In Malchow brechen alle Dämme

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Eine Klage als letzte Amtshandlung?

Malchow - idyllisch von oben, doch unten kocht die politische Stimmung weiter hoch.
Malchow - idyllisch von oben, doch unten kocht die politische Stimmung weiter hoch.
Klaus Steindorf-Sabath

Von wegen neues Wir-Gefühl! In Malchow liegen die Nerven 48 Stunden vor der Bürgermeisterwahl offenbar blank – die politischen Auseinandersetzungen eskalieren. Endet die Bürgermeisterwahl womöglich sogar vor Gericht?

Lange hat er sich „wohlweislich“ aus dem Wahlkampfgetöse herausgehalten – doch zwei Tage vor der entscheidenden Stichwahl holt der aktuelle Bürgermeister Joachim Stein zum Paukenschlag aus. In einer Mail an die Linken-Kandidatin Elke-Annette Schmidt droht Stein mit einer Klage. „Ich behalte mir rechtliche Schritte wegen des Tatbestandes der Verleumdung vor“, ist Stein mächtig sauer. Und legt nach: „Ich nehme es nicht hin, dass Sie (Frau Schmidt, d. Red.) mich der Lüge bezichtigen. Dagegen verwahre ich mich aufs Schärfste.“ Gleichzeitig fordert Stein, dass sich Schmidt entschuldigt und ihre Aussagen zurücknimmt.

Grund der Stein-Attacke: Im Interview in der Donnerstag-Ausgabe des Nordkurier war die aktuelle Stadtpräsidentin Schmidt den amtierenden Bürgermeister hart angegangen. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Drehbrücke und der umstrittenen Poller-Anlage hatte Schmidt von „untergeschummelten Kosten“ seitens des Bürgermeisters gesprochen – Schmidts Attacke gipfelte in dem Satz: „Der scheidende Bürgermeister hat uns belogen.“

Kopfschütteln auf beiden Seiten

In der Mail an Schmidt weist Stein die Vorwürfe detailliert zurück und macht deutlich, dass er die Stadtvertreter „nachweislich informiert“ habe. Der langjährige Rathaus-Chef erläutert auch seine Interpretation der Ergebnisse des ersten Bürgermeister-Wahlganges vom 26. April. Dass ein „vor einigen Monaten zumindest politisch Unbekannter“ die erste Wahlrunde gewinnt, hält Stein für eine „Abstrafung der Stadtvertretung durch die Wähler“. Stein weiter: „Das Wahlvolk ist wohl doch nicht so dumm, wie Sie es gerne hätten. Und was machen die Kandidaten damit, sie gestehen sich nicht die Niederlage ein, sondern vereinigen sich, um den Außenseiter in die Flucht zu schlagen. Über soviel Unverfrorenheit kann ich nur den Kopf schütteln.“

Das wiederum kann Schmidt nur über Stein. Drei Stunden nach der Mail des amtierenden Bürgermeister antwortet Schmidt – ebenfalls per Mail. Und einer klaren Botschaft: „Ich werde meine Aussagen nicht zurücknehmen, warum auch? Für mich heißt lügen, wohlweislich Informationen zurückzuhalten.“ Anschließend schildert Schmidt ihre Sicht zu Drehbrücke und Poller – und endet mit den Worten: „Die Bürger Malchows werden ihre Wahl treffen und darüber bin ich sehr froh. Das ist Demokratie.“