug zu tun“ sagte er.

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