SEGELN

▶ Drei Generationen aus Waren auf einem Schiff bei der Müritz-WM

Vater, Sohn und Enkelsohn in einem Boot – kann das gut gehen? Sehr sogar. Das beweisen gerade drei Warener, die bei der WM an den Start gehen.
Petra Konermann Petra Konermann
Lothar, Marc und Michael Fichtner (von vorne links) und Mark Wilke (hinten) gehen mit dem Drei-Generationen-Schiff „Och&
Lothar, Marc und Michael Fichtner (von vorne links) und Mark Wilke (hinten) gehen mit dem Drei-Generationen-Schiff „Och” für den Röbeler Segler-Verein bei der Shark 24-WM auf der Müritz an den Start. Petra Konermann
Auf zum dritten Wettkampftag. Am Freitag stand eine Langstrecken-Wettfahrt auf dem Programm. Wer Weltmeister wird, das steht a
Auf zum dritten Wettkampftag. Am Freitag stand eine Langstrecken-Wettfahrt auf dem Programm. Wer Weltmeister wird, das steht am Sonnabend-Abend fest. Petra Konermann
Röbel.

An Bord eines Segelschiffes kann es nur einen Chef geben. Und wenn es dann auch noch zu einer Wettkampffahrt bei einer Weltmeisterschaft der Bootsklasse Shark 24 hinaus auf die Müritz geht, dann „darf es kein Durcheinander geben“, stellt Lothar Fichtner klar. Mit seinen 66 Jahren ist er Senior an Bord der „Och“ und zugleich der Chef, der Steuermann. Wenn die Crew also vorankommen will bei den Weltmeisterschaften, die noch bis Samstag an insgesamt vier Tagen auf der Müritz vor Röbel ausgetragen werden, dann hört alles auf sein Kommando. Seine Crew hat damit natürlich kein Problem, vielleicht auch deshalb, weil die aus Familienmitgliedern besteht.

50 Crews gehen an den Start

Eine Premiere für das Vater-Sohn-Enkelsohn-Team aus Waren, das für den WM-Ausrichter, den Röbeler Segler-Verein, an den Start geht. Im rund 50 Crews umfassenden WM-Starterfeld ist dieses Drei-Generationen-Gespann mit Lothar Fichtner (66), Michael Fichtner (48) und Marc Fichtner (13) einzigartig. Zur Crew gehört auch noch Taktiker Mark Wilke. „Natürlich wollen wir so gut wie möglich abschneiden, das ist klar, da sind wir auch ehrgeizig. Aber es ist wirklich auch ein wunderbares Gefühl, gemeinsam als Familie hier anzutreten“, sagt Lothar Fichtner.

 

 

Ein kleines Bisschen wurmt es ihn wohl doch, dass das Fichtner-Team „nur“ im guten Mittelfeld derzeit auf Platz 24 rangiert. Denn Senior Fichtner, der mit anderen Crews schon mehrfach an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen hatte, kann auf seinem Erfolgskonto einen 9., einen 8. und als beste Platzierung einen 7. Platz verbuchen. „Aber das wird wohl nichts, dass wir noch weiter vorne landen“, meint Michael Fichtner.

Erst vor wenigen Tagen aus der Werft gekommen

Eigentlich könnten die Fichtner ziemlich stolz auf ihren Mittelfeld-Platz sein. Denn ihr Boot, die silberfarbene „Och“ aus Schweden, ist erst wenige Tage vor WM-Beginn aus der eigenen Werft LA Yacht- & Bootsbau GmbH in Waren gekommen. Mast, Segel, Beschläge – alles neu. Bis kurz vor der ersten Wettfahrt musste geschraubt werden, sogar während einer Wettfahrt noch. Zeit für gemeinsame Trainingsfahrten mit Vater, Sohn und Enkelsohn fand sich vor der WM nicht mehr. „Wir konnten uns als Team nicht einspielen und mussten uns auch noch mit einem neuen Boot einfuchsen“, erklärt Lothar Fichtner den Platz im Mittelfeld. Das einzigartige Segelerlebnis aber, als Familie bei einer Weltmeisterschaft auf der heimischen Müritz an den Start zu gehen, das kann ihnen niemand nehmen – da sind sich alle drei Fichtners einig.

Einst Wasserball im deutschen Nationalteam gespielt

Lothar Fichtner stammt ursprünglich aus Magdeburg und hatte schon zu DDR-Zeiten die Müritz als Segelrevier entdeckt. Seine Familie ging in den Westen, „um Aufbau-Hilfe West“ zu leisten, wie es Lothar Fichtner es augenzwinkernd nennt. Nach der Wende kam er zurück und baute auch die eigene Werft in Waren auf. Für seinen Sohn Michael war klar, „dass ich nur eine Warenerin heiraten konnte.“ Wie sein Vater auch schon hat der Warener einst Wasserball gespielt – sogar im deutschen Nationalteam. Dann aber färbte die Segelleidenschaft von Vater Lothar auf den Sohn Michael ab, und natürlich auch auf Enkel Marc. Für ihn begann die Weltmeisterschaft mit Vater und Großvater übrigens erst einen Tag später als für alle anderen – denn am Mittwoch war noch Unterricht am Warener Gymnasium. Schule geht nun mal vor, betonen Lothar und Michael Fichtner – Weltmeisterschaft hin oder her.

Dann aber haben die drei Fichtners und ihr vierter Mann keine Zeit mehr, das Signal zur Wettfahrt am Freitag erschallt laut über dem Röbeler Seglerhafen. Die Protein-Riegel an Bord der „Och“ der Fichtners sind verstaut, auch ein paar Wiener Würstchen sind dabei, etwas Trinkwasser – jetzt geht es auf den Langstrecken-Kurs bis zur Mitte der Müritz. Vielleicht können die Fichtners noch ein paar Plätze im Starterfeld gut machen. Und wenn nicht, dann ist es wohl auch nicht weiter tragisch. Dass ihr Boot „Och“ heißt, ist bestimmt kein Zufall: Der Name kommt aus dem Schwedischen und bedeutet so viel wie „Na und?“.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Röbel

zur Homepage