TRAGISCHER UNFALL BEI WAREN

Ein lauter Knall, ein Feuer – und eine Frau verlor ihr Leben

Ein Drama spielte sich am Montagabend am Malkwitzer See bei Hohen Wangelin im Nordwesten von Waren ab. Eine 22-jährige Frau wollte helfen, als dort ein Wohnmobil Feuer fing. Doch dabei zog sie sich schwere Verbrennungen zu – und verlor schließlich ihr Leben.
Das Wohnmobil am Ufer des Malkwitzer Sees nahe Hohe Wangelin ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Das Wohnmobil am Ufer des Malkwitzer Sees nahe Hohe Wangelin ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Nadine Schuldt
Der Parkplatz, auf dem das Wohnmobil stand, liegt genau unter einer Stromleitung. Ihre Kabel haben eine Power von 20.000 Volt.
Der Parkplatz, auf dem das Wohnmobil stand, liegt genau unter einer Stromleitung. Ihre Kabel haben eine Power von 20.000 Volt. Nadine Schuldt
Bürgermeister Torsten Nörenberg hat den Wohnmobil-Besitzern eine Unterkunft in einer Ferienwohnung organisiert.
Bürgermeister Torsten Nörenberg hat den Wohnmobil-Besitzern eine Unterkunft in einer Ferienwohnung organisiert. Nadine Schuldt
Die Badestelle am Malkwitzer See ist etwas abseits von Hohen Wangelin gelegen. Wer seine Ruhe haben möchte, kommt hierher
Die Badestelle am Malkwitzer See ist etwas abseits von Hohen Wangelin gelegen. Wer seine Ruhe haben möchte, kommt hierher. Nadine Schuldt
Hohen Wangelin.

„Es gab einen richtig lauten, dumpfen Knall“, sagt Dietrich Fischer, der in Kniep, einem Ortsteil von Hohen Wangelin, wohnt. Er habe zu der Zeit schon im Bett gelegen. Nach dem Knall sei er zum Fenster gegangen und habe das Wohnmobil brennen sehen. Drei Urlauber seien dann hingelaufen, um den Wohnmobil-Reisenden helfen. Wenig später sei dann ein junger Mann zurückgekommen und habe geschrien, erzählt Dietrich Fischer: „Sie ist tot, sie ist tot!“ Er habe sich in dem Moment gewundert, was der Mann gemeint habe. Und auch zur Brandstelle konnte er nicht, da habe die Feuerwehr niemanden rangelassen.

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Doch was war geschehen? Gegen 22.45 Uhr war der Wohnwagen in Brand geraten. Durch die starke Hitzeentwicklung riss die Hochspannungsleitung über dem Wohnmobil und fiel herunter. Eine 22-jährige Urlauberin aus dem bayrischen Landkreis Weilheim-Schongau wollte Hilfe leisten und wurde durch die abgestürzte Hochspannungsleitung so stark verletzt. Zwei 17- und 19-jährige Urlauber aus aus der oberpfälzischen Stadt Weiden in Bayern leisteten erste Hilfe bei der Verletzten und wurden dabei ebenfalls leicht verletzt. Trotz sofort eingeleiteter erster Hilfsmaßnahmen verstarb die junge Frau noch vor Ort .

Mirco Mertel war der Einsatzleiter bei dem heftigen Brand und mit seiner Feuerwehr als erstes vor Ort. „Ich hatte nur die Frau gesehen und das brennende Wohnmobil“, erinnert er sich an den ersten Anblick. Wenige Augenblicke später begannen die Kameraden das Wohnmobil zu löschen – allerdings „aus der Ferne“, sprich hinter der Parkplatz-Begrenzung. Unter der Stromleitung sollte sich aus Sicherheitsgründen niemand aufhalten.

Wohnmobilisten blieben zunächst bei der Feuerwehr

Etwa 30 Minuten später war dann auch ein Fachmann des entsprechenden Energieunternehmens vor Ort und schaltete den Strom ab. Wie Feuerwehrmann Mirco Mertel erklärte, sei der Brand in etwa 45 Minuten gelöscht gewesen. Das Wohnmobil wurde allerdings bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Es waren um die 40 bis 45 Feuerwehrleute vor Ort. Der Einsatzleiter und einige Kameraden blieben bis etwa vier Uhr vor Ort, bis die Polizei eintraf.

Der 17- und der 19-Jährige wurden zur medizinischen Untersuchung in das Klinikum Güstrow gebracht. Der 47-jährige Wohnmobilbesitzer aus Baden-Württemberg wurde bei dem Versuch, das Feuer zu löschen, leicht verletzt und musste ebenfalls behandelt werden.

