Olaf Schwahn, der Revierförster in Biestorf, steht in Petersdorf in dem Bereich, in dem vor Kurzem noch bis zu 30 Meter h
Olaf Schwahn, der Revierförster in Biestorf, steht in Petersdorf in dem Bereich, in dem vor Kurzem noch bis zu 30 Meter hohe Bäume standen. Sie mussten gefällt werden – aus Sicherheitsgründen, sagt er. Susann Salzmann
Das Revier von Förster Olaf Schwahn reicht von Biestorf bis nach Klink an der Müritz.
Das Revier von Förster Olaf Schwahn reicht von Biestorf bis nach Klink an der Müritz. Susann Salzmann
Kritik an Baumfällungen

Förster an der Müritz wehrt sich gegen Raubbau-Vorwurf

Ausbeutung der Natur, unnötige Fällungen, Wirtschaftsinteressen: Solche Kritik gibt es, wenn Bäume gefällt werden. Ein Forstmann erklärt, weshalb das unberechtigt ist.
Petersdorf

Schwere Technik rollte zuletzt durch Petersdorf und Lenz. In Lenz wurden rund 120 und im Nachbarort Petersdorf bei Malchow etwa 80 Bäume gefällt. Dafür musste der zuständige Revierleiter Olaf Schwahn vom Forstamt Wredenhagen reichlich Kritik einstecken oder erntete empörte Blicke. Von mehreren Seiten wird Schwahn derzeit mit Anschuldigungen konfrontiert, Raubbau am Wald zu betreiben. Das stimmt nicht, stellte er im Gespräch mit dem Nordkurier klar. „Es geht um die Sicherheit der Leute. Da können wir keine Kompromisse eingehen“, betonte der 48-jährige Förster.

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Sicherheit der Anwohner ist Maßstab

Schwahns Revier ist insgesamt 3400 Hektar groß und umfasst allein 1000 Hektar Landeswald, auf den der Förster ein ganz genaues Auge wirft. Das Gebiet zieht sich von Biestorf nach Zislow bis zur Ortslage Klink. In diesem Areal muss Schwahn nicht nur den Waldzustand im Auge haben, sondern auch die Sicherheit derer, die nah am Waldrand wohnen.

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Fällungen sollen Gefahr für Häuser gering halten

Ein Rundgang mit dem Förster durch Petersdorf und Lenz zeigte: Mehrfach stehen Häuser dicht an der Waldgrenze. Das Waldgesetz sieht für Neubauten einen Abstand von 30 Metern vor. Das soll Menschenleben im Fall von umstürzenden Baumriesen schützen. Abstände, die nicht überall eingehalten werden. Wahllos Bäume fällen – davon hält Schwahn freilich nichts. Doch in einigen Fällen hatte der Revierleiter keine andere Möglichkeit. Er markierte Buchen, Eichen und Co. zum Fällen. Das sorgte für Unverständnis bei Einheimischen, Wahl-Müritzern und Urlaubern. „Bäume wachsen dem Licht entgegen und bogen sich deshalb gefährlich in Richtung mancher Häuser“, erklärte Schwahn.

Kleine Bäume und Sträucher im Visier

Einige Häuser, die in Sichtweite des Petersdorfer Sees stehen, waren und sind äußerst nah an den hochgewachsenen Bäumen dran. Gute 30 Meter oder noch höher wuchsen Buche, Birke und Co. dort in den letzten Jahrzehnten. Nach den Fällungen nun sind es einige Bäume weniger, doch Förster Schwahn hat einen naturverträglichen Plan B in der Tasche: Am Waldrand sollen kleinere Bäume wie die bis zu 15 Meter hoch wachsende Eberesche und Sträucher wie Holunder und Schwarzdorn gepflanzt werden. Das Risiko, dass dann Bäume auf den Grundstücken landen oder im schlimmsten Fall Menschenleben kosten, soll damit minimiert werden.

Neue Pflanzungen gleichen Holzverkauf aus

Allein die zum Zwecke der Verkehrssicherung ausgedünnte Baumlandschaft in Petersdorf macht zusammen rund 150 Kubikmeter Holz. Das, was Spaziergänger und Nicht-Forstleute erst einmal sehen, sind die gefällten Stämme, die hoch gestapelt sind. Die Stapel wiederum geben – nicht nur bei Olaf Schwahn – manchem Anlass für Vorwürfe über kapitalistisches Vorgehen und Ausbeutung der Natur. Dabei ist die geerntete Menge Holz kleiner als die Nachpflanzungen, erklärt Schwahn über ein gängiges Prozedere. Allein in diesem Jahr werden 7000 Festmeter Holz aus seinem Revier verkauft. „Dafür pflanzen wir auf zwölf Hektar – das macht zwischen70 000 und 80 000 neue Bäume“, sagte er Revierleiter. Das entspricht nach seinen Angaben zwischen 9000 und 10 000 Festmetern Holz, die im selben Zeitraum in seinem Revier dazukommen.

Nicht selten sind Gesprächspartner über die gefällten Bäume derart erbost, dass Schwahn nicht mehr zu diesem Fazit kommt. Kritikern bietet er immer wieder Gespräche an, um über seine Arbeit und die Notwendigkeit der Maßnahmen aufzuklären. Jederzeit, sagt Olaf Schwahn .

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