FÖRDERBEDARF BEI KÜNFTIGEN GRUNDSCHÜLERN

Eltern laufen Sturm nach Anruf vom Schulamt

Ein Anruf vom Neubrandenburger Schulamt bei Malchower Eltern sorgt für Entrüstung. Binnen fünf Tagen sollten sie eine neue Entscheidung zur schulischen Zukunft ihrer Kinder treffen, obwohl der Weg schon längst feststand.
Die Eltern aus Malchow wollen ihre Kinder in die Förderklasse nach Malchow schicken – so, wie es ihnen das Schulamt
Die Eltern aus Malchow wollen ihre Kinder in die Förderklasse nach Malchow schicken – so, wie es ihnen das Schulamt vor Monaten selbst empfahl. Marcel Kusch
Malchow ·

Peter Albers aus Malchow ist äußerst irritiert und empört. Grund für die Aufregung ist ein Anruf von einer Mitarbeiterin des Staatlichen Schulamtes in Neubrandenburg. Gesprächsthema: Seine siebenjährigen Zwillinge und deren Einstieg in den Schulalltag ab 1. August. Die Malchower Eltern sollten sich nun bis zum Freitag überlegen, ob sie ihre beiden Kinder entweder in einer Diagnose-Förderklasse (DFK) mit individueller Förderung nach Röbel oder aber in der regulären ersten Klasse der Malchower Goethe-Grundschule eingeschult werden sollen.

Schulamt empfahl Besuch der Malchower DFK-Klasse

Albers fiel aus allen Wolken und konnte nicht glauben, was ihm da am Telefon erzählt wurde. Immerhin stand die Entscheidung, dass seine Zwillinge in eine DFK-Klasse mit besonderer Förderung für entwicklungsverzögerte Kinder nach Malchow gehen, seit knapp einem halben Jahr fest. Am 18. Dezember erhielten die Eltern ein Schreiben vom Schulamt, dass bei den Kindern ein Förderbedarf festgestellt wurde. Die Empfehlung der Behörde: Die DFK0-Klasse an der Grundschule Malchow zum Schuljahr 2021/22. Einen Monat lang hätten beide Seiten gegen den Bescheid Widerspruch einlegen können. Doch nichts passierte. Bis jetzt.

Nun, etwa einen Monat vor Beginn der Sommerferien und nur knapp drei Monate vor der geplanten Einschulung soll kurzfristig an der schulischen Zukunft seiner Zwillinge geschraubt werden. Am Freitag, 14. Mai, wollte sich die Mitarbeiterin des Schulamtes noch einmal bei den Eltern melden, um – ebenfalls telefonisch – die elterliche Entscheidung zu notieren. Gemeldet hat sich trotz der Ankündigung zum Wochenanfang nach Elternaussagen niemand.

Bürgerbeauftragter hakt beim Ministerium nach

Wurde die DFK-Klasse binnen weniger Wochen für Malchow einfach abgeschafft? Albers und andere Eltern lassen das nicht auf sich sitzen. Er wendet sich an eine Malchower Rechtsanwaltskanzlei und informiert den Bürgerbeauftragten des Landes. Während Rechtsvertreterin Birgit Hannemann ein offizielles Schreiben ans Schulamt verschickt, drängt der Bürgerbeauftragte beim Bildungsministerium – dem „Vorgesetzten” des Schulamtes – um dringende Klärung der Sache.

Albers und auch Annett Jenning waren eigentlich froh, für ihren Nachwuchs Plätze in den Förderklassen am Wohnort bekommen zu haben. In den regulären Klassen mit fast 30 Mitschülern würden ihre Kinder „untergehen”, befürchten die Eltern. Malchowerin Annett Jenning bekam den Bescheid vom Schulamt mit der Empfehlung für die DFK-Klasse in Malchow sogar erst am 26. Februar. Ihr Sechsjähriger habe momentan noch Probleme in der Motorik. In der kleineren DFK-Klasse mit zwölf Schülern könnte das aufgefangen werden.

Flex-Klassen sind für Eltern keine Alternative

Die DFK-Klasse in Röbel oder die reguläre Einschulung sei momentan für die Mutter keine Alternative. Auch nicht, wenn es durch die Inklusionsstrategie MV sogenannte „Flex-Klassen” in der Grundschule gibt. In dieser flexiblen Schuleingangsphase werden jahrgangsübergreifende Klassen eingerichtet, in denen die Fertigkeiten der ersten und zweiten Klasse vermittelt werden. Um die Kenntnisse zu lernen, bleiben die Schüler dort mindestens ein, maximal drei Jahre.

