Besondere Nachhilfe
Feuerwehr im Einsatz für bessere Schulnoten

Über den Feuerwehrkreisverband der Seenplatte wird die Nachhilfe für Mitglieder der Jugendfeuerwehren mindestens für ein Schuljahr organisiert.
Über den Feuerwehrkreisverband der Seenplatte wird die Nachhilfe für Mitglieder der Jugendfeuerwehren mindestens für ein Schuljahr organisiert.
NK-Archiv

Die Feuerwehr in der Seenplatte bekämpft nicht nur Brände, sondern versucht auch, Lernschwächen von Schülern auszulöschen. Dazu organisiert sie Nachhilfe. Für die Teilnahme gibt es jedoch eine Bedingung.

Alina (Name geändert) ist 15 Jahre alt und besucht die neunte Klasse der Regionalen Schule in Penzlin. Für die Naturwissenschaften hat sie nicht gerade ein Händchen. Vornehmlich Mathe und Chemie bereiten der Neuntklässlerin Probleme. Ein x in der Gleichung führt bei dem Mädchen zu einem Fragezeichen vor den Augen. Rund 200 Euro für vier Nachhilfeeinheiten im Monat kann die Familie nicht aufbringen.

Alina kommt in diesem Fall aber ihre Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr zugute. Der schulische Förderbedarf wird beim Jugendwart ihrer Wehr angezeigt – der wiederum leitet das Begehren weiter – an den Kreisfeuerwehrverband.

Netzwerk mit Unternehmen

Die Fäden laufen bei Holger Kohl von der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) Neuendorf zusammen. Seit 2010 gibt es die über die Feuerwehr organisierte Nachhilfe, die als „After-Help“ bezeichnet wird und sich an den Feuerwehrnachwuchs der Seenplatte richtet. Eingeführt wurde die ungewöhnliche Hilfe durch den ehemaligen Kreisbrandmeister Josef Augustin. Der Feuerwehrkreisverband hat zu diesem Zweck auch ein Netzwerk aus Unternehmen gebildet.

„Die Betriebe sind an guten Auszubildenden interessiert und der Feuerwehrverband daran, dass die Jugendlichen nach der Schule hier in der Region eine Lehrstelle finden“, begründet Kohl. Das Positive für die Wehren: Bekommen Schüler Nachhilfe, finden vor Ort Arbeit, dann bleiben sie auch der Feuerwehr treu. „80 Prozent der Jugendlichen, die das Angebot nutzten, konnten später in die Einsatzabteilung übernommen werden“, ist Holger Kohl stolz.

Bedarf in der Penzliner Region

Ein ausschließlich auf freiwilligen Spenden basierendes Konzept, das immer populärer wird. Waren es anfangs noch zehn bis 15 Schüler, die von der schulischen Nachhilfe profitiert haben, sind es momentan etwa 20. Der Bedarf im Müritzkreis liege momentan vor allem im Amt Penzliner Land. Allein hier finden sich gut ein Dutzend Nachhilfesuchende. Insgesamt acht Lehrkräfte unterrichten in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Englisch. Zusatzfächer können nur mit Bereitschaft einer passenden Lehrkraft abgesichert werden.

Weil es etwa in Friedland und Neverin zwar Nachfragen, aber keine Lehrkraft gibt, deuten sich bereits Engpässe an. Zum Vermeiden von Engpässen fasse man nun eine Zusammenarbeit mit Studenten der Neubrandenburger Hochschule ins Auge.

Bei Erfolg gibt es Geld zurück!

Zurück zu Alina: Sie bekommt nun entweder Einzelnachhilfe oder Unterricht in Gruppen von drei bis fünf Personen. Einmal pro Woche 90 Minuten. Durch ihr Engagement für die Feuerwehr und ihren Willen, sich in Mathe und Chemie verbessern zu wollen, ist sie eine passende Kandidatin für das Projekt. Übrigens: Eine Auswahl der Schüler nach Noten oder Einkommen der Eltern erfolge nicht.

Vielmehr ist es für Schüler eine Art Spardose. Jeder von ihnen zahlt nämlich monatlich fünf Euro als symbolischen Betrag. „Gibt‘s einen Lernerfolg, bekommt das Kind sein Geld zurück“, so Kohl. Heißt: Am Ende eines Jahres würde Alina 60 Euro zurückbekommen.