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Dörfer wollen ein Stück vom Windrad-Kuchen

Der Protest in der Müritzregion gegen weitere Windräder ist groß. Doch Gemeinden im Amt Röbel Müritz möchten einen neuen Weg gehen und mit den Windrädern sogar Geld verdienen.

An den Anblick der Windräder im Windfeld Bütow/Zepkow nahe der Autobahn A 19 haben sich viele schon gewöhnt. Doch wenn die Erweiterung des Windfeldes ansteht, sollen noch größere Windräder gebaut werden.
Petra Konermann An den Anblick der Windräder im Windfeld Bütow/Zepkow nahe der Autobahn A 19 haben sich viele schon gewöhnt. Doch wenn die Erweiterung des Windfeldes ansteht, sollen noch größere Windräder gebaut werden.

Acht Gemeinden sitzen in den Startlöchern und warten. Darauf, dass endlich die Baugenehmigung kommt für die geplante Erweiterung des Windparks Bütow/Zepkow. Um endlich ein Stück vom Kuchen Energiewende abzubekommen. Wie  das gehen soll? Ganz einfach: Bollewick, Bütow, Fincken, Grabow-Below, Kieve, Wredenhagen, Melz und Zepkow   gründen eine Gesellschaft, kaufen gemeinsam eines der geplanten 16 Windräder in Zepkow und streichen am Ende Geld ein. Auch Bürger besagter Gemeinden können Anteile erwerben. Das Ganze ist  bald Realität: Alle acht Gemeindevertretungen haben bereits entsprechende Beschlüsse zur Gründung der „Elde-EnergieDörfer GmbH & Co. KG“ gefasst. 2015 soll mit dem Bau der Windräder begonnen werden.

Für Bollewicks Bürgermeister Bertold Meyer (parteilos) gibt es vor allem ein Argument, dass seine Gemeinde zum Mitmachen bewegt hat: „Wenn wir solche großen Windräder schon ertragen müssen, dann sollten wir daraus auch Ertrag haben.“ Immerhin beträgt die Nabenhöhe der geplanten Windräder etwa 135 Meter. Von der Rotorspitze bis zum Boden kommt so eine Anlage auf rund 180 Meter. „Das sind Anlagen, die prägend sein werden für unsere Landschaft, Menschen in den umliegenden Gemeinden werden sie sehen können. Die Windräder kommen, ob wir es wollen oder nicht. Gerade deshalb sollten wir auch daran mitverdienen“, ist Meyer überzeugt. Das würde seiner Meinung nach auch die Akzeptanz der von der Bundesregierung angestrebten Energiewende bewirken.

Auch die Region will das Sagen und den Gewinn

Die zu erwartenden Gewinne seien vielleicht nicht riesig für alle Gemeinden, aber dennoch genug, um zum Beispiel freiwillige Aufgaben zu bestreiten, um die Feuerwehren besser auszustatten. „Wir könnten die Haushalte der Gemeinden stabilisieren“, ist auch Manfred Pitann, Bürgermeister in Zepkow und Vorsteher des Amtes Röbel Müritz, überzeugt. Meyer und den anderen Mitstreitern geht es aber um mehr: „Dieses Pilotprojekt könnte ein Anfang  sein für ähnliche Bürgerwindräder.“

Schon immer habe ihn gestört, dass andere, sprich Großkonzerne das Sagen und den Gewinn haben, wenn es um Energieversorgung und Energiegewinnung in der Region geht. Von Wertschöpfung  – also Verdienst – in der Region könne kaum eine Rede sein. Deshalb auch hat zum Beispiel Bollewick sein eigenes Nahwärmenetz gebaut und sich unabhängig von Ölpreisen und Großkonzernen gemacht. Zum Vorteil der Einwohner: Sie müssen für warme Stuben rund ein Drittel weniger zahlen. Und das, was sie zahlen, fließt indirekt über die Gemeinde an sie zurück.