In der DFK-Klasse haben ihre Kinder für den Lernstoff der ersten Klasse zwei Jahre Zeit. Von den Versprechungen des ursprünglichen Schulamts-Bescheides möchte keiner zurückweichen, verwies Albers auf Rücksprachen mit anderen Eltern. Für Vollblutmama Annett Jenning ist es außerdem wichtig, dass ihr Sohn das Schulumfeld – in Malchow – bereits kennenlernt und sein soziales Umfeld aus der Kita nicht aus den Augen verliert. „Außerdem haben wir einen Hortplatz in Malchow”, argumentiert die Mutter gegen die DFK-Klasse im gut 30 Autominuten entfernten Röbel.

War Behördenanruf ein Schnellschuss?

In den behördlichen Anrufen sieht die Mutter einen „Schnellschuss” und vermutet Versäumnisse beim Umsetzen der Inklusionsstrategie bis 2023, die 2016 vom Landtag beschlossen wurde. „Diese Versäumnisse können aber nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden”, so Jenning. Schon gar nicht so kurzfristig. Sie erwartet das Umsetzen dessen, was in den rechtskräftigen Bescheiden geschrieben wurde. Und damit ist sie nicht die einzige. „Hätte ich vor einem Jahr gewusst, was auf uns zukommt, hätte ich mein Kind ein Jahr länger in der Kita gelassen”, macht die Mutter ihrer Enttäuschung Luft.

In wenigen Jahren wird die „flexible Schuleingangsphase” die Diagnose-Förderklassen ablösen. So wurde es einst beschlossen. Förderbedürftige Kinder sollen durch Inklusion so viel wie möglich an Regelschulen lernen. Peu à peu werden die DFK-Angebote daher abgeschafft. „Die sachliche und pägagogische Ausstattung an den Schulen fehlt bisher aber oftmals”, so Torsten Zarnikow vom Kreiselternrat. Er ist überzeugt, dass „irgendwer jetzt einen Schnellschuss gemacht hat”. Der mehrfache Familienvater ließ selbst drei seiner Kinder in einer DFK-Klasse beschulen. So haben sie die Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen gut mitgenommen.

Unleserliches Fax vom Schulamt

Eine offizielle Begründung für diesen irritierenden Umgang mit den Eltern lieferte das Staatliche Schulamt auf Nordkurier-Nachfrage nicht. Dort wurde lediglich auf den oberen Dienstherren, das Bildungsministerium MV, verwiesen. Letzteres hat sich auf eine Presseanfrage vom Mittwoch zum Sachverhalt noch nicht geäußert. Dafür soll nach Nordkurier-Informationen Freitag um 14 Uhr ein Fax bei der unterstützenden Rechsanwaltskanzlei eingegangen sei. Mehr als der Kopfbogen des Schulamtes war dem Schreiben in leserlicher Form aber nicht zu entnehmen.

Klar ist jedenfalls, dass Eltern sich nicht mehr auf die Inhalte im Schulamtsbescheid berufen können, wenn sie sich freiwillig nach einer Abwägung für eine der beiden neuen Wahlmöglichkeiten entschieden haben.

Mehr lesen: Regierung berät – kommt die Kehrtwende bei Schulen in MV?

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Kommentare (4)

Die kriegen nicht mal ihren eigenen Parteitag organisiert und wollen eine Nation führen. Lächerlich. Tipp an den Dachdecker Klein: wenn sie vom Dach fallen, Hände aus den Taschen damit es wie ein Arbeitsunfall aussieht.

Ach übrigens: so passt es:
Die AfD war gegen die Inklusion. Nicht, weil sie gegen Behinderte ist, wie man ihr angehängt hat, sondern weil auch Blinde sehen konnten, dass es auf Kosten der Kinder, der Familien und des Personals geht.

Besoffen wie immer. Hauptsache sie schreiben etwas hat hier aber nix zu suchen. Aber ist so wenn man steif ist.

auch Schulen aber so ein hick hack gab es nicht und blöder als die Wessis sind wir auch nicht. Was heute alles mit und in den Schulen los ist spottet jeder Beschreibung.