Der Hanfanbauer ist auf Müritzer Landwirte angewiesen, die ihre Flächen für den Hanfanbau zur Verfügung st
Der Hanfanbauer ist auf Müritzer Landwirte angewiesen, die ihre Flächen für den Hanfanbau zur Verfügung stellen. NK-Archiv
Rafael Dulon baut im Süden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Kooperation mit Landwirten Nutzhanf an.
Rafael Dulon baut im Süden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Kooperation mit Landwirten Nutzhanf an. NK-Archiv
Farm plant Erweiterung

Hanfstroh von der Müritz wird bald zu Spanplatten verabeitet

Nutzhanf kann für viele Produkte verwendet werden. Deshalb sucht der Müritzer „Hanf-König“ Rafael Dulon weitere Flächen. Als Abnehmer hat er die Baubranche im Auge.
Melz

Im Hanf sieht Unternehmer Rafael Dulon eine der bedeutendsten Wirtschaftspflanzen der Zukunft. Auf rund 700 Hektar hat er in der Müritzregion um Melz in Süden des Landkreises Meclenburgische Seenplatte bis in den Wittstocker Raum (Brandenburg) daher Industriehanf angepflanzt. Dulon ist überzeugt: Durch die Vielseitigkeit des Gewächses setzt er aufs sprichwörtlich richtige Pferd.

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Samen, Blätter, Wurzeln – alles nutzbar

„Alle Bestandteile der Hanfpflanze können verarbeitet werden“, sagte er im Nordkurier-Gespräch und verwies auf Samen, Blätter, Blüten, Stängel und Wurzeln. Sie können als Bestandteil von Futtermitteln, Textilien, Papier, Lebensmitteln oder in Dämmmaterialien und Biokunststoffen vorkommen. Weniger die Witterungsbedingungen als vielmehr die Vermarktung und der Vertrieb des Hanfes beziehungsweise der Hanfprodukte sei in diesem Jahr jedoch besonders schwierig gewesen, sagt der Hanf-Landwirt. Dulon verwies auf politische Rahmenbedingungen, die sich von Land zu Land unterscheiden. Unterschiedliche Behörden legen unterschiedliche THC-Mengen für den berauschenden Bestandteil des Hanfes fest.

Warener Betrieb ist interessiert

Nichtsdestotrotz sollen die Anbauflächen an der Müritz für diesen Rohstoff erweitert werden. Von 700 auf mehr als 1000 Hektar. Neben Hanfsamen und -blättern soll die dritte Vertriebssäule künftig nämlich das Hanfstroh sein. „Das ist auf einer Fläche von 300 bis 400 Hektar vorgesehen“, sagte Dulon. Abnehmer aus der Baubranche gebe es dafür bereits. Und die sitzen nicht einmal so weit weg, wie mancher denken mag. Abnehmer für den Rohstoff gibt es etwa bei einem Warener Betrieb. Wichtiger Bestandteil in „Stroh-Spanplatten“: Hanfstroh, das dann von den Feldern der Müritzer Hanffarm geliefert werden könnte. „Bisher haben wir das anfallende Stroh wieder in den Boden eingearbeitet, aber ab 2022 können wir damit Nachfragen in der Bauindustrie decken“, freute sich Dulon mit Blick auf das weitere Geschäftsfeld, das sich auftut. Im kommenden ersten Stroh-Vertriebsjahr sollen fünf bis zehn Tonnen des Hanfstrohes weiterverarbeitet werden.

Politik soll mehr für Anbau von Industriehanf tun

„Der Nutzhanf muss als Gesundheits- und Klimaschutzpflanze anerkannt sein“, betonte der Unternehmer auf Nordkurier-Nachfrage. Eine Vision, die mithilfe seines Engagements zur Realität werden soll. Die Politik auf Landes- und Bundesebene sei nun gefragt, neben der legalisierten Abgabe von Cannabis günstige Rahmenbedingungen für den Anbau und die Vermarktung von Industriehanf zu schaffen und mehr Geld für die Forschung bereitzustellen, wünscht sich der Berliner Unternehmer. Für ihn wäre auch noch vorstellbar, dass Hanf zusätzlich auf ökologischen Vorrangflächen angebaut werden könnte. Bei diesen Vorrangflächen handelt es sich um Gebiete, deren Flächen im Umweltinteresse genutzt werden.

Vorteile für Umwelt und Landwirtschaft?

Bislang befinden sich die Müritzer Hanf-Felder vorrangig südlich der Müritz nahe Priborn, Melz und Boek. Um mehr Rohstoff zu ernten, ist Dulon auf die Landwirte der Region angewiesen. Diese stellen ihm landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung, auf denen der Industriehanf schließlich gedeihen kann. Die Bauern werden zu seinen Vertragspartnern. Allein im vergangenen Jahr habe er drei neue Partner hinzugewonnen. „Die Zusammenarbeit ist großartig“, bedankte sich Dulon für das Vertrauen ins Naturprodukt Hanf. Die Vorteile für Umwelt und Landwirtschaft durch den Hanfanbau liegen für Dulon auf der Hand: Einerseits punkte der Industriehanf mit hohen Dürreresistenzen, andererseits ziehe die Pflanze über ihre Blätter Kohlendioxid aus der Atmosphäre und binde es. Böden sollen nach einem Anbaujahr mit Hanf zudem bessere Ernteerträge bringen.

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