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Extremer Tierarzt-Einsatz im Bärenwald Müritz

Dass die Tierärzte im Bärenwald Müritz anrücken, haben die pelzigen Patienten zehn Meilen gegen den Wind gerochen. Kurz darauf war der Bär auch schon betäubt.
Über 200 Kilogramm wiegt der pelzige Patient.
Über 200 Kilogramm wiegt der pelzige Patient. Ingmar Nehls
Für diesen Job braucht man starke Nerven: Zahnbehandlung bei einem Bären aus Stuer.
Für diesen Job braucht man starke Nerven: Zahnbehandlung bei einem Bären aus Stuer. Ingmar Nehls
Dieser Zahn der Bärin Tapsi musste raus, wie unschwer zu erkennen ist.
Dieser Zahn der Bärin Tapsi musste raus, wie unschwer zu erkennen ist. Ingmar Nehls
Stuer ·

Die Oberlippe zuckt. „100 Milligramm Ketamin“, sagt Marc Gölkel, der gerade ein Loch im Maul des Braunbären zunäht. Seine Kollegin Janina Radwainski verpasst Ben sofort das Narkosemittel. Für die beiden Tierärzte vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ist der Cocktail aus verschiedenen Narkotika und Sedativa die Lebensversicherung bei ihrem Einsatz im Bärenwald Müritz. „Das Wichtigste ist aber, dass es dem Bären gut geht“, sagt Tierarzt Marc Gölkel.

Angst hat er keine, aber gesunden Respekt, auch wenn es mittlerweile der 220. Braunbär ist, den der Großtierexperte seit Oktober 2016 behandelt hat. „Man lernt immer dazu und sammelt Erfahrungen. Bei den Zähnen hat es drei Jahre gedauert, bis ich es gut konnte. Ist ja wie ein Hundegebiss. Nur viel größer“, sagt Gölkel.

Bei Ben musste ein Zahn gezogen werden

Acht Tierpfleger vom Bärenwald Müritz haben geholfen, den 25 Jahre alten Pelzriesen auf den Untersuchungstisch zu heben. Über 200 Kilogramm wiegt das stattliche Tier. Natürlich fiebern die Tierpfleger mit den Bären mit, um die sie sich 365 Tage im Jahr rund um die Uhr kümmern. „Die Anspannung ist da. Man baut eine enge Bindung auf und hofft und bangt natürlich, dass die Untersuchung gut läuft und nichts Schlimmes festgestellt wird“, sagt Bianca Wöhlke.

Bei Ben musste ein Zahn gezogen werden. In freier Wildbahn hätte er mit einem faulen Zahn schlechte Karten. Neben den Schmerzen beim Fressen könnten auch Keime in die Blutbahn geraten und zu Herzproblemen führen. „Wir haben die Verantwortung, uns zu kümmern“, sagt Tierarzt Gölkel.

Der Zahnverlust ist für Ben kein Problem. Im Sommer frisst ein Bär wie er etwa 12 Kilogramm pro Tag, im Herbst schon 17 Kilogramm Obst, Gemüse und Fleisch pro Tag, denn dann fressen sich die Bären Energie-Reserven für die Winterruhe an. Pro Tag kann ein Bär dann rund 500 Gramm zunehmen. Insgesamt frisst ein Bär durchschnittlich 3800 Kilogramm Futter pro Jahr. Einiges kommt als Spende herein.

Was auf dem Speiseplan der Bären steht

So liefern Förster der Region verendetes Wild, sogenanntes Fall-Wild, das bei Straßenunfällen ums Leben gekommen ist. Der Fischer, der im Bärenwald einen Fisch-Imbiss betreibt, spendet Fischreste. Und Privatpersonen spenden Obst und Gemüse aus ihren Gärten, das sie selbst nicht verwerten können. „Honig bekommen wir auch manchmal gespendet. Im Herbst nehmen wir gern Walnuss-Spenden entgegen, denn die Nüsse liefern wertvolle Energie für die bevorstehende Winterruhe der Bären“ sagt Bärenwald-Sprecherin Petra Konermann.

Auch Bens Bruder Felix, seine Freundin Ida, Tapsi und Otto wurden gründlich untersucht mit Ultraschall und Röntgengerät. Bären haben die Eigenschaft, Symptome vor Nahrungskonkurrenten zu maskieren. Man sieht es ihnen also kaum an, wenn etwas nicht stimmt und darum ist ein Blick ins Innere notwendig. Zwei bis drei Stunden dauert jede Untersuchung. Für Marc Gölkel und Janina Radwainski ein harter Job, wobei die Bedingungen in Stuer sehr gut sind.

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