STADT.LAND.KLASSIK!

Großes Konzert mit Humor und kleinen Pannen in Waren

Ein kaputter Scheinwerfer und vermisste Noten konnten diesem Abend mit toller Musik nichts anhaben. Und für eine Frau im Orchester erfüllte sich ein Traum.
Von Andreas Segeth und Petra Konermann Von Andreas Segeth und Petra Konermann
Pianist Daniel Seng aus Berlin sorgte für Begeisterung mit seiner Interpretation des Klavierkonzertes von Ludwig van Beethoven.
Pianist Daniel Seng aus Berlin sorgte für Begeisterung mit seiner Interpretation des Klavierkonzertes von Ludwig van Beethoven. Ingmar Nehls
Die 31-jährige Kontrabassistin Imki Niemeier kommt aus Waren und spielte ihr erstes Konzert überhaupt in ihrer Heimatstadt.
Die 31-jährige Kontrabassistin Imki Niemeier kommt aus Waren und spielte ihr erstes Konzert überhaupt in ihrer Heimatstadt. Ingmar Nehls
Lutz Schumacher hat dieses Mal beide Werke dirigiert – und auch die Zugabe.
Lutz Schumacher hat dieses Mal beide Werke dirigiert – und auch die Zugabe. Ingmar Nehls
Sandra und Sven Brüllke waren extra aus Stavenhagen angereist, um das Konzert in Waren zu erleben.
Sandra und Sven Brüllke waren extra aus Stavenhagen angereist, um das Konzert in Waren zu erleben. Andreas Segeth
Die Neue Philharmonie MV und Pianist Daniel Seng sorgten in Waren für Begeisterung.
Die Neue Philharmonie MV und Pianist Daniel Seng sorgten in Waren für Begeisterung. Ingmar Nehls
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Waren.

Betrachtet man das Konzert vom Ende her, mit all dem Applaus und den stehenden Ovationen und den glückseligen Gesichtern, dann war die kleine Panne am Anfang definitiv ein gutes Omen. Das Orchester hatte die Instrumente gestimmt, das Gemurmel im Saal war verstummt, es herrschte gespannte Stille, der Dirigent hob den Taktstock – und dann machte es plötzlich „Plock!“.

Exakt jener Scheinwerfer, der das Dirigentenpult mit den Noten beleuchten sollte, hatte in diesem prominenten Moment seinen Dienst quittiert und Lutz Schumacher stand im Dunkeln. Der Nordkurier-Chef, der beim Warener „Stadt.Land.Klassik!“-Konzert diesmal den ganzen Abend dirigierte, nahm es mit Humor – so wie das Publikum. Eilig sorgte ein Mitarbeiter des Bürgersaals für neues Licht, während Schumacher den Saal mit Anekdoten über andere Pannen vorausgegangener Konzerte unterhielt.

Zweiter Schreckmoment nach der Pause

Dann aber stand einem – man kann es nicht anders nennen – grandiosen Konzert nichts mehr im Wege. Schumacher und die Neue Philharmonie MV spielten Ludwig van Beethovens „Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll“ und Antonin Dvoráks „Sinfonie Nr. 8“. Der Solopianist Daniel Seng beeindruckte am Flügel mit seinem wahrhaft virtuosen Spiel der wunderschönen Musik von Beethoven, die jungen Musiker harmonierten großartig und Schumacher dirigierte wie verzaubert und entrückt. Die Nervosität der vergangenen Tage, die er nach dem Konzert eingestand, war wie verflogen.

Dabei gab es nach der Pause noch einen zweiten Schreckmoment – es fehlten Noten. „Es gibt Dirigenten, die wären jetzt nach Hause gegangen, aber ich mache ja alles mit“, kommentierte Schumacher und sorgte wieder für Heiterkeit. Die entspannte und gelöste Stimmung im Saal hielt ohnehin den ganzen Abend.

Für Stadt-Land-Klassik-Konzert extra angereist

„Es war toll, es war toll“, so begeistert zeigte sich die Warenerin Jutta Dittrich nach dem Konzert. „Mir ist das Herz aufgegangen“. Am meisten hatte sie der Pianist Daniel Seng beeindruckt. Gerald Schulze war mit seiner Frau extra aus Neubrandenburg angereist – nachdem er die Neue Philharmonie MV schon in Pasewalk erlebt hatte. Er findet die Grundidee der Konzertreihe sympathisch: Die klassische Musik direkt zu den Leuten zu bringen – abseits der ganz großen Konzertsäle.

Für Sandra und Sven Brüllke aus Stavenhagen war es das erste Stadt-Land-Klassik-Konzert. Sie hatten in der Zeitung davon gelesen und waren sofort begeistert. Ihre Kinder wussten sie bei Oma und Opa gut behütet und so konnten sie einen wunderbaren Abend genießen. Die Musik kannten sie schon, „aber so ist das natürlich viel schöner als nur von der CD“, sagte Sandra Brüllke, die selbst in einem Chor singt.

Warener Musikerin spielt erstes Mal in Waren

Bei aller Begeisterung im Publikum – für eine junge Frau erfüllte sich an diesem Abend tatsächlich ein echter Traum. Denn die 31-jährige Kontrabassistin Imki Niemeier stammt selbst aus Waren und konnte am Dienstag ihr erstes Konzert überhaupt in ihrer Heimatstadt spielen. Hier unternahm sie ihre ersten musikalischen Schritte. Mit 13 fing sie an der Müritz mit dem Kontrabass an – auf den Spuren ihres Vaters, der dieses beeindruckende Instrument selbst spielte. Heute lebt sie in Leipzig, musiziert aber längst auch international.

So erfuhr sie erst vor kurzem bei einem Gastspiel mit den Berliner Sinfonikern in Verona von dem Projekt der Neuen Philharmonie MV. Sofort war für sie klar, dass sie da mitmachen musste – zumal sie ein „Nordkurier-Fan der ersten Stunde“ sei, wie sie lachend sagte. Mit der „Kurierschnecke“ habe sie quasi ihre Karriere als Zeitungsleserin begonnen.

Nächstes Konzert schon am Freitag

Aber nach dem Konzert ist auch immer vor dem Konzert: Christine Kresse ist wohl das, was man getrost eine „Wiederholungstäterin“ nennen könnte. Sie war Gast bei den ersten beiden „Stadt.Land.Klassik!“-Konzerten in der Malchower „Werleburg“ und wird auch am Freitag wieder mit dabei sein, wenn um 19 Uhr das dritte Konzert am gleichen Ort gespielt wird, dieses Mal unter anderem mit Prokowjews „Peter und der Wolf“. „Ich freue mich schon sehr darauf“, sagte die Malchowerin.

Sie liebt klassische Konzerte. Um die zu genießen, musste sie sonst immer bis ins über 70 Kilometer entfernte Neubrandenburg reisen. „Wir haben uns dann immer die Generalproben vormittags angehört, damit wir nicht abends spät noch die Heimreise antreten müssen“, sagte sie. Dass nun die „Stadt.Land.Klassik!“-Konzerte quasi vor ihrer Haustür stattfinden, empfindet sie als großes Glück. „Ich lasse mich jedes Mal verzaubern von dem Orchester mit seinen vielen jungen und beeindruckenden Musikern“, meint Christine Kresse. Sie hofft, dass bei einer Neuauflage der Reihe die Inselstadt wieder als Gastspielort eingeplant wird. „Das wäre sehr wünschenswert, es ist ein Ereignis“, sagte sie.

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