Stadtwerke-Leiter Robert Kersting informierte am Donnerstagabend die Stadtpolitiker über die Situation auf dem Energiemar
Stadtwerke-Leiter Robert Kersting informierte am Donnerstagabend die Stadtpolitiker über die Situation auf dem Energiemarkt und die möglichen Folgen bei den Malchower Stadtwerken. Miriam Brümmer
Kosten-Explosion

Für Malchower werden Strom und Gas teurer

Die Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs kommt nun auch in der Müritzregion an. Sollen die Malchower Stadwerke nicht pleitegehen, müssen die Kunden bald mehr zahlen.
Malchow

Zu den bereits geplanten Sitzungen fand am Donnerstagabend eine weitere statt, weil es wichtige Dinge gab, über die gesprochen werden musste, informierte Malchows Stadtpräsident Rickert Reeps gleich zu Beginn. Der Grund für diese zusätzliche Sitzung waren die Tagesordnungspunkte „Preisanpassung der Gas- und Stromtarife im Rahmen der Energiepreiskrise bei den Malchower Stadtwerken“.

Einkaufspreise teilweise verzehnfacht

Einen kurzen Einblick, warum das notwendig ist, lieferte Stadtwerke-Chef Robert Kersting. Der ungemeine Anstieg der Gas- und Energiepreise habe eine immense Auswirkung auf die Beschaffung. Nach seiner Aussage wurden 85 Prozent des Gases und 95 Prozent des Stromes vor einem Jahr langfristig zu sehr guten Preisen eingekauft. Der Rest müsse an der Börse zugekauft werden, beispielsweise wegen eines langen Winters. „Die Preise dafür sind explodiert, teilweise um Faktor zehn“, so Robert Kersting.

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Wenn die Preise nicht angepasst würden, müssten die Stadtwerke für den langfristigen Einkauf von 52 Millionen Kilowattstunden, das sind etwa 84 Prozent der prognostizierten Menge, 970.000 Euro aufwenden. Die übrige Energie liege voraussichtlich bei etwa zehn Millionen Kilowattstunden und bei einem Preis von 1,3 Millionen Euro. „Wir haben allerdings für die Börsenkäufe nur 340.000 Euro kalkuliert und das ist schon mehr als im Mittel der letzten Jahre“, so der Werksleiter. Der Verlust wäre gravierend und könne nicht durch andere Sparten ausgeglichen werden. „Wir wissen, dass wir unseren Kunden sehr viel abfordern. Wir sehen aber keine anderen Wege, um die Existenz der Stadtwerke abzusichern“, schloss er seinen Vortrag.

Stadtvertreter stärken den Stadtwerken den Rücken

Ramona Stein kritisierte, dass die Preissteigerung nur die Privatkunden treffe. Die Geschäftskunden, die etwa 25 Prozent der Stadtwerkekunden ausmachen, seien wegen langfristiger Verträge nicht angreifbar. Schließlich seien die Stadtwerke einmal für die Stadt gegründet worden und damit auch für deren Einwohner. „Ich denke, jeder weiß, was los ist“, vermutete André Zimmermann (CDU) und forderte eine Entscheidung. So sah es auch Hans-Peter Weiß (FDP), auch wenn es ihm leidtäte. „Wir lassen die Stadtwerke sterben, wenn wir konsequent für den Bürger sind.“ Die Stadtvertretung wolle aber für den Energieversorger und die Bürger da sein. Weil es keine andere Lösung gebe, müsse dem Antrag zugestimmt werden.

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Die Stadt könne froh sein, dass die Malchower Stadtwerke so gut gearbeitet hätten und die Schwierigkeiten nicht noch größer wären. Die Probleme seien bei allen Versorgern die gleichen. Es nütze nichts, wenn die Stadtwerke in zwei Jahren pleite seien. Elke-Annette Schmidt (Die Linke) sah auch keine Alternative als zuzustimmen, wenn die Stadtwerke erhalten werden sollen. Sonst müssten sich die Bürger woanders den Strom holen und das sei nicht unbedingt günstiger.

Preiserhöhung trifft Kunden in einem halben Jahr

Monika Göpper (Bündnis 90/Die Grünen) fragte nach einer möglichen Gewinnbeteiligung, damit die Erhöhung für die Kunden nicht ganz so groß ausfalle. Robert Kersting glaubt jedoch nicht, dass er mit Überschuss aus dem Jahr geht. Sollte das wider Erwarten der Fall sein, werde das an den Verbraucher in Form stabiler Preise zurückgegeben. Bisherige Verluste seien durch gutes Wirtschaften des Unternehmens aufgefangen. Es ginge den Stadtwerken nicht um Gewinnmaximierung. Hans-Peter Weiß fügte hinzu: „Zehn Jahre Preisstabilität wird es nicht mehr geben“, da brauche man sich keine Gedanken über Gewinnausschüttung zu machen. Die Stadtvertretung hatte sich am Ende der Debatte einstimmig für höhere Gas- und Strompreise ausgesprochen. In einem halben Jahr sollen die Preise für die Kunden erhöht werden.

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