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Ein Hühnermörder macht Karriere

Wie wird aus einem Hauklotz mit grusliger Vergangenheit ein schicker Tisch? Er ist durch die Hände von Zimmermeister Torsten Schulz gegangen.
Stolz in ihrem neuen „Holzkunst Atelier“ in Plau am See: Anne Marin und ihr Mann Torsten Schulz. Foto: Hartmut Nie
Stolz in ihrem neuen „Holzkunst Atelier“ in Plau am See: Anne Marin und ihr Mann Torsten Schulz. Hartmut Nieswandt
Da steht er, der Hühnermörder: Ganze Geflügel-Generationen wurden auf dem Holzklotz geschlachtet. Foto: Hartmut
Da steht er, der Hühnermörder: Ganze Geflügel-Generationen wurden auf dem Holzklotz geschlachtet. Hartmut Nieswandt
Plau am See.

Hühnermörder – ein eiskalter Tierquäler, der die Eierleger reihenweise um die Ecke bringt? Nein, ein Hühnermörder ist ein ziemlich ausgefranster Hauklotz, auf dem in früheren Zeiten ganze Generationen von Hühnern ihren Kopf verloren. Damals gab es noch keine Supermärkte mit Gefriertruhen, aus denen bratfertiges Geflügel einfach herausgelangt werden konnte. Wer Appetit auf eine kräftige Hühnersuppe hatte, musste die Henne erst mit einer Axt auf dem Klotz ins Jenseits befördern, sie dann brühen, rupfen, ausnehmen …

Weil das alles heute in Fabriken erledigt wird, sind Hühnermörder überflüssig – und werden in die hinterste Ecke des Hofes gerollt, wo sie langsam verrotten - wenn sie nicht vorher entdeckt werden und Karriere machen. So wie der Hühnermörder von Anne Marin, der jetzt, aufgearbeitet vom Tischler Torsten Schulz, im neuen „Holzkunst Atelier“ in der Steinstraße in Plau am See bewundert werden kann.

Hühnermörder wurde zum einzigartigen Tisch

Anne Marin hatte den alten „Mörder“ in Bayern entdeckt und sofort gewusst: Daraus kann man was machen. Das hat ihr Mann Torsten Schulz, der auch Zimmermeister und Geschäftsführer des neuen Ateliers ist, prompt getan. So wurde aus dem Hühnermörder ein einzigartiger Tisch, ein Unikat, so was gibt’s nur einmal.

Überhaupt ist der Besuch des Ateliers in der Steinstraße 18 immer ein interessanter Ausflug in die mecklenburgische Handwerksgeschichte. Das Atelier geht zurück auf die Holzwerkstätte, die Heinrich Schröder, Urgroßvater von Anne Marin, im Jahr 1886 in Krakow am See gründete. Die Werkstatt ist immer noch in Familienhand und nach wie vor in Betrieb, wurde 2015 von Anne Marin übernommen. Heute fertigt dort Torsten Schulz seine Holzarbeiten. So verzauberte er zum Beispiel den alten Schleifbock des Urgroßvaters in den Grundstock für eine moderne Einbauküche. Oder den Couchtisch, den der Handwerksmeister aus em Untergestell eines uralten Motorschlittens fertigte, den seine Frau auf einem Flohmarkt fand. Den Raumteiler im „Holzkunst Atelier“ baute Torsten Schulz aus Fenstern, die er aus einer Dresdner Villa vor der Zerstörung rettete. Hinter dem Raumteiler betreibt Anne Marin ihr Immobilienbüro, von dem aus sie sich auch um den Laden kümmert.

Atelier zeigt auch Naturfotografien

„Die vielen Arbeiten bei Umbau und Sanierung des alten Geschäfts haben wir fast alle selbst bewerkstelligt“, erzählt der junge Geschäftsführer stolz. Seine Frau war immer mit von der Partie, als „gelernte DDR-Bürgerin“ kennt sie sich bei vielen Handwerksarbeiten aus. Ergänzt werden die Ausflüge in die mecklenburgische Handwerkskunst im Atelier durch schönes alte Glas, Porzellan und allen möglichen, liebenswerten Nippes. „Und professioneller Naturfotografie, die aus der Hand meines Schwiegersohns stammt“, ergänzt Anne Marin.

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