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Erstes „Ja“ für muslimisches Gräberfeld in Waren

Pastorin Anja Lünert (stehend) erläuterte dem Ausschuss der Warener Stadtvertretung den Antrag ihrer Kirchengemeinde St. Georgen.
Pastorin Anja Lünert (stehend) erläuterte dem Ausschuss der Warener Stadtvertretung den Antrag ihrer Kirchengemeinde St. Georgen.
Florian Ferber

Mögliche islamische Bestattungen auf dem städtischen Friedhof haben am Mittwochabend den Warener Sozialausschuss beschäftigt. Auch wenn alles friedlich blieb: Die Debatte ist offenbar noch längst nicht zu Ende.

Die befürchteten Emotionen kochten am Mittwochabend während der Sitzung des Warener Kultur-, Bildung- und Sozialausschusses zwar nicht hoch. Dass in Sachen muslimisches Gräberfeld auf dem städtischen Friedhof aber Redebedarf besteht, zeigte die öffentliche Zusammenkunft allemal.

So erläuterte Pastorin Anja Lünert den Antrag der Kirchengemeinde St. Georgen. Zur Integration der hier lebenden Flüchtlinge gehöre auch die Frage, was mit den Menschen passiert, deren Leben zu Ende gegangen ist. „Es ist vernünftig, diese Frage zu stellen, bevor der Tod eintritt”, erklärte Lünert. Sie erinnerte gleichzeitig daran, dass zum Beispiel die Waschung eines Verstorbenen in Mecklenburg vor 50, 60 Jahren gängige Familien-Praxis war und demnach kein primär muslimischer Ritus ist.

Ein eigenes Gräberfeld sei aus Platzgründen kein Problem und wegen der Ausrichtung der Gräber nach Mekka auch praktisch-ästhetisch sinnvoll. „Bei einem Ja zu einem eigenen Gräberfeld ist außerdem nicht mit einer Masse an Beisetzungen zu rechnen. Lassen Sie es acht bis zehn Gräber in zehn Jahren sein”, so Anja Lünert. Genau an diesem Punkt äußerte CDU-Mann Sven Breuer seine Einwände. Ob bei einem derart geringen Bedarf ein Feld so lange freigehalten werden müsse, sei fraglich. Außerdem sehe er die Gefahr, dass Gruppen, die muslimische Bestattungen nicht gutheißen, zu Protesten provoziert werden könnten. Christel Schnur (FDP) berief sich auf von ihr gesammelte Bürger-Meinungen, nach denen sich Muslime an die Regelungen des Staates halten sollten.

Am Ende gab der Ausschuss mit sechs Ja-Stimmen seine Empfehlung zur Errichtung eines eigens ausgewiesenen Gräberfeldes für muslimische Bestattungen.