KOPF ZERTRüMMERT, GENICK UND RIPPEN GEBROCHEN

Für fünf Minuten war Bernd Fischer tot

Sekunden nur dauerte der Unfall, den Bernd Fischer als Radfahrer auf der B 192 nahe Roez erlitt. Lange lag er im Koma, jetzt hat er sich ins Leben zurückgekämpft. Und auch er setzt sich für ein wichtiges Ziel ein: Dass endlich der Radweg zwischen Sietow und Penkow gebaut wird.
Petra Konermann Petra Konermann
Bernd Fischer kann wieder lachen. Obwohl er am 9. September 2015 an der B 192 zwischen Penkow und Roez einen schweren Unfall hatte, hat er Roez nicht den Rücken gekehrt.
Bernd Fischer kann wieder lachen. Obwohl er am 9. September 2015 an der B 192 zwischen Penkow und Roez einen schweren Unfall hatte, hat er Roez nicht den Rücken gekehrt. Petra Konermann
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Roez.

Die Zeit, sagt Bernd Fischer, ist einfach stehen geblieben. Heute, über ein Jahr nach seinem Unfall an der B 192 zwischen Penkow und Roez, erinnert er sich lediglich an ein einziges Bild: An die Radkappen und die schwarzen Reifen des Autos, das ihn als Radler angefahren hatte. An den Unfall selbst, der ihn über ein Jahr ins Krankenhaus brachte, hat Fischer keine Erinnerung mehr.

Alles, was er von dem Unglückstag im September 2015 weiß, hat man ihm hinterher erzählt: Dass ein Fahrzeug ihn erfasste, dass sein Kopf zertrümmert war, sein Genick und Rippen gebrochen waren, dass man die Kopfhaut samt Haaren abnehmen und ins Gehirn schauen konnte, dass viele nicht glaubten, dass er diesen Unfall überhaupt überleben würde. Fünf Minuten lang war Bernd Fischer tot, dann gelang den Rettern seine Wiederbelebung. „1000 Jahre oder eine Minute, das ist alles dasselbe“, beschreibt er seine Todeserfahrung.

Bernd Fischer weiß genau, was ihm der Unfall genommen hat: ein Jahr Lebenszeit, die Beziehung zu der „Liebe seines Lebens“. „Und doch stehe ich hier, kann wieder arbeiten, ich lebe, ich kann sprechen, das ist ein Wunder“, sagt der Mann, der mit seinem Fahrrad genau auf dem Teilstück der Bundesstraße verunglückte, das keinen Radweg hat.

Bei der Fahrraddemo mit von der Partie

Ein Kritikpunkt, den die Bürger von Penkow, Roez und Sietow seit Jahren bemängeln. Und seit Jahren fordern Bürger und Gemeinden, dass der Radweg endlich in Angriff genommen wird. Während Waren über einen straßenbegleitenden Radweg via Sietow mit Röbel verbunden ist, klafft zwischen Sietow und Penkow eine 4,4 Kilometer lange Radweg-Lücke. Hinter Penkow dann setzt ein Radweg an, der bis nach Malchow führt.

Würde diese Radwege-Lücke geschlossen, wäre Malchow über das straßenbegleitende Radelnetz mit Röbel und mit Waren verbunden. Ein Pluspunkt, der wichtig wäre für Bürger, aber auch für die touristische Infrastruktur.

Bei der Fahrraddemo, bei der viele Bürger sich für einen Radwege-Lückenschluss starkgemacht hatten, war auch Bernd Fischer mitgeradelt. „Der Radweg muss kommen. Der ist wichtig für die Menschen hier. Die Straße ist einfach zu gefährlich. Das musste ich ja selbst erfahren“, meint Fischer.

Nach dem Unfall dem Radfahren abgeschworen

Im Straßenbauamt Neustrelitz, zuständig auch für die B 192, hat man diese „Lücke“ auf dem Schirm, erste Vorplanungen laufen. Doch wann genau tatsächlich der Radweg gebaut werden könnte, das vermag Amtsleiter Jens Krage momentan nicht zu sagen. „Es ist ein mittelfristiges Projekt“, sagt er. Mittelfristig – damit wird in dem Amt eine Zeitspanne zwischen drei und sieben Jahren bezeichnet.

Hinzu komme, so Jens Krage auf Nordkurier-Nachfrage weiter, dass dieser Radweg nicht unabhängig von dem geplanten dreispurigen Ausbau der B 192 zwischen der Autobahnabfahrt Malchow und der Stadt Neubrandenburg betrachtet werden könne. Gelder für den Ausbau des Radwegenetzes seien bei Bund und Land vorhanden – doch „wir haben sehr viele Projekte, die geplant werden müssen“, so Krage. In Sachen Radweg Penkow-Sietow laufen die Untersuchungen, auf welcher Seite der Bundesstraße ein Radweg Sinn mache.

Bernd Fischer jedenfalls hat nach seinem Unfall dem Radfahren abgeschworen. Sein Fahrrad hat er verschenkt. Er hat sich geschworen: „An der Bundesstraße fahre ich erst wieder, wenn es dort einen Radweg gibt.“

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