WEIßER RING

Für die Opfer fahren Polizisten 1000 Kilometer

Die Strecke von Hamburg bis Dresden nehmen 24 Sportler unter die Rennräder, darunter auch ein US-Generalkonsul. Alles für einen Verein, der Opfern hilft.
Petra Konermann Petra Konermann
Etappe 3 von Schwerin nach Röbel war gegen 17 Uhr geschafft: Die 24 Sportler rollten auf den Röbeler Kirchplatz.
Etappe 3 von Schwerin nach Röbel war gegen 17 Uhr geschafft: Die 24 Sportler rollten auf den Röbeler Kirchplatz. Petra Konermann
Musik für die Röbeler und ihren besonderen Gäste kam vom Landespolizeiorchester unter der Leitung von Christof Koert.
Musik für die Röbeler und ihren besonderen Gäste kam vom Landespolizeiorchester unter der Leitung von Christof Koert. Petra Konermann
Jens Oesterreich (BSG Polizei Hamburg), Walter Brähmer vom Weißen Ring, Ray Goebeler (BSG Polizei Hamburg) und US-Generalkonsul Richard Yoneoko (von links) freuen sich, dass auch auf Etappe 3 alles gut geklappt hat.
Jens Oesterreich (BSG Polizei Hamburg), Walter Brähmer vom Weißen Ring, Ray Goebeler (BSG Polizei Hamburg) und US-Generalkonsul Richard Yoneoko (von links) freuen sich, dass auch auf Etappe 3 alles gut geklappt hat. Petra Konermann
1000 Kilometer fahren die Radfahrer.
1000 Kilometer fahren die Radfahrer. BSG Hamburg
Röbel.

Musik vom Landespolizei-Orchester, viele Röbeler, gute Stimmung auf dem Kirchplatz: Was am Montagabend wie ein ganz normales Fest wirkte, hatte einen ernsten Hintergrund. 24 Radfahrer der Betriebssportgemeinschaft der Polizei Hamburg (BSG) fahren derzeit insgesamt 1000 Kilometer von Hamburg nach Dresden quer durch Deutschland, um auf die Arbeit des „Weißen Ringes“ aufmerksam zu machen, einem Verein, dessen Mitglieder und Helfer sich ehrenamtlich um Opfer von Gewalt und Kriminalität kümmern.

Auf ihrer dritten Etappe machten sie nach 128 Kilometern in Röbel Station und wurden dort enthusiastisch begrüßt. Etwa Jahr lang hatten die Hamburger Sportler, meist Polizisten, diese Deutschlandtour akribisch vorbereitet. Sie nutzen nun ihren Urlaub dafür, um als Botschafter des Weißen Ringes die Straßen bis nach Sachsen unter die Räder zunehmen. „Wir kümmern uns um die Täter. Aber auch um die Opfer, denn die haben ‚lebenslänglich‘“, sagte Jens Oesterreich, sportlicher Leiter der Hamburger BSG.

Der US-Konsul ist dankbar für die Pause

Er rief die Röbeler dazu auf, die Arbeit des Vereins zu unterstützen, zu spenden, Mitglied zu werden oder selbst als Helfer tätig zu werden: „Folgen Sie unserem Beispiel, das wäre wunderbar“, sagte Oesterreich, der wie seine Sportler-Kollegen nach dem Start am Sonnabend in Hamburg bereits über 400 Kilometer in den Beinen hatte.

Mit dabei war übrigens auch ein Nicht-BSG-Mitglied: Richard Yoneoko, US-Generalkonsul in Hamburg, dessen Amtsbezirk Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern umfasst. Auch der sportliche Amerikaner, der für den guten Zweck bereits den dritten Tag auf dem Sattel saß, war am Etappen-Ziel dankbar für die Pause in Röbel.

Spenden helfen den Opfern auch finanziell

Dort machte Manfred Dachner, stellvertretender Landesvorsitzender des Weißen Ringes Mecklenburg-Vorpommern, eindringlich klar, dass viele gute Ansätze in Sachen gebe. „Das reicht aber nicht aus. Opfer haben keine Lobby, Opfer haben nur uns.“ Der Weiße Ring finanziert sich komplett aus Spenden und unterstützt Opfer unbürokratisch auch mit Geld, bundesweit mit rund 14 Millionen Euro jährlich. In Mecklenburg-Vorpommern werden rund 120.000 Euro jährlich an Opfer gegeben, die durch Gewalttaten unverschuldet in Not geraten sind. Aber nur rund 60.000 Euro fließen aus Spenden, die die Menschen hier im Land gegeben haben, den „Rest“ erbringen Verbände in den alten Bundesländern.

Dachner betonte, dass nicht nur die finanzielle Hilfe der Opfer im Vordergrund stehe, sondern auch deren Unterstützung durch Gespräche und Begleitung durch geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter. So einer ist Walter Brähmer aus Lärz von der Warener Außenstelle des Weißen Ringes. Er hatte das kleine Begrüßungsfest in Röbel mit organisiert. Er weiß, wie wichtig die Arbeit des Weißen Ringes ist: „Wir sind die Feuerwehr für die Köpfe und Herzen der Opfer. Wir wissen, dass unsere Hilfe ankommt“.

Am Sonnabend wollen die Sportler ihre Mission an der Dresdner Frauenkirche beenden.

StadtLandKlassik - Konzert in Röbel

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