LANDWIRTE DEMONSTRIEREN

Gibt es für die Bauern mehr als gute Worte?

Zweite Runde der Bauern-Proteste: Vor einer Woche forderten Landwirte auch in Waren mehr Geld für ihre Produkte, nun holten sie sich die Antwort bei der Müritz Milch GmbH ab.
Vor dem Werkstor der Müritz Milch GmbH forderten die regionalen Bauern gestern erneut, dass die Erzeugerpreise angehoben
Vor dem Werkstor der Müritz Milch GmbH forderten die regionalen Bauern gestern erneut, dass die Erzeugerpreise angehoben werden, damit sie kostendeckend arbeiten können. Miriam Brümmer
Die Bauern fordern kostendeckende Bezahlung ihrer Milch und dass keine Milch aus dem Ausland dazu gekauft wird. Der Werksleite
Die Bauern fordern kostendeckende Bezahlung ihrer Milch und dass keine Milch aus dem Ausland dazu gekauft wird. Der Werksleiter versicherte: „Hierher kommt keine Milch aus Polen.“ Miriam Brümmer
Jan Rüße aus Klocksin nahm den Brief des Werkleiters entgegen.
Jan Rüße aus Klocksin nahm den Brief des Werkleiters entgegen. Miriam Brümmer
Waren.

Bauern fuhren am Donnerstag bundesweit wieder mit ihren Traktoren vor die Tore der Molkereien, um für höhere Erzeugerpreise zu demonstrieren. Diesem Protest schlossen sich erneut auch Landwirte der Müritzregion an. Schließlich wollten sie sich bei der Müritz Milch GmbH eine Antwort auf ihren als Wut-Karneval bezeichneten Protest der vergangenen Woche abholen. Wie von den Erzeugern erhofft, übergab der Werksleiter ihnen eine Mitteilung des Sprechers von Deutschlands größter Molkereigenossenschaft, der DMK Deutsches Milchkontor GmbH. Waren die Landwirte mit der Antwort zufrieden?

Nur eine Hinhaltetaktik?

In dem Schreiben ist von Schulterschluss mit den Bauern in Bezug auf deren Preisforderungen, Verantwortung für die Betriebe im Sinne einer Genossenschaft und Solidarität die Rede. Die Milchkontor GmbH habe die Situation auf den Höfen im Blick und würde selbst jede Investition auf Notwendigkeit prüfen und effizienter arbeiten, um die Kosten zu reduzieren – zwei Seiten voller Worte, welche die anwesenden Erzeuger allerdings als leere Versprechen und als einen weiteren Versuch der Hinhaltetaktik werteten, die seit zwanzig Jahren andauert, wie sie sagten.

In anderen Regionen haben die Molkereien den Milchlieferanten unter anderem mitgeteilt, dass entsprechend der Marktlage keine Preissteigerung für die Milch möglich sei, und die Erzeuger auf die Branchenstrategie 2021 vertröstet. Bis dahin sollen neue Vermarktungswege gefunden werden.

Die Landwirte wollen nun die aktuelle Verhandlungsrunde abwarten. In welche Richtung die Gespräche in der nächsten Woche gehen werden, sei noch unklar.

15 Cent mehr pro Liter Milch

Die Bauern fordern 15 Cent mehr pro Liter Milch, einen Euro mehr pro Kilogramm Rindfleisch, 50 Cent mehr pro Kilogramm Schweinefleisch sowie 20 Cent mehr pro Kilogramm Geflügel.Denn eine kostendeckende Produktion sei nicht mehr möglich, machen die Landwirte deutlich. Im Endpreis für den Bauern fehle die Berücksichtigung diverser Kosten wie Auflagen zum Tierwohl und der Mindestlohn. „Die Betriebe, die heute noch Milch produzieren, arbeiten so, dass weitere Einsparungen nicht mehr möglich sind. Die neue Düngeverordnung kostet uns Geld und das muss irgendwo herkommen“, verdeutlichte Jan Rüße, studierter Landwirt aus Klocksin. Er hat vor zwei Jahren von seinem Vater das Unternehmen übernommen, sein ganzes Kapital investiert und sieht es nun Stück für Stück schwinden.

Nachfolger schwer zu finden

Hinzu käme, dass die EU in den restlichen EU-Staaten den Bau neuer Ställe zu 50 Prozent fördert und regionale Erzeuger mit den Lohnverhältnissen beispielsweise in Polen konkurrieren müssten. „Wir bekommen ja nicht mal unser eingesetztes Kapital, geschweige denn unsere Arbeit bezahlt. Betriebswirtschaftlich gesehen müssten wir alle sagen: Macht doch euren Kram alleine.“ Dazu käme der Kampf um die Nachfolge, erzählt Claus Behrend aus Wulfersdorf bei Wittstock. Mit 72 Jahren wolle er sich endlich in die zweite Reihe begeben, doch sein Sohn wolle unter diesen Bedingungen den Hof nicht übernehmen.

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