MITTERNACHT

Fledermaus-Alarm löst Polizeieinsatz aus

Zu einem ungewöhnlichen Tatort wurden zwei Polizistinnen in Waren gerufen. Sie bekamen es mit einer Fledermaus zu tun, die sich in die Wohnung geschlichen hatte.
Petra Konermann Petra Konermann
Durchs offene Schlafzimmer hinein flog eine Fledermaus.
Durchs offene Schlafzimmer hinein flog eine Fledermaus. © cheri131 - Fotolia.com
Waren.

Es war Mitternacht und es war dunkel: Schlafenszeit für eine Warenerin, die sich in der Nacht zum Sonnabend unverhofft und ganz plötzlich in einem vermeintlichen Gruselfilm wiederfand: Durchs offene Schlafzimmer hinein flog eine Fledermaus und machte keinerlei Anstalten, wieder die Flatter zu machen. Die Frau rief in ihrer Verzweiflung den Polizei-Notruf.

Die Einsatzleitstelle in Neubrandenburg schickte daraufhin die Warener Polizisten in die Spur, genauer gesagt, zwei Polizistinnen, die der verängstigten Frau zur Seite sprangen und den Eindringling verscheuchen konnten. Frauenpower gegen Fledermaus sozusagen. „Es dauerte nur gut eine Viertelstunde, dann hatten die Kolleginnen den Fall gelöst”, sagte Polizeisprecherin Diana Mehlberg auf Nachfrage. Unter den vielen Polizeimeldungen rangiert dieser Fall unter Kurioses, denn es gab zum Glück keine Verletzten und keinen Schaden, nur eine vermutlich verschreckte Warenerin, die nach dem Fledermaus-Polizei-Einsatz hoffentlich wieder ruhig schlafen konnte.

Fledermaus hat sich die Wohnung bewusst ausgesucht

Doch warum hatte sich die Fledermaus in die Wohnung verirrt? Diese Tiere mit ihrem bekanntermaßen sehr guten Ultraschall-Ortungssinn gelten doch als gefeit davor, gegen Hindernisse zu fliegen oder sich zu verfliegen. Ralf Koch, Leiter des Naturparkers Nossentiner/Schwinzer Heide und ausgewiesener Fledermaus-Experte, kennt die Antwort. Diese Fledermaus hatte sich nicht verflogen, sondern sich die Schlafstube der Warenerin offenbar ganz bewusst ausgesucht.

Momentan sind die jungen Fledermäuse, die in diesem Jahr zur Welt gekommen sind, auf sich gestellt. Die Mütter haben die Kinderstuben verlassen und sind mit den Fledermaus-Männern unterwegs und wieder auf Brautschau. „Die Jungtiere erkunden nun ihre Umgebung und sind auch schon auf der Suche nach einem Winterquartier. Die wärmere Luft, die aus dem geöffneten Schlafzimmer-Fenster strömte, hatte die Fledermaus gespürt und veranlasst, mal nachzuschauen, ob dort nicht ein geeignetes Quartier zu finden ist”, erklärte Koch.

Panik ist kontraproduktiv

Er rät: Keine Panik. Die wäre so gar kontraproduktiv, denn aufgescheuchte Fledermäuse, die in der Zeit gegen Mitternacht meistens bereits viele Insekten vertilgt haben, erledigen ihre „Geschäfte”. „Wenn man Pech hat, sind alle Wände verschmutzt”, so Ralf Koch. In diesem Jahr hatte er bereits drei, vier Fälle, in denen Fledermäuse Wohnungen heimgesucht hatten. „Die Frau in Waren hatte noch Glück. Ich kenne Fälle, da sind gleich 60 Tiere auf ein Mal ins Haus gekommen”, so Koch.

Was also tun, wenn die Flattermänner ins Haus segeln? Ruhe bewahren und abwarten, rät der Experte. „Das Fenster sollte geöffnet bleiben und die Gardinen beiseite gezogen werden. Man selbst verlässt den Raum und wartet ab, bis die Tiere Hunger bekommen. Dann verschwinden sie spätestens am folgenden Tag”, sagte Ralf Koch.

Er warnt davor, die Tiere fangen zu wollen: Sie könnten als Abwehrreaktion beißen. Wenn man sich ihnen aus irgendeinem Grund doch nähern muss, dann nur mit Handschuhen. Denn es besteht nicht nur die Gefahr von Verletzungen, sondern die Tiere könnten auch Fledermaus-Tollwut haben. „Angst aber muss man vor den Tieren auf gar keinen Fall haben. Der Mensch gehört nicht zum Beuteschema der Fledermaus. Die fressen Insekten”, betonte der Experte.

 

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