TOURISMUS TROTZ CORONA?

Gutshäuser-Verein für schnellstmögliche Lockerung der Tourismus-Sperre

Viel Platz, wenig Menschen: Der Verein der Schlösser und Herrenhäuser hält – unter Einhaltung gewisser Regeln – Urlaub in MV auch in Krisenzeiten für möglich.
Weite und Menschenleere sind auch erholsam – hier ein Blick in den Landschaftspark hinein in die Mecklenburgische Schwei
Weite und Menschenleere sind auch erholsam – hier ein Blick in den Landschaftspark hinein in die Mecklenburgische Schweiz vom Gutshaus Carlsdorf aus. Silke Voß
Menschenleer wider Willen ist es zurzeit im Gutshaus Ludorf, Sitz des Vereins für Schlösser und Herrenhäuser in
Menschenleer wider Willen ist es zurzeit im Gutshaus Ludorf, Sitz des Vereins für Schlösser und Herrenhäuser in MV. Beatrix Vogel
Ludorf.

Viel Zustimmung, vor allem in den sozialen Medien, erfuhr die Forderung einiger Gutshaus-Touristiker der Mecklenburgischen Schweiz nach klaren politischen Ansagen zu einer kalkulierbaren Frist der Besuchersperre im Zuge der Corona-Krise. Der Vorschlag von Vermietern wie Knut Splitt-Henning aus Rensow und Fabian Sösemann aus Pohnstorf beinhaltete sogar eine sorgsame Verlängerung mit verlässlichen Verhaltensregeln – aus „Verantwortung gegenüber unseren Gästen, gegenüber den Bewohnern unsers Bundeslandes und gegenüber unseren Familien“, und um derzeit anfällige Stornogebühren für Buchungsplattformen zu vermeiden.

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Dieser ungewöhnliche Vorstoß, der als Dialogangebot gedacht war, polarisiert aber auch. Der Verein der Schlösser und Herrenhäuser in MV mit Sitz in Ludorf bezieht nämlich Stellung dagegen. 350 der touristisch genutzten Gutshäuser in Mecklenburg seien für den ländlichen Raum als Arbeitgeber enorm wichtig geworden. Von der Corona-Krise so sehr betroffen wie der Tourismus sei aber kein anderer Arbeitgeber im Land. Schon jetzt sei durch den kompletten Einbruch der Einnahmen und der anlaufenden Saison den meisten der Häuser ein existenzieller Schaden entstanden, heißt es. Denn weggefallen seien nicht nur Buchungen der Touristen, sondern ebenso Veranstaltungen wie Hochzeiten und Firmen-Offsites. Mehr noch, dieser Ausfall betreffe das gesamte Geschäftsjahr mit negativen Auswirkungen auch auf 2021, da in der Saison insbesondere die Löhne mit erwirtschaftet werden, die in buchungsschwachen Zeiten zu zahlen sind.

Hilfszahlungen lassen auf sich warten

Eine große finanzielle Herausforderung bedeute das für die Mitarbeiter mit ihren ohnehin nicht besonders hohen Gehältern, die sich jetzt fast alle in Kurzarbeit befänden. Das müsse im Übrigen größtenteils aus Rücklagen durch die Arbeitgeber vorfinanziert werden, da die Auszahlung der Hilfen durch die Arbeitsagenturen erst im Mai zu erwarten sei.

Zusätzlichen Druck bereiteten laufende Kosten wie Kredite und Pachten. „Wir als Betreiber*innen touristisch genutzter Gutshäuser tragen mit anderen Tourismus-Unternehmer*innen einen großen Teil der wirtschaftlichen Last, die durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verursacht werden“, heißt es in einem dem Nordkurier vorliegenden Schreiben. Daher plädiert der Verbund eindringlich für eine „Lockerung der Tourismussperre zum frühesten vertretbaren Zeitpunkt nach ständiger kritischer Bewertung des Ist-Zustandes“.

Lieber eingeschränkter Tourismus als gar keiner

Denkbar seien vielmehr Schritte, die das Risiko einer Infizierung von Gästen und Personal minimieren – wie ein vorläufiger Verzicht auf Veranstaltungen mit Publikumsverkehr, auf Buffetsituationen wie gemeinsames Frühstück und Grillen sowie eine Reduzierung der Plätze in Restaurants, um den Abstand zwischen den Tischen zu vergrößern. Vielmehr sei eine Diskussion über die Entschädigung der Unternehmen und Branchen dringend notwendig, die wie die Gastronomie und Hotellerie die wirtschaftliche Last dieser Maßnahmen vorrangig tragen, heißt es weiter.

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Insofern decken sich die Forderungen der Gutshaustouristiker: Auch Knut Splitt-Henning hatte eine Bettenpauschale neben unbürokratischen Liquiditätshilfen vorgeschlagen – und seinerseits einen solchen Maßnahmenkatalog entwickelt, wie das Infektionsrisiko unter den Gästen minimiert werden kann. Nicht zuletzt setzt man einmal mehr auf die Vorteile des sanften Tourismus, die Ferien im ländlichen Herrenhaus auch und gerade in Krisenzeiten bieten könne: „Die Auszeit im Gutshaus bietet aufgrund des großzügigen Verhältnisses von Betten und vorhandenem Platz einer überschaubaren Gästezahl die Möglichkeit, sanft und sicher Urlaub zu machen und sich von der stressigen Situation in den Städten zu erholen. Statt auf Menschenmassen treffen die Urlauber in den Gutshäusern und Schlössern auf kleine Dörfer, weite Landschaften und leere Wälder.“

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