WIRTSCHAFT AN DER MÜRITZ

Friseure und Kunden erleichtert über Neustart nach Corona-Pause

Nach wochenlangem Wildwuchs sind Kunden und Friseure froh: Die Salons haben endlich wieder geöffnet. Doch manche Sorgen sind geblieben.
Manuela Venz ist froh, wieder arbeiten zu können. Wegen der Hygiene-Regeln musste sie kreativ werden.
Manuela Venz ist froh, wieder arbeiten zu können. Wegen der Hygiene-Regeln musste sie kreativ werden. Christine Gerhard
Waren.

Mit Blumen, Naschereien und Sekt haben die Stammkunden im Penzliner Friseursalon „Karin Wöllert“ bei der gestrigen Wiedereröffnung ihre Friseurinnen begrüßt. Das Team hatte den älteren unter ihnen die frohe Botschaft bereits vergangene Woche telefonisch überbracht und dabei gleich Termine vergeben. „Sie waren ganz doll glücklich und dankbar und alle freuen sich für uns“, so Inhaberin Karin Wöllert.

Bei ihr steht, wie auch in vielen anderen Friseursalons der Region, das Telefon nach der langen Pause nun nicht mehr still. Die meisten Salons sind trotz Überstunden bereits auf zwei, manche sogar auf drei Wochen ausgebucht. „Eine Mischung aus Erleichterung und Verständnis“, beschreibt Dirk Herzog von „Hairconcept“ in Waren die Stimmung bei den Kunden.

Malerfolie als Einmal-Umhänge

Nicht nur für Menschen mit Kurzhaarfrisuren, auch für die Friseure waren die letzten Wochen hart. „Sechs Wochen ohne Einnahmen, bei laufenden Kosten“, sagt Herzog, „aber wir haben es geschafft.“ „Gerade so“, wie Gabi Jarchow vom Malchower Salon „Die Handwerker mit Kamm und Schere“ berichtet: „Noch ein Monat, und es wäre wohl schlimm gewesen.“ Haarig waren die Corona-bedingten Schließungen nicht zuletzt für die Mitarbeiter: „Kurzarbeitergehalt ist gerade bei uns Friseuren, die ohnehin nicht viel verdienen, zu wenig“, weiß Nicole Ahrens vom „Hair-Cosmetic-Team“ in Waren. „Es war sehr schwierig.“ Die Friseure haben ihre Arbeit vermisst, sagen sie, besonders den Kontakt mit Kunden und Kollegen, die Gespräche. „Es ist schön, die Kunden wieder bedienen zu können und schöne Erlebnisse zu schaffen, gerade in dieser Zeit“, findet Nicole Ahrens.

Doch in der Nacht vor der Wiedereröffnung konnten manche Friseure, so wie Gabi Jarchow, kaum schlafen. „Ich war sehr aufgeregt wegen der Anforderungen und Auflagen, die wir nun einhalten müssen“, erzählt sie. Auch Manuela Venz von „Komm Hair“ in Waren hatte Lampenfieber: „Es war, wie wenn man ganz neu anfängt.“

Dabei war sie vorbereitet: Weil die bestellten Einmal-Umhänge erst Mitte Juni wieder lieferbar sind, schnitt die Friseurin Malerfolie zurecht. Für den Notfall hat sie auch Regenhauben und vom Autohaus Einmalschutzbezüge geordert. „Wir Ossis sind doch flexibel“, sagt die Friseurin.

Pro Kunde braucht es nun eine Viertelstunde länger

Auch wenn das Arbeiten unter Maske anstrengt, obwohl man mit Gummihandschuhen weniger Fingerspitzengefühl hat und die Friseure keinen Kaffee und kein Wasser mehr zu trinken anbieten dürfen – das ungewohnte Arbeiten unter verschärften Hygienebedingungen ist laut vielen Friseuren besser angelaufen als gedacht. Die meisten Kunden zeigten Verständnis für die Hygienemaßnahmen, heißt es. Sie kommen mit ihren eigenen Masken zum Termin, warten bevor sie eintreten, sind vorsichtig.

„Man kennt sich und geht vernünftig miteinander um“, fasst Karin Wöllert zusammen. Eine Umstellung sei es trotzdem. Die Telefonnummern der Kunden werden in einer Liste eingetragen, regelmäßig müssen die Friseurinnen desinfizieren. „Pro Kunde brauche ich jetzt gut eine Viertelstunde länger“, sagt Manuela Venz. Durch das zusätzliche ständige Telefonieren verschöben sich zudem die Termine, wodurch manche Kunden vor der Tür warten müssen. Weil die Wartebereiche in den Salons wegfallen, könne das Team während der Einwirkzeit zwischenzeitlich keine anderen Kunden frisieren, erzählt Karin Wöllert.

Doch das ist nicht das einzige Haar in der Suppe: Weiterhin sind Friseure in Kurzarbeit. Die Absage von Jugendweihen und Hochzeiten und die fehlenden Touristen wirkten sich zudem ganz klar auf das Geschäft aus, so Venz. Sie rechnet etwa mit einem Viertel weniger Umsatz als sonst üblich.

Doch man zeigt sich zuversichtlich: „Handwerk hat goldenen Boden“, sagt Manuela Venz. Auch die Frisur ihrer Kundin, die sich ihre Haare zwischenzeitlich selbstgeschnitten hatte, kann sie retten und hat auch noch ein paar Worte des Lobes: „Das hat sie gut gemacht, das kriegen wir ausgebessert.“

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