Eurofighter-Katstrophe

So sieht es jetzt an den Absturz-Stellen aus

Die Wrackteile sind weg, Umweltgutachter und Schadstoffsanierer sind da. An den Stellen der Eurofighter-Abstürze wird die Dekontamination vorbereitet.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Mit Betreten der Fläche am York-Blücher-Denkmal bei Nossentin besteht Gesundheitsgefahr.
Mit Betreten der Fläche am York-Blücher-Denkmal bei Nossentin besteht Gesundheitsgefahr. Susann Salzmann
Etwa 100 Meter von seinem Haus fand dieser Pilzsammler im Wald vor seiner Haustür ein zwei Meter langes Wrackteil.
Etwa 100 Meter von seinem Haus fand dieser Pilzsammler im Wald vor seiner Haustür ein zwei Meter langes Wrackteil. Susann Salzmann
An der Absturzstelle zwischen Jabel und Silz stehen solche Ballen mit der Aufschrift painting asbestos.
An der Absturzstelle zwischen Jabel und Silz stehen solche Ballen mit der Aufschrift painting asbestos. Susann Salzmann
Auch an der zweiten Absturzstelle auf einem Getreidefeld soll verunreinigter Boden entnommen werden.
Auch an der zweiten Absturzstelle auf einem Getreidefeld soll verunreinigter Boden entnommen werden. Susann Salzmann
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Silz.

Rot-weißes Absperrband grenzt einen wüst aussehenden Bereich am York-Blücher-Gedenkstein bei Nossentin ein. In unmittelbarer Entfernung neben dem „Betreten verboten“-Schild prangt noch ein weiteres, das den Grund dafür angibt: „Gesundheitsgefahr“, steht auf einem laminierten Papier. Gleich mehrfach findet sich dieser Hinweis auf dem rund 2000 Quadratmeter großen abgesperrten Gelände. Bevor im wortwörtlichen Sinn Gras über die Eurofighter-Katastrophe wachsen kann, müssen die Schadstoffsanierer ans Werk.

Autofahrer kommen zwischen Silz und Jabel an einem Waldgebiet vorbei, in dem ein 27-jähriger Kampfjet-Pilot am 24. Juni ums Leben kam. Auf der Fläche türmen sich unzählige Baumhaufen. Die Bundeswehr hat hier bereits gerodet, um Zugang zu den Wrackteilen zu bekommen. Nun, mehr als zwei Wochen nach dem Unglück, fallen weitere Bäume.

Verantwortlich dafür ist ein Rostocker Umweltservice, der die Dekontamination der Fläche vorbereitet. Ein Bagger greift nach den noch im Boden verbliebenen Stämmen und Wurzeln. So soll an der Absturzstelle West eine plane Fläche entstehen – die Grundlage für weitere Maßnahmen. An der zweiten Absturzstelle in einem Gerstenfeld in Nossentiner Hütte wird vor dem Beginn der Schadstoffsanierung zunächst das Getreidefeld abgeerntet. Längst wurden Bodenproben entnommen, um zu überprüfen, in welchem Maß und mit welchen Schadstoffen der Boden verunreinigt ist. Ergebnisse stehen noch aus, heißt es von einem Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistung der Bundeswehr.

Baumrinde wird auf Gift untersucht

Die Mitarbeiter des Umweltservices begegnen der Situation mit viel Tatendrang. Nach Nordkurier-Informationen wird selbst Baumrinde auf mögliche Giftstoffe beprobt. Und: Die Dekontamination solle sich bis zum parallel verlaufenden Radweg ziehen.

Ein Mann mit hellblauem Schutzanzug und Atemmaske vor dem Mund läuft über den staubtrockenen Boden. Was er macht? Unklar. Darüber informieren könnte das Bundeswehr-Bundesamt, doch von dort gibt es nur überschaubare Details. Vieles ist noch unklar. Fest steht nur, dass Boden an beiden Absturzstellen ausgehoben wird, bis keine schädlichen Auffälligkeiten mehr bestehen.

Pilzsammler findet Wrackteile im Wald

Im angrenzenden Wäldchen in Nossentiner Hütte führt ein Senior durch Gestrüpp und bleibt inmitten von dünnen Stämmen stehen. Er zeigt auf den Waldboden. Dort habe er noch am vergangenen Mittwoch bei einem Spaziergang ein etwa zwei Meter langes und etwa 50 Zentimeter hohes Wrackteil gefunden. Die Stelle, zu der der 79-Jährige führt, liegt rund 100 Meter von seinem Haus entfernt. Dass dieser Fund möglich war, begründet der Pilzsammler mit den Absperrungen des militärischen Sicherheitsbereiches. Die eingerichtete Sicherheitszone galt für diesen Bereich zunächst nicht. Später habe er ein weiteres Kleinteil gefunden – und liegen gelassen.

Als Anrainer hatte er die Bundeswehrsoldaten des Öfteren direkt vor seinem Fenster. Eine Beobachtung mündet in der Frage: „Wenn die Wrackteile so gesundheitsschädlich sind, wieso trugen dann die Soldaten keine Schutzanzüge, als sie das Wrackteil aus dem Wäldchen vor zur Straße gebracht haben?“. Und wenn auch im Wald vor seiner Haustür Wrackteile gefunden worden sind, müsste dann dort nicht auch zum Vermeiden von Gesundheitsschäden oder zur Dekontamination abgesperrt oder auf die Gefahr hingewiesen werden? Fragen, die zunächst offen bleiben.

Alle Nordkurier-Artikel zu der Eurofighter-Tragödie finden Sie hier.

 

 

 

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