Not-Unterkunft bei der Feuerwehr

Der Wohnmobilbesitzer und seine Frau wurden währenddessen ins Hohen Wangeliner Feuerwehr-Gerätehaus gebracht, wo sie auch übernachteten. Zwei Kameraden blieben ein Großteil der Zeit bei ihnen, am morgen brachte ihnen der Hauptmaschinist auch Frühstück. Bürgermeister Torsten Nörenberg hatte in der Zwischenzeit dafür gesorgt, dass die beiden für die kommenden Tage in einer Ferienwohnung unterkommen und das Erlebte verarbeiten können. „Meine Frau ist zum Kik in Krakow am See gefahren und hat erst einmal Kleidung und Schuhe besorgt“, erzählt das Gemeindeoberhaupt. Nörenberg habe auch schon mit den beiden sprechen können. Wie ihm der Mann mitteilte, seien sämtliche Unterlagen und Geld vernichtet worden, „es sind sogar die Eheringe verbrannt.“

Dieses Jahr große Probleme mit illegalen Campern

An dem Wohnmobil entstand ein Schaden von 15.000 Euro. Ein Brandursachenermittler stellte am Dienstag fest, dass es einen technischen Defekt im Bereich des Motorraumes gegeben hat. Auf Grund dessen ist das Feuer ausgebrochen. Fremdeinwirkung, also eine Brandstiftung, schließt die Polizei aus. Ein Todesermittlungserfahren wurde – wie üblich – eingeleitet.

Dass ein Wohnmobil auf dem Parkplatz an der nahe gelegenen Badestelle stand, ist für Bürgermeister Torsten Nörenberg wie für Einsatzleiter Mirco Mertel nichts Ungewöhnliches. Hier komme jeder vorbei – vom Radler bis zum Transportfahrer, so Mertel. „Die Badestelle ist etwas abgelegen und sehr ruhig“, so Nörenberg. Zudem habe der See glasklares Wasser und ist sehr flach. Dass dort wild gecampt werde, sei ihm jedoch noch nie berichtet worden.

Illegal abgestellte Wohnmobile würde man im Amt Seenlandschaft-Waren in diesem Jahr vermehrt sehen, sagte die leitende Verwaltungsangestellte Janett Holtz. Solang die Camper nur über Nacht stehen bleiben, um bei Erschöpfung eine Pause von der Fahrt einzulegen, sei es kein Problem. Nicht in Ordnung sei es dann, wenn die öffentliche Stellfläche als gratis Urlaubsquartier genutzt wird. „Da sind wir auf Hinweise der Bürgermeister angewiesen. Bei einer Fläche von 502 Quadratkilometern können wir das nicht kontrollieren“, sagt Janett Holtz. Man müsse aber unterscheiden, ob ein Camper auf einer privaten oder einen öffentlichen Fläche steht. „Gerade in Klink bekommen wir mit, das immer mehr Camper auf privaten Grundstücken Urlaub machen. Das können sie natürlich, sind dann aber verpflichtet, Kurabgabe zu zahlen“, sagt Janett Holtz.

Die Ämter sind teilweise überfordert

Malchows Bürgermeister René Putzar (parteilos) drückte sein Bedauern aus. Auf Nachfrage des Nordkuriers konnte er bestätigen, dass es im Amt Malchow besonders in diesem Jahr große Probleme mit illegalen Campern gibt, sowohl im Stadtgebiet, als auch an den Seen und in den Wäldern. Das liege einerseits daran, dass die vorhandenen Campingplätze die steigende Nachfrage nicht bedienen könnten. „Was das angeht, arbeiten wir daran, mehr Kapazitäten an geeigneten Stellen zu schaffen. Wir freuen uns über Camper und wollen ihnen auch gute Stellplätze anbieten. Nichtsdestotrotz wird es leider immer auch welche geben, die die Angebote ignorieren und die Regeln nicht beachten“, sagte René Putzar.

Andererseits seien die Mitarbeiter des Ordnungsamtes schlichtweg überfordert, diejenigen aufzuspüren, die sich nicht an die Regeln halten wollen. „Wir sind da auf Hinweise von der Polizei angewiesen“, sagte Putzar. Neben Touristen, die ihre Wohnmobile und Wohnanhänger illegal abstellen, gebe es auch vermehrt Wasserwanderer, die wild am Ufer zelten und die Plätze nicht immer sauber hinterlassen. „Die Hinterlassenschaften sind ein echtes Problem. Da fällt Müll an und auch Fäkalien. Zudem sorgt illegales Campen auch immer für Brandgefahr, gerade jetzt in der trockenen Zeit“, warnte René Putzar.

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