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Ein Glücksfall wohnt jetzt im Müritzeum

Scheren, Fühler und Kopf streckt der neue Bewohner des Müritzeums den Besuchern entgegen. Nur nachts kommt das rund 25 Zentimeter große Tier heraus, um zu fressen.
Scheren, Fühler und Kopf streckt der neue Bewohner des Müritzeums den Besuchern entgegen. Nur nachts kommt das rund 25 Zentimeter große Tier heraus, um zu fressen.
Petra Konermann

Einem Schmalscherigen Sumpfkrebs in freier Natur zu begegnen, ist wie ein Sechser im Lotto. Einem Fischer aus Alt Schwerin ist das jetzt gelungen. Seinen Fang behielt der Mann aber nicht für sich.

Der Anspruch im Müritzeum ist hoch: Möglichst alle in Mecklenburg-Vorpommern heimische Fisch- und Krebsarten sollen gezeigt werden. Ein „Loch“ in der lebenden Sammlung? Wohl nur den ganz versierten Besuchern würde das auffallen. Aber Marco Kastner, Bereichsleiter für die Aquarien des Müritzeums, hängt die Latte selbst ziemlich hoch: „Wir haben den Anspruch, dass wir wirklich die Bandbreite heimischer Arten zeigen wollen. Damit sind wir einmalig in Deutschland, wohl auch in Europa“, sagt er. Kein Wunder also, dass es den Chef-Aquarianer wurmt, wenn diese besondere Sammlung Lücken aufweist: Eine Äsche fehlt derzeit ebenso wie zum Beispiel der Schlammpeitzger oder auch Exemplare der Elritze. Alles Fische, die selten  sind.

In den 1980er-Jahren ist das damalige Müritz-Aquarium unter der Herrenseebrücke mit rund 20 verschiedenen heimischen Fischarten an den Start gegangen. Derzeit werden im Müritzeum rund 50 Arten gezeigt. Über einen „Lückenschluss“ freut sich Marco Kastner daher jetzt besonders: ein Schmalscheriger Sumpfkrebs hat seit ein paar Tagen seine Wohnröhre im Müritzeum bezogen. Ein männliches, etwa fünf Jahre altes Prachtexemplar, das rund 25 Zentimeter lang ist – so groß, dass seine „Wohnung“ sogar ein bisschen zu kurz ist und Kopf, Scheren und Fühler herausschauen. Gut für die Besucher, die den nachtaktiven Krebs ansonsten wohl nur selten zu Gesicht bekommen würden.

Die Krebspest wirkt bis heute nach

Einen Schmalscherigen Sumpfkrebs in der freien Natur anzutreffen, das ist fast aussichtslos. „Es gibt nur noch ganz wenige Stellen im Land, an denen dieser Krebs überhaupt vorkommt“, sagt Marco Kastner. Eine neue Markierung kann nun in das Kataster der bedrohten Tierarten im Land hinzugefügt werden. Denn der neue „Untermieter“ im Müritzeum wurde im Plauer See gefangen – ein Zufallsfund des Alt-Schweriner Fischers Hans-Werner Thomas. In seiner Reuse hatte sich der Sumpfkrebs verfangen. Den Wechsel vom Plauer See in ein Becken des Müritzeums hat der Krebs nach Angaben Marco Kastners gut verkraftet. „Der Krebs frisst fleißig, das ist immer ein gutes Zeichen“, meint der Experte dazu.

Vor über 120 Jahren war der Schmalscherige Sumpfkrebs übrigens in der Müritzregion weit verbreitet – genauso wie der Edelkrebs, der bei vielen Menschen damals als Mahlzeit auf den Tisch kam. Doch dann raffte die so genannte Krebspest fast alle Krebsbestände im Land dahin: Ein Fadenpilz befiel die Tiere und ließ sie sterben. „Bis heute haben sich die Bestände aller einheimischen Krebsarten davon nicht wieder erholt. Denn noch heute lebt der Fadenpilz als Krebspest hier weiter“, erklärt Kastner.