Vor zwei Jahren enthüllten Norbert Möller (links) und Rüdiger Prehn gemeinsam die neue Stele mit Namen sowjetis
Vor zwei Jahren enthüllten Norbert Möller (links) und Rüdiger Prehn gemeinsam die neue Stele mit Namen sowjetischer Armeeangehöriger. 1960 wurde die Gedenkstätte errichtet und die Soldaten vom Neuen Markt zum Warener Friedhof umgebettet. Foto: I. Nehls Ingmar Nehls
Noch im Januar hatten Möller und Prehn am Holocaust-Gedenktag gemeinsam mit dem Bund der Antifaschisten und Vertretern vo
Noch im Januar hatten Möller und Prehn am Holocaust-Gedenktag gemeinsam mit dem Bund der Antifaschisten und Vertretern von SPD und Die Linke bei einem stillen Gedenken an den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 77 Jahren erinnert. Ingmar Nehls
8. Mai

Gedenken am Tag der Befreiung sorgt für Streit an der Müritz

Warens Bürgermeister will nicht an der Veranstaltung am 8. Mai teilnehmen. Das hält den Präsidenten der Stadtvertretung nicht davon ab, im Alleingang zu gedenken.
Waren

Zwar betonte Norbert Möller (SPD) ausdrücklich, dass es zwischen ihm und dem Präsidenten der Stadtvertretung, Rüdiger Prehn (Die Linke), keinen Keil gebe. Dennoch war es dem Bürgermeister ein wichtiges Anliegen, in einem persönlichen Gespräch am Rande eines Medientermins am Freitagvormittag in Waren an der Müritz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) klarzustellen, dass er nicht zum traditionellen Gedenken am Sonntag anlässlich des Tages der Befreiung einlädt. Genau das hat aber Prehn in einer Mail an verschiedene Medienvertreter am Donnerstagabend getan.

Lesen Sie auch: Neue Namenstafel vor der trauernden Mutter enthüllt

Alleingang sorgt für Verstimmung

Um 11 Uhr soll die Gedenkveranstaltung „zum 77. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und des Endes des 2. Weltkrieges und damit der Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus“ am Gedenkstein der trauernden Mutter am Stüde stattfinden. Ein Alleingang, der für Verstimmungen sorgt.

Mehr zum 8. Mai: 500 „Namenstropfen” erinnern an KZ-Opfer

Rücksicht auf Flüchtlinge

„Rüdiger Prehn kann das machen. Ich halte das in der gegenwärtigen Situation aber für nicht richtig und werde am Sonntag auch nicht teilnehmen. Die Sowjetarmee hat Deutschland vom Faschismus befreit. Das bleibt. Aber Russland führt einen Angriffskrieg. Und da halte ich es auch aus Rücksicht auf die Geflüchteten aus der Ukraine, die in unserer Stadt jetzt leben, für richtig, wenn jeder für sich innehält. Wer hingehen will, kann das. Ich habe mich politisch dagegen entschieden und Rüdiger Prehn dafür“, sagte Norbert Möller.

Politik zeigt sich überrascht von dem Termin

Völlig überrascht über die Veranstaltung zeigte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf Spohr. „Wir haben keine Kenntnis von dem Termin. Wurden dazu nicht eingeladen oder informiert“, sagte Spohr. Entsprechend würde Rüdiger Prehn auch nicht die Stadtvertretung repräsentieren. „Er repräsentiert weder die Stadt noch die Stadtvertretung. Aber bei ihm wundert mich gar nichts mehr“, sagte Toralf Schnur, Vorsitzender der FDP/MUG-Fraktion.

In welcher Funktion Rüdiger Prehn am Sonntag einlädt, bleibt widersprüchlich. Denn auf der Internetseite der Warener Linksfraktion schreibt Fraktions-Chef Heiko Seifert, dass am Sonntag eine Gedenkveranstaltung der Stadt Waren stattfindet und der Präsident der Stadtvertretung sprechen wird.

Gedenken ist Tradition

Noch im Januar hatten Möller und Prehn am Holocaust-Gedenktag gemeinsam mit dem Bund der Antifaschisten und Vertretern von SPD und Die Linke bei einem stillen Gedenken an den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 77 Jahren erinnert. Und auch am 8. Mai ist es Tradition in Waren, dass der Bürgermeister und der Präsident der Stadtvertretung gemeinsam zum Gedenken einladen.

Trauernde Mutter als Mahnmal

Das Denkmal am Stüde war übrigens die erste große Arbeit des Bildhauers Walther Preik in Waren. Statt den Wunsch der Genossen umzusetzen und einen großen Soldaten in Stein zu hauen, entwarf Preik das Bildnis einer trauernden Mutter und schuf so ein dauerhaftes Symbol, das sich von Ideologien, Schauplätzen und Zeiten loslöst. „Mein Vater war immer Pazifist. Er hat die dramatischen Ereignisse des Kriegs miterlebt und wollte ein Mahnmal für alle Menschen schaffen, die um jemanden trauern“, sagte Ole Preik bei der Gedenkveranstaltung vor zwei Jahren.

zur Homepage