SCHULABSCHLUSS

Gymnasien in der Müritzregion – kein Abitur ohne Prüfung!

Die Gewerkschaft GEW fordert ein deutschland-weites Notabitur – ohne Prüfungen. Schulleiter aus der Region haben eine klare Haltung dazu. Und die Schüler?
Abi mit Abstand in der Turnhalle – so könnte es auch bald wieder in den Schulen der Region aussehen. Ob und wie Abi
Abi mit Abstand in der Turnhalle – so könnte es auch bald wieder in den Schulen der Region aussehen. Ob und wie Abiturprüfungen stattfinden werden, ist aber noch unklar. Felix Kästle
Müritzregion ·

Distanzunterricht, Distanzlernen, Homeschooling, Wechselunterricht – viele Modelle, ebenso viele Namen und ein Ziel: ein vorzeigbares Abi. Doch das steht auch in diesem Jahr auf dem Prüfstand. Denn egal, wie gut die Unterrichtskonzepte im Lockdown sind – den Regelunterricht können sie nicht ersetzen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, angesichts steigender Infektionszahlen, die schriftlichen Prüfungen ausfallen zu lassen und stattdessen die schriftlichen Leistungen aus den Vorjahren anzuerkennen. GEW-Vorsitzende Marlis Tepe fordert außerdem die Anerkennung aller Abi-Abschlüsse in allen Ländern.

Den Schülern gegenüber nicht fair

Kai Behrns, Leiter des Warener Richard-Wossidlo-Gymnasiums sieht dafür im Moment jedoch keine Notwendigkeit: „Die Schüler sind vorbereitet auf das Abitur. Ich finde, das hätte man sich vorher überlegen können. Wir sagen den Schülern seit Monaten, ihr schreibt ein Abitur und bereiten sie darauf vor und dann heißt es, ,April, April!‘, ihr schreibt doch kein Abitur. Das finde ich nicht fair gegenüber den Schülern.“ Sie seien auf Prüfungen vorbereitet, und deshalb sollten die dann auch stattfinden sagte der Schulleiter.

Heike Cordes von der Fleesenseeschule Malchow findet es gut, wenn die Schülerinnen und Schüler die Prüfungssituation durchlaufen. „Es sind noch mal intensive Prüfungsvorbereitungen gelaufen, und seit dem Ende der Weihnachtsferien sind die Abschlussklassen im Haus und haben in den Prüfungsfächern sehr viel Unterricht gehabt. Ich glaube, diese Prüfungen geben ein realistischeres Bild als die Bewertung der letzten Semester“, sagte die Schulleiterin dem Nordkurier.

Hans-Dieter Richter ist Schulleiter vom Röbeler Schulcampus und hält vom Abitur ohne Prüfung gar nichts: „Ich sehe momentan überhaupt keinen Grund, die Abiturklassen ihr Abitur nicht ablegen zu lassen, die schon seit der zweiten Januarwoche regelmäßig in der Schule und bestens vorbereitet sind. Sogar in den Ferien haben wir Angebote für Abiturienten gehabt.“

Selbst Schüler machen sich für die Prüfung stark

Er ist überzeugt, dass alle Abiturienten an allen Gymnasien vorbereitet sind. „Prüfungen mit Abstand zu organisieren, das ist unser leichtestes Spiel“, sagte er. So kurz vor dem Ende solle man nicht aufgeben, nicht bei den Abiturienten und auch nicht bei der mittleren Reife.

Auch unter den Abiturienten wird das diesjährige Abitur viel diskutiert. Einer von ihnen ist Paul Friedrich aus Waren. Er sieht es als großen Fehler an, diese Prüfungen nicht zu schreiben. Klar habe es durch den ersten Lockdown in der 11. Klasse fast nur Online-Unterricht gegeben. Er fühlt sich dennoch durch den Präsenzunterricht und das vorangegangene Probeabitur gut vorbereitet. Nachteile befürchtet er im späteren Berufsleben, wenn dem Abitur der Coronastempel anhaftet.

„Corona hat uns schon so viel genommen, und jetzt soll uns auch noch das Abitur genommen werden. Das ist hart. Wir haben uns darauf eingestellt. Es jetzt kurz vor Schluss abzusagen, finde ich nicht gut und wäre anderen Jahrgängen und auch unserem gegenüber ungerecht“, macht er sich für die Reifeprüfung stark.

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