STANDORT IN GEFAHR

Gibt es noch Rettung für die Schüler in Rechlin?

Weil die Regionale Schule aufgrund ihrer düsteren Prognose auf der Kippe steht, werden nun neue Modelle diskutiert. Eine Variante ist der Gemeindevertretung bereits vorgestellt worden.
Die Schule in Rechlin hat zu wenige Schüler und kann nur dank Ausnahmegenehmigung betrieben werden.
Die Schule in Rechlin hat zu wenige Schüler und kann nur dank Ausnahmegenehmigung betrieben werden. Nadine Schuldt
Dr. Kim Falk (links) von der Uni Rostock und Dr. Katharina von Maltzahn von der Humboldt-Uni feilen an einem neuen Schulmodell
Dr. Kim Falk (links) von der Uni Rostock und Dr. Katharina von Maltzahn von der Humboldt-Uni feilen an einem neuen Schulmodell. Nadine Schuldt
Rechlin ·

Rechlins Regionale Schule steht vor dem Aus. Jedenfalls, wenn es nach dem Schulentwicklungsplan des Landkreises geht. Darin heißt es, dass der Standort ab Juli 2022 aufgegeben werden soll. Schon jetzt besitze die Regionale Schule eine Ausnahmegenehmigung, weil die Schülermindestzahlen in der Klasse fünf nicht erreicht werden, heißt es vom Landkreis. Nach der Schließung im Juli 2022 müssten dann etwa 110 Jugendliche auf andere Schulstandorte ausweichen.

Fünfte und sechste Klasse mit Grundschule gekoppelt

Damit das Haus trotz der düsteren Prognose geöffnet bleiben kann, stellten Dr. Kim Falk von der Universität Rostock und Dr. Katharina von Maltzahn von der Berliner Humboldt-Universität einen möglichen Ausweg vor. Unter dem Titel „Grundschule mit schulartunabhängiger Orientierungsstufe als Ganztagsschule“ präsentierten die beiden Wissenschaftlerinnen in der jüngsten Gemeindevertretersitzung ein Modell, bei dem die Grundschule sowie die fünfte und sechste Klasse im Regionalschul-Gebäude untergebracht würden. Die Schule soll in kommunaler Trägerschaft bleiben. „Mit dem Modell ist ein längeres, gemeinsames Lernen möglich und auch der Aufbau der Klassenstufen sieben bis zehn ist denkbar“, sagte Kim Falk, die am Institut für Grundschulpädagogik an der Rostocker Uni arbeitet. Gemeinsam mit Katharina von Maltzahn will sie das Modell wissenschaftlich begleiten.

Hintergrund: Wie der Landkreis prognostiziert, werde die Schülerzahl im Schuljahr 2022/23 zwischen 110 und 120 Kinder liegen. In der Grundschule werden es um die 80 Mädchen und Jungen sein. Sollte zumindest die Regionale Schule wegfallen, müssten Kinder sowie ortsansässige Lehrkräfte längere Fahrtwege zum nächsten Standort in Kauf nehmen. „Es würden auch kommunale Strukturen wie das Vereinsleben oder auch die Kaufkraft einschlafen“, prognostizieren die Wissenschaftlerinnen zu erwartende Negativeffekte.

Der ganze Ort könnte profitieren

Sollte jedoch das neue Schulmodell eingeführt werden, profitierten nicht nur die Schüler, sondern der ganze Ort davon. „Ein Zuzug von Familien wäre denkbar und zudem sind die Arbeitsplätze attraktiv für junge Lehrkräfte“, erläuterte Katharina von Maltzahn, die in Lärz lebt. Darüber hinaus halten die Wissenschaftlerinnen auch Kooperationen mit ortsansässigen Unternehmen für möglich.

Ob das neue Schulmodell beim Landkreis ankommt, ist unklar. „Die Gemeinde entwickelt derzeit in permanentem Austausch mit dem Landkreis verschiedene Szenarien zur Entwicklung der Schullandschaft in Rechlin“, teilte eine Pressesprecherin auf Nachfrage mit. Die Abstimmungen liefen, derzeit könne noch keine Auskunft dazu gegeben werden. Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth freut sich, dass das Modell gleich von zwei Universitäten begleitet wird. „Die Unterstützung kann dazu führen, dass eine neue Schulform so interessant ist, dass sie von Schülern und Eltern als Chance gesehen wird und dann als Rechliner Modell in den Gemeinden im ländlichen Raum als durchaus beispielhaft gelten kann“, sagte Ringguth auf der Sitzung.

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