WAHLFORUM

▶ Fünf Kandidaten und viele, viele Fragen...

Statt Theater und Schwertduell wurde am Sonnabend auf der Freilichtbühne ein anderes Schauspiel geboten. In wenigen Tagen entscheiden die Warener über ihr neues Stadtoberhaupt. Die fünf Bewerber stellten sich der Debatte – aber nicht immer gegeneinander.
Wer wird Warens nächster Bürgermeister? Christian Holz (CDU), Norbert Möller (SPD), Toralf Schnur (FDP) und die
Wer wird Warens nächster Bürgermeister? Christian Holz (CDU), Norbert Möller (SPD), Toralf Schnur (FDP) und die beiden Einzelbewerber Jörg Krüger und Thomas Splitt (von links nach rechts) treten an. Ingmar Nehls (vorn) führte durch den Abend. Stephan Radtke
Abstandsregeln, eine kurzfristige Verschiebung und regnerisches Wetter am Sonnabend konnten rund 150 Besucher nicht schrecken.
Abstandsregeln, eine kurzfristige Verschiebung und regnerisches Wetter am Sonnabend konnten rund 150 Besucher nicht schrecken. Stephan Radtke
Kathrin Nepperschmidt vom Regionalzentrum für demokratische Kultur und Nordkurier-Reporter Ingmar Nehls bei der Begr&uuml
Kathrin Nepperschmidt vom Regionalzentrum für demokratische Kultur und Nordkurier-Reporter Ingmar Nehls bei der Begrüßung. Stephan Radtke
Kandidat Christian Holz (CDU)
Kandidat Christian Holz (CDU) Stephan Radtke
Kandidat Toralf Schnur (FDP)
Kandidat Toralf Schnur (FDP) Stephan Radtke
Einzelbewerber Jörg Krüger
Einzelbewerber Jörg Krüger Stephan Radtke
Einzelbewerber Thomas Splitt
Einzelbewerber Thomas Splitt Stephan Radtke
Bürgermeister Norbert Möller (SPD)
Bürgermeister Norbert Möller (SPD) Stephan Radtke
Waren.

Beim Wahlforum des Regionalzentrums für demokratische Kultur und des Nordkurier präsentierten sich am Sonnabend auf der Warener Freilichtbühne die fünf Bewerber um das Bürgermeisteramt. Nachdem der ursprünglich geplante Termin wegen einer Sturmwarnung kurzfristig abgesagt wurde, blieb es am Samstagabend trocken – und auf der Bühne ging es nur selten stürmisch zu. Moderator und Nordkurier-Reporter Ingmar Nehls hatte zur Eröffnung deutlich um Fairness und Sachlichkeit gebeten. Nur Einzelnen im Publikum schien das schwer zu fallen. Rund 150 Gäste hatten sich auf den Rängen versammelt.

[Video]

Amtsinhaber Norbert Möller (SPD) gab sich zum Auftakt betont selbstbewusst. „Ich habe in den vergangenen sieben Jahren gezeigt, dass ich Bürgermeister kann“, so Möller. Für seine bisherige Leistung würde er sich die Schulnote 2 geben. Direkte Attacken erntete er im Laufe des Abends ausschließlich vom FDP-Kandidaten Toralf Schnur, der Möller zwar Verlässlichkeit bescheinigte, aber auch einen Mangel an Entscheidungsfreude, Visionen und Führung in der Stadtverwaltung. Der Angegriffene ließ sich davon nicht aus der Reserve locken, betonte, wie komplex Entscheidungsprozesse und Vorgaben für Ausschreibungen und öffentliche Abwägungen heutzutage seien – auch im Vergleich zu den 90er-Jahren. „Gewisse Abläufe in der Bürokratie gibt es nun mal“, so Möller.

Tempo 30 in einer Probephase nur nachts?

Thematisch waren die rund zweieinhalb Stunden ein Ritt durch die politischen Themen der Stadt. Die Frage, ob Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt auch tagsüber und für Pkw eingeführt werde, brachte wenig Differenzen zutage. Die Stadtvertretung hatte sich vergangene Woche erst mehrheitlich gegen diese Änderung ausgesprochen. Am Ende ist es aber eine Entscheidung des Bürgermeisters. Vier Kandidaten hatten sich – teils schon im Vorfeld – klar gegen eine Tempo-Reduzierung ausgesprochen. Möller, der eine klare Positionierung bislang vermieden hatte, nahm sich für seine Antwort am Sonnabend fünf Minuten für Erläuterungen zum Thema. „Ich tendiere momentan dazu, zunächst die Tempo-30-Regelung in einer Probephase nur nachts einzurichten“, so sein Fazit.

Kontroverser ging es beim Thema Tourismus zu. Regina Kleemann aus dem Publikum kritisierte, es gebe kein klares Konzept. Die Straßen seien überlastet, Grünes verschwinde und für die Bürger sei die Überfüllung der Stadt immer schwerer zu ertragen. Einzelbewerber Thomas Splitt stellte sich gegen einen weiteren Ausbau des Tourismus. „Wir haben genug Hotels hier“, sagte er. Es ginge in den kommenden Jahren vor allem darum, die Stadt für die Warener selbst wieder attraktiver zu machen. Splitt kritisierte etwa, dass es kaum Angebote für junge Leute gebe, um abends wegzugehen. Kritisch äußerte sich auch Einzelbewerber Jörg Krüger. Eine weitere Förderung dürfe nicht auf Kosten der Bürgerinteressen bei Grünflächen, Verkehr oder Wohnungsbau geschehen. „Wir müssen das produzierende Gewerbe in Waren stärker unterstützen“, forderte er.

Kandidaten wollen Tourismus ausbauen

Christian Holz (CDU) wiederum warb dafür, den Tourismus durch neue Zielgruppen auszuweiten. Familien und junge Leute müssten als Gäste stärker in den Fokus genommen werden. Gleichzeitig müssten Heil- und Kur-angebote stärker vermarktet werden. Auch Toralf Schnur warb für einen weiteren Ausbau des Tourismus. Jeder vierte Euro, der in Waren umgesetzt werde, hänge am Tourismus. „Es ist falsch, dass wir das selbst so madig machen“, so Schnur. Möller erklärte, er wolle keine weiteren touristischen Projekte anschieben – ausgenommen der Fläche auf dem Nesselberg, für die zwischenzeitlich der sogenannte Aqua Regia Park geplant war.

Das Fazit aus dem Publikum nach der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung: Große Überraschungen gab es nicht. Dennoch sei es interessant gewesen, die Kandidaten live in der Debatte zu erleben – insbesondere Thomas Splitt und Jörg Krüger, die vor dem Wahlkampf kaum politisch aufgefallen waren.

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