DROGEN-PROZESS

Gericht hofft auf „Deal“

Im Prozess gegen ein Trio mutmaßlicher Drogenhändler aus Waren strebt das Landgericht Neubrandenburg eine Absprache an – und zwar aus gutem Grund.
Carina Göls Carina Göls
Am Landgericht Neubrandenburg ist am Montag  der Prozess gegen ein Trio von mutmaßlichen Drogendealern eröffnet worden.
Am Landgericht Neubrandenburg ist am Montag der Prozess gegen ein Trio von mutmaßlichen Drogendealern eröffnet worden. Carina Göls
Neubrandenburg.

Vier Verteidiger. Sechs Justizbeamte. Drei Angeklagte. Und einige junge Frauen im Publikum. Die drei Männer aus Waren auf der Anklagebank tragen Fußfesseln. Einer von ihnen blickt immer wieder Richtung Prozessverfolger. Als einer der Verteidiger, Peter-Michael Diestel, seinen Mandanten fragt, wer denn dort säße, strahlt der junge Mann: „Meine Ex, meine beste Freundin...“ „Und mich will er haben“, brachte sich Dame Nummer drei ins Spiel.

Dass eigentlich drei mutmaßliche Drogendealer am Landgericht Neubrandenburg im Mittelpunkt standen, das ging dabei für einen Moment beinahe unter. Und zwar in jenen Minuten, in denen sich Richter, Staatsanwältin und Verteidiger zu einer von mehreren Beratungen zurückgezogen hatten. Deren Inhalt? „Es hat Vorgespräche gegeben. Doch dazu können wir noch nichts sagen, denn es gibt es noch keine konkreten Ergebnisse“, sagte Richterin Nicola Schmidt-Nissen am Montag gegenüber dem Nordkurier. Doch es könnte auf eine Absprache hinauslaufen.

Verhandlung vertagt

Schließlich hatten die Verteidiger bei einer möglichen Einigung die Geständnisse der drei Angeklagten nicht ausgeschlossen. Darauf hofft das Gericht. Und gibt den Delinquenten erst einmal eins: Zeit. Die für Mittwoch angesetzte Verhandlung wird um eine Woche auf den 5. Dezember vertagt. „Es handelt sich hier um ein sehr komplexes Verfahren, an dem viele Leute beteiligt sind. Sollte es zu einer Absprache kommen, könnte dies den Prozess abkürzen“, erklärte die Richterin.

Da in diesem Fall niemand durch die Drogen zu Schaden gekommen und ein Großteil davon durch die erfolgreiche Razzia auch gar nicht erst in Umlauf gebracht werden konnte, gehe es in diesem Prozess vor allem darum, „die Vertriebsstruktur und das Beziehungsgeflecht“ der mutmaßlichen Drogendealer zu beleuchten: Was da in all den Monaten genau abging. Wer wo was bei welchem Komplizen lagerte, übergab oder verkaufte – das möchte das Gericht herausfinden.

Die Angeklagten allerdings schwiegen am Montag vor Gericht. Während die Blicke des einen immer mal wieder ins Publikum huschten, studierte ein anderer offenbar mehrfach dieselben Dokumente vor sich auf dem Tisch. Mit konzentrierter Miene formten seine Lippen lautlos die Worte. Immer und immer wieder. Und während die anderen beiden in den Zeiten, da das Gericht sich beratend zurückzog, plauderten und viel zu lachen hatten, schien der Lesende allein.

Haft von mindestens fünf Jahren droht

Viel Zeit mit dem Verlesen all dessen, was die 28, 30 und 39 Jahre alten Männer vor Gericht brachte, benötigte auch Staatsanwältin Daniela Röder-Rößner – rund zehn Minuten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten bandenmäßigen Handel mit illegalen Drogen in mindestens acht Fällen vor. Dazu waren die drei Männer aus der Müritzregion unter anderem mit 27.000 Euro in der Tasche nach Hamburg gefahren, zum „Einkaufen“. Sie sollen mit mindestens zwölf – meist noch unbekannten – weiteren Verdächtigen mehr als ein Jahr lang kiloweise Betäubungsmittel besorgt und gewerbsmäßig vertrieben haben.

Dann der Schlag: Die Gruppe war bei einer Razzia mit 160 Beamten im Juni dieses Jahres aufgeflogen. Damals waren 15 Gebäude und Grundstücke in Waren, Möllenhagen und anderen Dörfern der Müritzregion sowie in Hamburg und Sachsen-Anhalt nahezu zeitgleich durchsucht worden. Dabei wurde eine ganze Palette an illegalen Drogen entdeckt und beschlagnahmt: Amphetamine, Kokain, Marihuana und Ecstasy-Pillen sowie Bargeld, das aus dem Drogenverkauf stammen soll, in sechsstelliger Höhe.

Als Haupttäter gelten der 39-jährige Vorbestrafte und der 30-Jährige, der nach Nordkurier-Informationen zur Tatzeit noch Bundeswehroffizier gewesen, inzwischen aber entlassen sein soll. Sollte ihnen eine bandenmäßige Straftat nachgewiesen werden, drohen Haftstrafen nicht unter fünf Jahren. Die Anwälte streben allerdings ein geringeres Strafmaß an. Und das gewiss nicht wegen der jungen Damen im Publikum.

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