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Eurofighter-Absturz: Was klappt und wo es noch hapert

Gut einen Monat nach dem Eurofighter-Unglück über der Müritzregion sind Trümmer geborgen, knapp 1300 Tonnen Boden ausgehoben und alle beteiligten Feuerwehren wieder einsatzbereit. An einigen Stellen hakt es aber noch.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Auch wenn die Bundeswehr nach der Kollision zweier Kampfjets bei Nossentiner Hütte selbst tagelang Trümmerteile gesucht und
Auch wenn die Bundeswehr nach der Kollision zweier Kampfjets bei Nossentiner Hütte selbst tagelang Trümmerteile gesucht und geborgen hat, könnten noch welche zurückgeblieben sein. Laut Luftwaffen-Sprecher können diese mit Schutzhandschuhen gefahrlos zu den bereitgestellten Sammelbehältnissen gebracht werden. Petra Konermann
Nossentiner Hütte.

Wochenlang konnten Feuerwehren im Amt Malchow – allen voran die Einsatzkräfte aus Silz und Nossentiner Hütte – nach dem Eurofighter-Unglück nicht zu Einsätzen ausrücken, weil Gefahr bestand, dass Fahrzeuge und Einsatzbekleidung mit giftigen Stoffen in Kontakt gekommen sind. Nun aber haben sich die Wehren wieder komplett einsatzfähig gemeldet. Fahrzeuge wurden mit einer speziellen Wasserdusche dekontaminiert und Einsatzkleidung nachbestellt.

Für rund 55 Kameraden der Wehren Malchow, Nossentiner Hütte, Silz, Alt Schwerin sowie für die Führungsgruppe der Feuerwehren Malchow musste neue Kleidung beschafft werden. Die Kosten dafür trägt der Einsatzverursacher, also die Bundeswehr. Doch noch fehlt Einsatzkleidung, heißt es von Cathleen Klinger, der Leiterin für Zentrale Dienste im Malchower Rathaus.

Übergangslösung gefunden

Wie groß die Lücke ist, kann niemand beziffern. Aber die Hersteller haben „immense Lieferzeiten“, wie Malchows Amtswehrführer Thomas Pieszek auf Nachfrage sagt. So müsse man mit Fristen zwischen zwölf und 16 Wochen rechnen. Weil nicht für jeden Kameraden eine volle neue Montur von Helm bis Schuh zur Verfügung steht, würde der Hersteller Leihbekleidung als Übergangslösung zur Verfügung stellen.

Aus dem Unglück zog auch der Kreisfeuerwehrverband der Mecklenburgischen Seenplatte sein Fazit. „Der Verband hat sich vorgenommen, das Thema der fiesen Fasern noch intensiver zu schulen“, heißt es vom Verbandschef Norbert Rieger. Immerhin treten die potenziell krebserregenden Fasern auch beim „normalen“ Flugzeug-, im Fahrzeug- sowie im Bootsbau auf. Einsatzkräfte könnten durch ihre Arbeit direkt am Brandobjekt durch den Brandrauch Gesundheitsschäden davontragen. Bei der Feuerwehrunfallkasse sind laut Rieger alle am Absturz-Einsatz beteiligten Kräfte gemeldet. Erkrankungssymptome oder Atembeschwerden seien ihm noch von niemandem gemeldet worden.

Gefährlicher Abfall

Während das Unglück für die Feuerwehren Tag für Tag weiter in die Vergangenheit rückt, kümmerte sich ein Schadstoffsanierer um den Austausch kontaminierten Bodens an den Absturzstellen. „Insgesamt wurden 1295 Tonnen organoleptisch auffälligen Bodens der fachgerechten Entsorgung zugeführt“, heißt es von einem Sprecher der Luftwaffe. Organoleptisch bedeutet: Der Boden wich bei einer Prüfung im Aussehen, der Farbe oder des Geruchs vom erwartbaren oder natürlichen Zustand ab. In den Kernzonen war das bis zu einer Tiefe von 1,20 Metern der Fall. Die ausgekofferten Flächen werden nun mit Mutterboden aufgefüllt. Diese Arbeiten sollen am heutigen Mittwoch abgeschlossen werden.

Wohin der kontaminierte Boden gebracht wird, ist unklar. Durch Kerosinrückstände gilt der Boden laut Staatlichem Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) als „gefährlicher Abfall“.

Inzwischen haben sich Entscheidungsträger beim Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage im Nachgang für ein Vielfaches mehr an Containern für im Nachhinein gefundene Trümmerteile aufgestellt als ursprünglich geplant. Statt zwei sind zehn Container – es handelt sich um Boxpaletten aus Metall – im Bereich der Absturzstellen aufgestellt worden. Zur Frage, ob die Trümmer denn gefahrlos zu den Behältnissen gebracht werden können, heißt es von der Luftwaffe: „Grundsätzlich geht von den Teilen derzeit lediglich die Gefahr von Schnittverletzungen aus“. Wer Schutzhandschuhe nutze, gehe keine Gefahr ein. Bei Unklarheiten sollten sich Finder jedoch weiterhin an die örtlichen Behörden, die Feuerwehr oder an die an den Containern angebrachte Kontaktstelle in Laage wenden.

Alle Nordkurier-Artikel zu der Eurofighter-Tragödie finden Sie hier.

 

 

 

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