AUTOFAHRER AUS JEMEN

Gibt es 300 potenzielle Schuldige für ein Blitzerfoto?

Ein vorbestrafter Autofahrer aus dem Jemen wurde auf der A19 geblitzt und fuhr ohne Führerschein. Dass der 32-Jährige aber nicht die Person auf dem Foto sein kann, dafür hatte er eine beachtliche Begründung.
Wer sich in der Baustelle Petersdorfer Brücke nicht an Tempo 60 hält, der bekommt ein Foto zugesandt – dann ab
Wer sich in der Baustelle Petersdorfer Brücke nicht an Tempo 60 hält, der bekommt ein Foto zugesandt – dann aber in schwarz-weiß. Patrick Seeger
Waren.

Ein 32-Jähriger aus dem Jemen musste sich vor dem Warener Amtsgericht wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung und Fahrens ohne Führerschein am 21. Januar 2018 auf der Baustelle Petersdorfer Brücke auf der A19 verantworten. Doch der Mann behauptete, nicht der Fahrer gewesen zu sein.

Seine skurrile Begründung: Mit seinem Fahrzeug seien zur damaligen Zeit mehrere Hundert andere Personen regelmäßig gefahren. Meist Studenten der Hochschule in Clausthal-Zellerfeld. „300 Studenten aus dem Jemen nutzen mein Auto“, übersetzte ein Dolmetscher die Aussagen des Beschuldigten. Die Staatsanwältin sowie der vorsitzende Richter Roland Traeger staunten.

Das Blitzerbild zeige einen Syrer, der ihm ähnlich sehe und an den er sein Fahrzeug im Januar 2018 verkauft habe, so der Angeklagte. An den Käufer konnte er sich nicht erinnern. Und genauso wenig existiere ein Kaufvertrag, musste er schließlich auf Nachfrage vor Richter Traeger einräumen.

Staatsanwältin will Beschuldigten an der Nasenform erkannt haben

Während die Staatsanwältin den Angeklagten eindeutig an der Nasenform als Fahrer in jener Nacht erkannt haben will, zeigt sich der Mann wissbegierig. Woher die Behörden wüssten, dass er keinen gültigen Führerschein besitze, fragt er nach. Und überhaupt, wie konnte man den Mann überhaupt identifizieren? Fragen, über die eine 61-jährige Sachbearbeiterin der Bußgeldstelle im Zeugenstand Auskunft gab. Abgeforderte Bilder von Einwohnermeldeamt und Ausländerbehörde wurden abgeglichen – und der Angeklagte darauf „eindeutig identifiziert“.

Dass die Staatsanwältin zusätzlich beim Beschuldigten eine kriminelle Energie sieht, hat unter anderem mit einem Blick auf die Vorstrafenliste des Jemeniten zu tun. In der Vergangenheit wurde er bereits wegen Erschleichens von Leistungen und zweimal wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein verurteilt, zuletzt im Juni 2018.

Für sein erwiesenes Vergehen an der Petersdorfer Brücke sollte er bereits 900 Euro zahlen. Das erschien dem Angeklagten, der monatlich nach eigener Aussage lediglich 170 Euro zum Leben habe, zu viel. In Waren lohnt sich der Einspruch – Richter Roland Traeger verurteilt ihn zu einer Geldstrafe von insgesamt 360 Euro. Zusätzlich muss er die Gerichtskosten in Höhe von 70 Euro für das Urteil zahlen. Eine einjährige Führerscheinsperre kommt nun noch dazu.

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