BAUMFREVLER PENZLIN

Dreiste Bitte an großzügigen Spender Jost Reinhold

Die Baumfrevler müssen jeweils 100 Arbeitsstunden für 88 geköpfte Bäume ableisten. Um drohenden Schadensersatzansprüchen zu entgehen, unterbreitet die Mutter eines Täters dem Mäzen Jost Reinhold ein Angebot.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Neun auf einen Streich: Symbolisch setzten im Herbst 2018 Penzlins Stadtvertreter mit der Spenderin Angelika Nawrodt Winterlin
Neun auf einen Streich: Symbolisch setzten im Herbst 2018 Penzlins Stadtvertreter mit der Spenderin Angelika Nawrodt Winterlinden für die gefällten Schattenspender. An jenem Standort wurden vor rund einem Jahr die Bäume abgesägt. Susann Salzmann
Jost Reinhold
Jost Reinhold Archiv
Mäzen Jost Reinhold hatte angeboten, den finanziellen Schaden der abgesägten Bäume auszugleichen.
Mäzen Jost Reinhold hatte angeboten, den finanziellen Schaden der abgesägten Bäume auszugleichen. Monika Jacobs
Penzlin.

Die Frauenstimme am anderen Ende des Telefons klingt empört. „Die Jungs werden für ihr Fehlverhalten arbeiten und so eine Dummheit nie wieder machen. Der Wille ist da“, ruft die Mutter eines der Penzliner Baumfrevlers am anderen Ende der Leitung. Ihr Sohn, zum damaligen Tatzeitraum im November und Dezember 2017 gerade einmal 15 Jahre alt, köpfte damals mit einem zwei Jahre älteren Freund 88 Bäume der Gemeindestraße zwischen Passentin und Mallin sowie entlang des Radweges am Bahndamm. Nach gut zwei Jahren fiel vor dem Amtsgericht Waren am letzten Septembertag im Strafverfahren ein Urteil: Die beiden sollen 100 Arbeitsstunden ableisten. Bis Ende März 2020 haben sie dafür Zeit.

Ihrer Strafe wollten sie auch nicht entgehen, spricht die Mutter für die beiden Frevler. Ihr Anruf sei die logische Konsequenz der letzten Ereignisse. Denn nachdem bekannt wurde, dass die unterschiedlichen Erwartungen für einen Täter-Opfer-Ausgleich unvereinbar waren, informierte ein Anwalt die Stadt Penzlin darüber, dass der Ausgleich gescheitert sei. Danach habe es auf die Jungen eine „Hexenjagd“ gegeben, erzählt die aufgebrachte Frau am Telefon. Gleichzeitig versichert sie, dass die Täter ihre Taten wiedergutmachen wollen. Und das soll nicht nur die Öffentlichkeit wissen, sondern darüber hinaus auch ein bestimmter Mann.

Die Rede ist vom Mäzen Jost Reinhold – inzwischen 90 Jahre alt –, dessen Wurzeln im Penzliner Land liegen. Als großzügiger Retter in der Not steht er meist parat, wenn es irgendwo in seiner einstigen Heimat am Finanziellen fehlt. Und genau an ihn wendet sich die Mutter eines der beiden Baumfrevler. Mit der Rückversicherung, dass die Jungs für ihre strafbare Handlung arbeiten, könnte Jost Reinhold doch an seinem einst in Aussicht gestellten Geld für die Schadensregulierung festhalten.

Zivilgerichtliche Verfahren gegen Jungs steht bevor

Reinhold wollte nach Bekanntwerden des Schadens in Höhe von 70 000 Euro für 88 gekappte Bäume die notwendige Summe zur Regulierung zur Verfügung stellen. Im Gegensatz dazu sollten die Buben für ihre Untat bei den Neupflanzungen beteiligt sein – und nicht irgendeine „Ersatzleistung“ erbringen. Im Februar, sagt Penzlins Bürgermeister Sven Flechner (WPL), zog Reinhold sein Geldangebot zurück, da ihm die Verfahrensdauer bis zur endgültigen Strafe zu lange dauere. Eine Nachfrage des Nordkurier bei dem Spender ergab jedoch, dass der Spender die Jungs nach wie vor für eine Spende an die betroffenen Gemeinden Bäume pflanzen sehen möchte.

Grundlos kommt der Anruf der Mutter zum aktuellen Zeitpunkt übrigens nicht. Nachdem das Strafverfahren zulasten der Arbeitsstunden eingestellt wurde, steht das zivilgerichtliche Verfahren bevor. Bei diesem können die Stadt Penzlin und die Gemeinde Mallin Schadensersatz gegen die Jungtäter einklagen. Die Stadt hat sich für diesen Prozess Rechtsbeistand an die Seite geholt. Dieser treffe derzeit die Vorbereitungen für die Verhandlung. In Absprache mit Penzlin wird noch darüber entschieden, ob die laut Gutachter festgestellten 70 000 Euro als Schadensersatz geltend gemacht werden oder ob man mit einer Teilforderung in die Verhandlung geht. Erkennt das Gericht Penzlins Forderung an, kann die Stadt 30 Jahre lang ihren Schadensersatz einfordern. Für die Täter käme da ein Geldgeber, welcher der Stadt ihren Schaden bezahlt und damit die Zahllast von den Schultern der Täter nimmt, sehr gelegen. „Man kann nicht immer alles nur mit Geld aufwiegen“, mahnt die Mutter beim Anruf.

Bürgermeister: „Das war kein Dummejungenstreich!”

Genau in diesem Punkt würde ihr wohl Penzlins Bürgermeister Flechner teilweise recht geben. Neben Geldzahlungen hätte er von beiden Tätern eine persönliche Entschuldigung bei allen betroffenen Gemeinden/Bürgermeistern erwartet. In der Vergangenheit sei zwar kein persönliches Gespräch, aber immerhin eine Mail vom älteren Jugendlichen (heute 19 Jahre alt) eingegangen, in der er sich bei Flechner für sein Tun entschuldigte habe.

Dass Penzlin unabhängig von einer Spende Reinholds auf die Schadensersatzklage absehen würde, verneint der Penzliner Bürgermeister. „Das war kein Dummejungenstreich!“, betont er zum wiederholten Male. „Die Jungen haben über mehrere Tage Bäume abgesägt und sie über die Straßen und Wege gelegt und damit billigend in Kauf genommen, dass jemand zu Schaden kommt“, mahnt Flechner zu bedingtem Mitleid. Wahr ist aber auch, dass sie im Falle eines fünfstelligen Schadensersatzes mit einem ordentlichen Päckchen in ihr Erwachsenen-Leben starten würden.

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