Therapeut Nino Radlach schaut sich die Übungen von Frank Klemann genau an und korrigiert, wenn es nötig ist.
Therapeut Nino Radlach schaut sich die Übungen von Frank Klemann genau an und korrigiert, wenn es nötig ist. Miriam Brümmer
Sport und Gesundheit

Dieses Wackel-Training hilft bei Nervenerkrankungen

Ganzheitliches Training bekommt mit diesem Gerät eine andere Bedeutung. Sogar Frank Elsner trainiert im „Käfig“ gegen Parkinson an. Doch das Gerät kann noch einiges mehr …
Röbel

Es sieht aus wie ein Käfig, ist aber ein Trainingsgerät, dass alle Muskelbereiche und insbesondere die Tiefenmuskulatur ansprechen soll, die sonst nur schwer zu erreichen ist. Skeptikern nimmt Sabine Pflieger von der Physiotherapie Olaf Brandt in Röbel gleich zu Beginn die Angst. „Man kann nur alles richtig machen, weil man sich selbst ausbalancieren muss“, sagte sie. Das sei die Hauptarbeit der Tiefenmuskulatur. Die übrige Muskulatur wird an Gummibändern trainiert.

Balancieren ist das Stichwort, denn insgesamt ist dieses Gerät namens „Sensopro“ eine sehr wackelige Angelegenheit. Die Füße stehen auf zwei breiten Gewebebändern. Der dadurch wackelige Untergrund bewirkt eine Grundspannung im Körper. An den Seiten sind die besagten Gummibänder in unterschiedlichen Stärken angebracht. Außerdem befindet sich in dem Gerät ein Monitor, auf dem nicht nur das Training eingestellt – angefangen vom Reha- bis hin zum Spitzensport –, sondern auch angezeigt wird, welche Übungen gerade wie ausgeführt werden sollen. Es sei extrem einfach und Trainierende würden dort abgeholt, wo sie gerade stünden, sagte die Trainerin.

„Merke, wie es dem Rücken guttut”

Das bestätigt auch Frank Klemann. Er war immer ein aktiver Sportler, ist früher um die 4000 Kilometer Rad im Jahr gefahren. Jetzt sind aufgrund einer schweren Rückenerkrankung zwei Kilometer schon schwierig. Bisher sei bei seinen Rückenproblemen das Stand-Up-Paddeln hilfreich gewesen, bei dem stehend auf einem Board gepaddelt wird.

Für ihn sei das Gerät wie ein Glücksgriff, denn mit den Rückenbeschwerden bliebe ihm nicht mehr viel übrig. Aufgeben komme für ihn aber nicht in Frage. Sein Fazit nach der ersten Nutzung: „Hier wird alles beansprucht, am Ende gehe ich zitternd raus, merke aber, wie es dem Rücken guttut“, das habe ihm bisher zu den anderen Geräten im Zirkeltraining immer gefehlt, zumal beim Training in dem Gerät fast alle Muskelgruppen gleichzeitig und noch dazu die Koordination angesprochen werden.

Muskeln stärken mit Video-Anleitung

Beim Training selbst spüre er meist gar nicht, dass alle Muskelgruppen angesprochen werden. Wegen seiner gesundheitlichen Vorgeschichte begleitete und korrigierte Physiotherapeut Nino Radlach am Anfang das Training von Frank Klemann, so wie auch alle anderen Patienten mit neurologischer Erkrankung, zu denen auch Schlaganfall gehört.

„Alle Patienten, bei denen die Ansteuerung im Körper durch eine Nervenerkrankung gestört ist, profitieren davon ganz stark“, so Nino Radlach. Sogar Fernsehmoderator Frank Elsner trainiert auf so einem Gerät und steuert damit den Auswirkungen seiner Parkinsonerkrankung entgegen, erzählte er. Sportler ohne Vorgeschichte können auch ohne persönliche Anleitung allein anhand der Videos ihre Muskeln stärken. Sie sind aber wie im Geräteparcours auch unter Therapeutischer Aufsicht, versicherte er.

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