SCHÜLERVERKEHR

Frau aus Röbel will Taxigeld wegen Busfahrerstreik

Damit ihre Tochter während des Streiks im Schülerverkehr die Schule nicht versäumen muss, will eine engagierte Mutter zusätzliches Geld vom Landrat erhalten.
Die Arbeitsniederlegung der Busfahrer im Landkreis Seenplatte erbrachte vielen Schülern – besonders in der Mür
Die Arbeitsniederlegung der Busfahrer im Landkreis Seenplatte erbrachte vielen Schülern – besonders in der Müritzregion – zusätzliche freie Schultage. Torsten Bengelsdorf
Neubrandenburg.

Wenn sich andere Schüler über zusätzliche „Ferientage” freuen können, herrscht in einer Familie in Röbel der blanke Frust. Denn die Mutter Heike Zoch will nur das Beste für ihre Tochter. Und dazu zählt für die Frau aus Röbel auch der regelmäßige Besuch der Schule. Der aber werde dem Mädchen gerade verwehrt, schimpft die Röbelerin. Denn wegen der wiederholten Arbeitsniederlegung der Busfahrer in der Müritzregion konnte die Schülerin der 5. Klasse in den vergangenen Tagen nicht – wie von der Mutter gewollt – ihre Schule im benachbarten Rechlin besuchen. Die kleine Familie ist auf den Schülerbusverkehr angewiesen.

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Damit die Fünftklässlerin nicht noch mehr Unterricht versäumt, hatte sich ihre engagierte Mutter zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. Denn die Schülerin musste in der Vergangenheit ohnehin wegen gesundheitlicher Probleme schon viele Fehltage auf dem Konto verbuchen. Heike Zoch hat einen Eilantrag an den Landrat der Mecklenburgsichen Seenplatte, Heiko Kärger (CDU), das Sozialamt und das Schulverwaltungsamt der Kreisverwaltung geschickt.

Landkreis will Kosten nicht übernehmen

Die Röbelerin fordert die Übernahme zusätzlicher Kosten für betroffene Eltern – das Bezahlen der Taxirechnungen für den Weg in die Schule, wenn Schülerbuse ausfallen. „Die Lasten des Streiks auf betroffene Familien und privates Engagement auszulagern, bricht deren Grundrechte”, schrieb sie zornig an die Kreisverwaltung in Neubrandenburg. Der Kampf um angemessene Gehälter für die Busfahrer könne nicht auf dem Rücken von Kindern und deren Familien ausgetragen werden, machte die Röbelerin ihrem Unmut Luft.

Allerdings, der Wunsch nach ungehindertem Schulbesuch ihrer Tochter und der Zusage für die Übernahme der Taxikosten von Röbel nach Rechlin und wieder zurück erwies sich als ein typischer Fall von „denkste”. Denn der Leiter des Schulverwaltungsamtes in der Kreisstadt Neubrandenburg, Dirk Rautmann, teilte der Mutter in Röbel mit, dass der Landkreis ganz bestimmt kein Geld für die Taxifahrten ausgeben will.

Lehrerin fährt Schülerinnen zum Unterricht

Zwar übernehme der Landkreis ganz grundsätzlich die Kosten der Schülerbeförderung – aber nicht, wenn eine öffentliche Beförderung unmöglich ist. Deshalb, so hieß es in dem amtlichen Schreiben weiter, müsse angesichts des Gebotes der sparsamen Verwendung von Steuergeldern der Übernahme kostenintensiver Taxikosten eine Absage erteilt werden. Zumal, appelliert die Kreisveraltung an die Frau in Röbel, ist es den Eltern an Streiktagen der Busfahrer freigestellt, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Wer nicht erscheinen kann, gilt als entschuldigt.

Heike Zoch nennt die Antwort der Kreisverwaltung eine „Unverschämtheit”. Und ist deshalb der Klassenleiterin ihrer Tochter um so dankbarer. Die hat nämlich gerade ihre Schülerin aus Röbel und eine Klassenkameradin aus Melz, die sonst ebenfalls zu Haue hocken müsste, mit ihrem Auto abgeholt und zum Unterricht nach Rechlin gefahren.

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