Zwei Betriebe in Wolgast und Röbel machen, wovon viele Arbeitnehmer in MV bisher nur träumen können. Sie haben
Zwei Betriebe in Wolgast und Röbel machen, wovon viele Arbeitnehmer in MV bisher nur träumen können. Sie haben die Vier Tage-Woche eingeführt. © MOZCO Mat Szymański - stock.adobe.com, Ina Fassbender/dp
Arbeitszeiten

Erste Betriebe in MV führen Vier-Tage-Woche ein

Zwei Betriebe in Röbel und Wolgast machen, wovon viele Arbeitnehmer in MV bisher nur träumen. Sie haben die Vier-Tage-Woche eingeführt.
Röbel

Der Fachkräftemangel treibt auch viele Firmen in MV um. Sie probieren viel, um die Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten und offene Stellen zu besetzen. Zwei Betriebe in Röbel und Wolgast haben jetzt etwas Neues probiert – sie haben die Vier-Tage-Woche eingeführt. Doch welche Erfahrungen haben sie damit gemacht?

Vier-Tage-Woche für alle Mitarbeiter in Verpackungsbetrieb

Aus Sicht von Dirk Klein-Panter, Geschäftsführer beim Verpackungshersteller Mailingmanufaktur in Röbel, habe sich die Umstellung auf die Vier Tage-Woche gelohnt. Die zwölf Mitarbeiter arbeiten jetzt bei gleichem Lohn von Montag bis Donnerstag 35 statt 38 Stunden pro Woche, in der Zeit von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr.

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Am Freitag sei der Betrieb geschlossen. Die Produktivität habe darunter nicht gelitten, sie sei im Gegenteil gleich geblieben und habe sich teils erhöht. In Spitzenzeiten gebe es aber nach wie vor die Möglichkeit, Überstunden an einem Freitag aufzubauen, um einen Auftrag abzuarbeiten. Das sei aber die Ausnahme.

Der Geschäftsführer habe die verkürzte Arbeitswoche als Inflationsausgleich eingeführt. Die Idee dazu sei ihm nach einem Gespräch mit einem Geschäftspartner in Hamburg gekommen, der die Vier Tage-Woche bereits in seiner Gastronomie eingeführt und gute Erfahrungen gemacht hatte. Dieser habe ihm berichtet, dass der Krankenstand gesunken und die Leute motivierter seien. Sie fühlten sich auch mehr wertgeschätzt.

Beim Krankenstand kein Problem mehr

Klein-Panter habe seit der Einführung im August die gleiche Erfahrung gemacht. Beim Krankenstand gebe es nun überhaupt kein Problem mehr. Die Mitarbeiter würden sich teils über das verlängerte Wochenende auskurieren. Den typischen Krankmeldungen am Montag gebe es nicht mehr. Er habe zwar zwei weniger engagierte Mitarbeiter entlassen müssen, um die motivierteren Angestellten bei der Stange zu halten. Doch er habe sehr schnell Ersatz gefunden, denn seit der Vier Tage-Woche würden ihm die Bewerbungen nur so ins Haus fliegen.

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Die Mitarbeiter würden die neu gewonnene Zeit genießen, meint er und schließt sich dabei selbst nicht aus. Der Freitag würde teils genutzt, um Termine beim Arzt oder Handwerker wahrzunehmen, zu putzen oder etwas am Haus zu erledigen, so der Geschäftsführer. Am Samstag und Sonntag würden sich die Mitarbeiter dann Freizeitaktivitäten widmen. Er könne die Vier Tage-Woche anderen Unternehmen nur weiterempfehlen, sagt er. Es funktioniere sicher nicht in jedem Betrieb, den Freitag als Arbeitstag zu streichen, aber generell sei die Vier Tage-Woche ein Gewinn für alle.

Auch Handwerker in Wolgast setzen auf Vier-Tage-Woche

Auch die Handwerker der Firma „H. Schröer GmbH” in Wolgast in Wolgast haben die Vier-Tage-Woche für Mitarbeiter eingeführt. Laut Yvonne Heuer sei das in erster Linie passiert, damit Kollegen einen Tag mehr frei haben. Die Firma ist auf Heizungsbau, Lüftung und Sanitär spezialisiert.

Rund die Hälfte der 20 Mitarbeiter nutzt die Option zur Vier-Tage-Woche. An der wöchentlichen Arbeitszeit habe sich allerdings nicht geändert. Es werden weiterhin 40 Stunden gearbeitet – jetzt allerdings 10 Stunden pro Tag von Montag bis Donnerstag. Der zusätzliche freie Tag werde gern in Anspruch genommen, denn so habe man mehr Zeit, etwa für Behördengänge, Einkäufe und eigene Hobbys, so Yvonne Heuer. Es zeige sich allerdings, dass Eltern sich seltener für die verkürzte Arbeitswoche entscheiden, denn jemand müsse sich ja um die Kinder kümmern.

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Die Handwerksfirma profitiere zudem ebenfalls von der Vier-Tage-Woche. Einerseits spare man Fahrtkosten, weil die Mitarbeiter nur noch an vier von fünf Tagen auf der Baustelle seien. Zum anderen profitiere der Auftraggeber von dem 10-Stunden-Arbeitstag, denn die Handwerker des Wolgaster Betriebs würden arbeiten, wenn andere Handwerker um 16 Uhr bereits Feierabend haben. Arbeiten, die sich über den Tag ergeben, könnten auf diese Weise zeitnah erledigt werden, so Yvonne Heuer.

Eine Einschränkung gebe es aber doch bei der Vier-Tage-Woche. Wer sich dafür entscheide, werde meist auf sehr großen Baustellen, etwa in Rostock, Rattey und der Insel Usedom, eingesetzt, wo die Handwerker über mehrere Wochen beschäftigt seien. Kleine Aufträge und Wartungsarbeiten, die in Wolgast und Umgebung anfallen, würden dagegen von Mitarbeitern mit Fünf Tage-Woche erledigt. Es habe sich zudem gezeigt, dass Büro-Arbeiten ebenfalls eher in einer Fünf Tage-Woche zu schaffen seien, sagt Heuer.

Kaum Betriebe mit Vier Tage-Woche in MV

Trotz der positiven Erfahrungen dieser beiden Firmen sind bisher nur wenige Firmen in Mecklenburg-Vorpommern bekannt, die eine Vier-Tage-Woche anbieten. Die IHKs in Neubrandenburg und Rostock wissen nicht, wie viele Betriebe die verkürzte Arbeitswoche eingeführt haben, heißt es auf Anfrage. Die Information werde von den Firmen nicht weitergegeben. Auch die Arbeitsagenturen in Neubrandenburg und Stralsund führen keine Statistik darüber, heißt es.

 

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