KUNSTWERK IN WAREN

Erstes „Erinnerungszeichen” für friedliche Revolution

Die Demonstrationen 1989 waren in der DDR ein Aufbruch ins Ungewisse. 31 Jahre später ist in Waren das erste „Erinnerungszeichen” in Ostdeutschland eingeweiht worden.
dpa
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Christoph de Boor, Theologe und Zeitzeuge, bei der feierlichen Einweihung
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Christoph de Boor, Theologe und Zeitzeuge, bei der feierlichen Einweihung des Kunstwerks „Perspektiven zur Freiheit” in Waren. Bernd Wüstneck
Waren.

In Mecklenburg-Vorpommern erinnert jetzt ein zentrales „Erinnerungszeichen” an die friedliche Revolution 1989. Im Beisein von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wurde am Freitag in Waren an der Müritz das Kunstwerk „Perspektiven zur Freiheit” feierlich vorgestellt. Es ist nach Angaben der Landesregierung das erste derartige „Denkzeichen” eines Bundeslandes für die Demonstrationen 1989 im Osten Deutschlands.

Das fragile Kunstwerk besteht aus dünnen weißen Stangen, zwischen denen oben Tafeln mit eingestanzten Losungen aus dem Herbst 1989 montiert sind. „Den Demonstranten von damals haben wir zu verdanken, dass wir heute in Freiheit und Demokratie leben können”, sagte Schwesig. Das sei damals ein Aufbruch ins Ungewisse für die Menschen gewesen. Die Demokratie brauche aber auch heute „unseren Einsatz.”

„Demokratie jetzt oder nie”

Sie wünsche sich, dass viele Menschen, die in Waren hier vorbeigehen, sich Zeit nehmen und in das begehbare Kunstwerk setzen. Über eine App, die auf die Losung gerichtet ist, können Besucher dazu historische Bilder aus jener Zeit und weitere Informationen sehen und herunterladen. „Es war und ist sehr wichtig, den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Unzufriedenheit zu äußern”, erinnerte der Theologe und Zeitzeuge Christoph de Boor an die Ereignisse von damals und die Losungen des Kunstwerks. Diese lauten unter anderem „Wir wollen keine Gewalt, wir wollen Veränderung”, „Nie wieder Diktatur” oder „Demokratie jetzt oder nie”.

Das Kunstwerk erinnert an den 16. Oktober 1989, als rund 400 Bürger mit Kerzen in der Hand und dem Motto „Eine Hoffnung lernt laufen” friedlich für mehr Demokratie in der DDR demonstrierten. Sie zogen damals von der St. Georgen-Kirche mit Kerzen in der Hand durch Warens Innenstadt, wo sie auch von der Staatssicherheit beobachtet wurden. Dies gilt als Beginn der friedlichen Revolution auf dem Gebiet der damaligen drei Nordbezirke Schwerin, Rostock und Neubrandenburg, die heute Mecklenburg-Vorpommern bilden.

Weitere Kunstwerke in MV geplant

Zu dem Gebiet zählten damals noch Teile der Uckermark, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel aufwuchs, und der Prignitz dazu.

Das Wende-„Erinnerungszeichen” in Waren wurde von den Stuttgarter Künstlern Dagmar Korintenberg und Wolf Kipper geschaffen und aufgebaut. Ihre Idee hatte sich 2019 bei einem Kunstwettbewerb des Landes durchgesetzt. Die Stelen und Tafeln wecken laut Jury Assoziationen zu einer friedlichen Demonstration. Im Nordosten soll es dezentral weitere „Erinnerungszeichen” an anderen Orten geben, wie Landtagspräsidentin Birgit Hesse (SPD) ankündigte.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Waren

Kommende Events in Waren (Anzeige)

zur Homepage