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Eine Brücke ist jetzt weg

Die Brücke bei Federow steht nur noch in ihren Fragmenten.
Die Brücke bei Federow steht nur noch in ihren Fragmenten.
Elke Enders

Dort, wo sonst Radfahrer, Pferdefuhrwerke und Autos darüber rollten, endet der Waldweg zwischen Federow und Klockow abrupt. Das bedeutet weniger Verkehr im Schutzgebiet. Doch des einen Freud ist des anderen Leid.

Die Abrissbagger haben ganze Arbeit geleistet. Ein Großteil der Brücke, die Federow und Klockow über Jahrzehnte verband, um die Bahngleise der Hauptstrecke Berlin-Rostock zu queren, liegt in Trümmern. Laster haben den Schotter teilweise auch schon abtransportiert. Ein Bauzaun soll neugierige Passanten davon abhalten, die Brücken-Fragmente zu betreten und den Gleisen allzu nah zu kommen. Die aufwändigsten  Arbeiten wurden während der Nachtstunden verrichtet. Beeinträchtigungen beim Zugverkehr blieben dennoch nicht aus. Kurzweilig musste die Strecke gesperrt werden.

Der Brückenabriss östlich von Federow zählt zu den letzten Maßnahmen, die mit der Streckenertüchtigung der Bahnlinie zwischen Bundeshauptstadt und Ostsee einher gehen. Seit dem Frühjahr 2010 schon wurde an den Gleisen gewerkelt, zwischen Neustrelitz, Kratzeburg und Waren das Schotterbett saniert, Oberleitungsmasten erneuert und moderne Signaltechnik installiert. Anliegen der Bahn ist es, die Züge auf der Hauptstrecke noch schneller fahren zu lassen.

Bahnreisende schneller unterwegs

Nutznießer sind in erster Linie die Reisenden: Züge preschen nun mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde durch die Lande, während vorher bei 120 Kilometern pro Stunde Schluss war. Ein positiver Effekt ergibt sich zudem für den Gütertransport. Die Gleise können jetzt eine noch höhere Achslast aufnehmen, informierte die Bahn.

Wohlwollen herrscht indes auch im Müritz-Nationalparkamt: Insgesamt vier Brücken, die als innerörtliche Verbindung mittlerweile an Bedeutung eingebüßt hätten, wurden im Zuge des Gleisausbaus abgerissen: bei Adamsdorf, bei Kratzeburg, bei Klockow und jetzt auch bei Federow. Dabei versprechen sich die Umwelthüter auch vom jüngsten Projekt eine weitere Beruhigung des hochwertigen Naturraumes.

So ist zwischen Federow und Klockow der Waldweg, der über die Querung führte, an den Bahngleisen nun gekappt. Vorab wurden Lösungen für Touristen gesucht und gefunden. Der Müritz-Nationalpark-Wanderweg und der Nationalpark-Radweg mit dem Radfahrer-Piktogramm werden weiträumig umgeleitet und verlaufen nun auf einem ehemaligen Waldbrandschutzstreifen nördlich der Bahnlinie über Kargow-Unterdorf nach Klockow. 

Gemeinde konnte nicht für die Sanierung zahlen

Auch die Gemeinde Kargow hatte für den Brückenabriss grünes Licht gegeben. Sie sah sich nicht mehr in der Lage, für die Unterhaltung des maroden Bauwerks aufzukommen. Die Anwohner allerdings sehen die Entwicklung mit Skepsis. „Alles wird hier zugemacht“, waren kritische Stimmen zu hören. „Da sind sonst immer die Pferdefuhrwerke rüber gefahren“, erinnert sich beispielsweise Paul-Friedrich Klug aus Federow an mobilere Zeiten. Überhaupt hätten Einwohner die direkte Ortsverbindung viel genutzt. „Ganz früher wurde die Brücke auch noch mal gehobelt, als Genosse Stoph hier lang kam...“, erzählt er von den Jagdgewohnheiten der damaligen DDR-Oberen. Danach sei kein Geld mehr für die Reparaturen da gewesen, bedauert der Federower und fügt hinzu: „Es darf nur nicht brennen...“  Dann könnte sich die fehlende innerörtliche Verbindung doch mal als nachteilig auswirken, glaubt er.