INTERNATIONALE GÄSTE

Erst das Seefest, dann wieder Rio: Austauschschüler stehen auf Röbel

In Röbel leben derzeit einige Austauschschüler. Auch während und trotz der Corona-Krise erleben sie viele neue Dinge.
Die Austauschschüler Mateo, Eugenio und Ramon (v.l.) sowie Wawa fühlen sich in Röbel ziemlich wohl. Antje Asmus
Die Austauschschüler Mateo, Eugenio und Ramon (v.l.) sowie Wawa fühlen sich in Röbel ziemlich wohl. Antje Asmus (hinten r.) betreut sie. Caro Schmidt (unten r.) besucht sie des Öfteren. Nadine Schuldt
Mateo, Ramon und Eugenio (v.l.) nutzten das schöne Wetter und badeten vor Ostern bereits in der sieben Grad warmen Feisne
Mateo, Ramon und Eugenio (v.l.) nutzten das schöne Wetter und badeten vor Ostern bereits in der sieben Grad warmen Feisneck. Antje Asmus
Die Austauschschüler mögen die Landschaft rund um Röbel. Antje Asmus zeigte ihnen auch schon einige Schlös
Die Austauschschüler mögen die Landschaft rund um Röbel. Antje Asmus zeigte ihnen auch schon einige Schlösser und Herrenhäuser. Nadine Schuldt
Röbel ·

Wawa Wantayakul hat einen Wunsch. „Ich möchte noch das Schloss Neuschwanstein besuchen“, sagt die 18-Jährige. Sie hofft, dass ein für Pfingsten vorgesehener Besuch nicht wegen des Coronavirus abgesagt werden muss. Denn momentan kann die Thailänderin, die als Austauschschülerin bei der Röbelerin Antje Asmus lebt, nur Röbel und die Müritzregion erkunden.

Genauso geht es auch anderen Austauschschülern wie Mateo Conde Pomar, Eugenio Alvarez Flores und Ramon Rodriguez. Sie alle leben momentan in Röbel und halten sich wegen der Schulschließungen bei ihren Gastfamilien auf. Dass sie nun nicht zur Schule können und auch nicht in ihrem Heimatland sind, stört sie nicht so sehr. Im Gegenteil. Sie hatten sich ganz bewusst für den Verbleib in Deutschland entschieden. Es sei hier sicherer, meint der aus Rio de Janeiro stammende Ramon.

Corona-Nachrichten aus den Heimatländern

„In Deutschland ist das Gesundheitssystem sehr gut“, ergänzt die 18-jährige Wawa. In ihrer Heimat Phuket sei wegen des Coronavirus derzeit nichts mehr los. Die Leute halten sich zu Hause auf. Wie sie erzählt, verbreite sich das Virus in Thailand nicht so schnell, weil die Menschen dort des Öfteren einen Mundschutz tragen. Als dann die Nachrichten aus China öffentlich wurden, hätten die Menschen bei ihnen auch sofort Schutzhandschuhe angezogen.

In Argentinien seien ziemlich schnell Gegenmaßnahmen, zum Beispiel Quarantäne, ausgesprochen worden, erläutert der 16-jährige Mateo. In seiner Heimatstadt Corrientes dürfen die Leute nur noch zum Einkaufen raus. „In der Stadt leben über 300 000 Einwohner, doch es gibt nur sehr wenige Beatmungsgeräte“, weist er auf ein Problem hin. Dramatischer scheint es dagegen in Mexiko zu sein. „Dort wird nicht viel getestet, sodass man nicht weiß, wer Corona positiv ist und wer nicht“, erzählt der mexikanische Austauschschüler Eugenio Flores-Alvarez. Dort flüchteten die vermögenderen Bürger in ihre Ferienhäuser fernab der Großstadt.

Plötzliche Abreise

Richtig schlimm ist die Situation derzeit in den USA. Die Röbelerin Carolin Schmidt weilte bis vor wenigen Wochen in der Stadt West-Lafayette im Mittleren Westen. Für sie kam das Aus ihres USA-Aufenthaltes rund drei Monate vor ihrer eigentlichen Abreise. Und ziemlich plötzlich. Sie besuchte dort die zwölfte Klasse und wollte noch den Prom-Ball, also den Abi-Ball, miterleben. Ein richtig schickes Kleid war schon besorgt. Dennoch blickt sie auf viele schöne Erlebnisse zurück. „Ich war zu Thanksgiving in Chicago Schlittschuh laufen und habe beim Wandern mit meiner Gastfamilie zum ersten Mal einen Wasserfall gesehen“, erzählt die 17-Jährige.

Ausflüge in der Region ersetzen Städte-Trips

Dass sie nun schon seit mehreren Wochen nicht im Schulcampus waren, wird unter anderem über digitalen Unterricht ersetzt. Doch im Normalfall gehe die Schule toll mit den „Gästen“ um, findet Antje Asmus. „Die Austauschschüler bekommen auch Gelegenheit, Vorträge zu halten“, erklärt die Röbelerin. Sie organisiert Jahr für Jahr den Aufenthalt von Austauschschülern in der Region, der über die Organisation Youth for Understanding (YfU) geregelt wird.

Allerdings sitzen die Austauschschüler für ihren Unterricht nicht nur vor dem Computer. Um ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen und zu verbessern, besuchen sie täglich Gisela Hoffmann. Die ehemalige Schulleiterin unterrichtet sie anderthalb Stunden in der deutschen Sprache.

Drei Woche Verlängerung

„Ein guter Deutschlehrer ist auch die Gastfamilie“, sagt Antje Asmus. Dort verbringen die Jugendlichen momentan viel Zeit. Trips nach Wien oder Amsterdam, die die Organisation während des Austauschjahres anbietet, wurden wegen der Corona-Krise abgesagt. Dafür macht Antje Asmus mit den jungen Leuten einige Ausflüge, zeigt ihnen hiesige Schlösser wie das in Klink oder tolle Seen wie die Feisneck. Den Jugendlichen gefällt es auch in Röbel sehr, sehr gut. Ramon hat seinen Aufenthalt sogar um drei Wochen verlängert: Statt Anfang fährt er nun Ende Juli zurück. „Ich wollte einfach das Seefest miterleben“, sagt er. Und das ist für das dritte Juli-Wochenende geplant.

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