HUNDE VERGIFTET

Waren warnt vor Giftködern in der Stadt

In Waren sollen vermehrt Giftköder gefunden worden sein, auch auf einem Spielplatz. Zuletzt starb der Hund eines Tierarztes. Die Stadt schlägt Alarm.
Innerhalb von wenigen Tagen hat eine Anwohnerin etwa zwanzig mutmaßliche Giftköder in Waren West gefunden.
Innerhalb von wenigen Tagen hat eine Anwohnerin etwa zwanzig mutmaßliche Giftköder in Waren West gefunden. ZVG
Hundehalter machen sich Sorgen.
Hundehalter machen sich Sorgen. Daniel Naupold
Waren.

Nachdem in Waren West auch auf einem Spielplatz Giftköder aufgetaucht sein sollen, die offenbar für Hunde gedacht sind, warnt die Stadt vor den Gefahren und mahnt zur Vorsicht. „Jeder, der Köder auslegt, um Hunde zu vergiften, muss sich im Klaren darüber sein, dass auch Kinder sich verletzten können und dass sie durch die sehr unterschiedlichen Gifte in den Ködern gefährdet sind“, machte die Sprecherin der Stadt Waren, Stefanie Schabbel, deutlich. Sie kündigte in diesem Zusammenhang vermehrte Kontrollen an.

Tierarzt kann seinem Dackel nicht helfen

Die kommen für Eberhard Hellmund zu spät. Seinen eigenen Hund konnte der Tierarzt nicht mehr retten. Er wunderte sich zunächst, dass die eineinhalbjährige Neela lahmte, zwei Tage später sei sie dann in sich zusammengefallen. „Ich stand vollkommen machtlos dabei“, erinnert er sich. Wie seine anderen Patienten mit Verdacht auf Vergiftungen behandelte Hellmund die anämische Neela auf Rattengift, doch diesmal schlug die Therapie nicht an. Der Dackel starb.

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Laboruntersuchung veranlasst

Eine anschließende Laboruntersuchung wies bei Neela stark erhöhte Cadmiumwerte nach. Cadmium wirke unter anderem calciumauflösend, erklärt Hellmund, daher womöglich die Knochen-Schädigung an Neelas Lauf. Für den Tierarzt ist es klar: eine Vergiftung – wieder einmal.

„Im vorigen Jahr habe ich drei oder vier Hunde mit Verdacht auf Rattengift behandelt“, erzählt er. Zwar seien in diesen Fällen keine Labortests in Auftrag gegeben worden, doch die Behandlungen gegen Rattengift seien, anders als bei seiner Neela, immer erfolgreich gewesen. Alle betroffenen Hunde hätten ihren Haltern zufolge die Giftköder in Waren West aufgenommen. Bei Neela, die als Jagdhund draußen immer an der Leine lief, vermutet Hellmund aber eine gezielte Vergiftung. „Das kann man nur bei mir über den Zaun geworfen haben.“

Mit Anzeigen Druck machen

Doch er will nicht spekulieren, niemanden zu Unrecht verdächtigen. Auf eine Anzeige gegen unbekannt hat er, ebenso wie die Besitzer der anderen von ihm behandelten Hunde, verzichtet. Was soll das bringen?, fragen sich die Hundehalter offenbar.

„Die meisten Menschen denken, sie können sowieso nichts machen“, sagt Sigrid Mielke von der Initiative „Müritzer für Tiere“. Sie rät einerseits zu Vorsichtsmaßnahmen, etwa dazu, Hunde immer anzuleinen. Die entsprechenden Gebiete sollte man möglichst meiden und Katzen, die nicht unbedingt hinaus wollten, besser im Haus lassen. Doch Sigrid Mielke ruft auch dazu auf, den Tätern durch Anzeigen bei der Polizei aktiv Druck zu machen. Die Leute seien verzweifelt, aber sie geben auch auf, weiß sie. Den Eindruck hat auch der Tierarzt: „Man bekommt die Menschen schwer dazu motiviert, dagegen anzugehen“, bestätigt Hellmund.

Nur noch an der kurzen Leine

So hat auch eine Anwohnerin, die in Waren West im Laufe der vergangenen Woche etwa 20 mutmaßliche Giftköder gefunden hat, diese zwar fotografiert, aber nicht abgegeben. In der Hans-Beimler-Straße und auf dem Stauffenbergplatz hätten die Köder gelegen, unter dem Gebüsch oder halb in die Erde gesteckt. „Wir haben Angst, weil wir selbst zwei Hunde haben“, erzählt die Mutter der Finderin. „Die nehmen wir jetzt nur noch an die kurze Leine.“

Doch die Funde in Waren West haben noch eine ganz andere Dimension: Laut der Anwohnerin sind die Giftköder auch auf dem Kinderspielplatz aufgetaucht. Die Sprecherin der Stadt Waren weist auch vor diesem Hintergrund darauf hin, dass das Auslegen von Giftködern eine Straftat ist. Und sie rief dazu auf, die Polizei einzuschalten: Es sei zwingend erforderlich, sich bei Verdachtsfällen und mit Funden an die Polizei zu wenden, um gegebenenfalls eine Strafanzeige zu stellen, notfalls auch gegen unbekannt. Darüber hinaus sei es empfehlenswert, das zuständige Veterinäramt und Tierheim zu informieren.

Keine Reaktion auf Vorschlag

Auf einen Vorschlag des Tierarztes ging die Stadt jedoch nicht ein. Hellmund bietet an, bei Verdachtsfällen toxikologische Untersuchungen in die Wege zu leiten. Die Kosten von etwa 100 Euro, die viele Tierhalter nicht übernehmen wollen oder können, könnte die Stadt tragen, schlug er vor.

Er will etwas tun, auch wenn das Neela nicht zurückbringt. „Mein Dackel und ich, wir waren ein richtiges Team. Ich habe sie selbst ausgebildet, wir haben uns quasi unterhalten“, erinnert sich Hellmund mit einem leichten Lächeln. Einen neuen Hund will sich der Tierarzt nicht anschaffen. „Da hängen so viele Emotionen dran“, sagt er.

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