Bei der Berechnung des Wohngeldes wird generell der Bruttobetrag der Renten berücksichtigt.
Bei der Berechnung des Wohngeldes wird generell der Bruttobetrag der Renten berücksichtigt. Jens Kalaene
Wohngeld und Rente

Höhere Rente und trotzdem weniger im Portemonnaie

Eine Röbelerin will sich nicht damit abfinden, dass ausgerechnet bei den Senioren gespart wird.
Röbel

Rosemarie Wollatz ist sauer. Wie alle Rentner hatte sich die Röbelerin über die Rentenerhöhung im vergangenen Sommer gefreut. Doch dann kam das böse Erwachen: Da sie zu ihrer geringen Rente auch Wohngeld bezieht und sich der Erhöhungsbetrag darauf auswirkt, hat sie nun monatlich sogar weniger Geld zur Verfügung. „Das ist doch absolut ungerecht“, meint die Rentnerin. „Ist das bei anderen Rentnern auch so?“, fragt sie sich.

„Die Vorgehensweise ist bundesweit einheitlich, da es sich beim Wohngeldgesetz um ein Bundesgesetz handelt“, erläutert eine Sprecherin des zuständigen Schweriner Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung. Bei der Berechnung des Wohngeldes werde generell der Bruttobetrag der Renten berücksichtigt.

Davon werden abgezogen: der Werbungskosten-Pauschbetrag (8,50 Euro pro Monat) sowie eine Pauschale von 10 Prozent für die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. „Für schwerbehinderte Menschen gibt es darüber hinaus unter bestimmten Voraussetzungen noch einen Freibetrag von 125 Euro pro Monat“, sagt die Sprecherin.

Rentenerhöhung wird beim nächsten Wohngeld-Antrag berücksichtigt

Das Wohngeld berechne sich anhand einer Formel, in der das bereinigte Einkommen, die Bruttokaltmiete sowie die Anzahl der Mitglieder in dem Haushalt berücksichtigt werden. Das heißt, jeder Wohngeldberechtigte erhält einen individuell berechneten Zuschuss.

Das Wohngeld werde in der Regel für 12 Monate gewährt. Die jährlichen Rentenerhöhungen würden beim nächsten Antrag berücksichtigt. „Höheres Einkommen führt aufgrund der Formel regelmäßig zu einem geringeren Wohngeld, wenn sich ansonsten keine Änderungen, insbesondere bei der Miethöhe, ergeben. Grundsätzlich ist die Wohngeldformel jedoch so ausgestaltet, dass das Wohngeld bei gleichbleibender Bruttokaltmiete nicht so stark sinkt, wie sich das Einkommen erhöht“, meint die Expertin.

Es seien aber mehrere Gründe denkbar, warum sich das zur Verfügung stehende Einkommen der Leserin verringert haben könnte. „Möglicherweise ist die Bruttokaltmiete durch geringere Vorauszahlungen für die kalten Betriebskosten gesunken, wodurch das Wohngeld zusätzlich geringer ausfällt. Oder die Ursachen liegen außerhalb des Wohngeldes. Das könnte zum Beispiel die Anhebung des Beitrages zur gesetzlichen Pflegeversicherung oder eine mögliche Erhöhung des Zusatzbeitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung sein“, sagt sie. Ihre Empfehlung: Eine Beratung bei der Wohngeldbehörde vereinbaren.

Soziale Schieflage im Land bitter beklagt

So weit, so gut? Für Rosemarie Wollatz liegt das Problem viel tiefer. Für sie müsste das Gesetz nachgebessert werden. „Ich kann es einfach nicht verstehen, dass trotz Rentenerhöhung die Netto-Rente geringer ausfällt. Es müsste doch die alte Rente bleiben, bis durch weitere Anpassungen wieder der ursprüngliche Stand erreicht wird“, findet die Seniorin.

Es sei für sie nicht einzusehen, dass gerade bei den Leuten gespart werde, die das Land nach 1945 wieder aufgebaut haben. „Rentner haben teilweise weniger als Hartz-IV-Empfänger und weniger als Leute, die jetzt in unser Land gekommen sind. Das ist doch ungerecht.“ Wenn sie dann noch lese, dass jemand wie der Ex-VW-Chef eine Millionen-Abfindung bekomme: „Die soziale Schieflage in diesem Land wird immer größer“, schätzt die Rentnerin ein.

Sie könne sich selbst nicht einmal ein Haustier leisten und sei deshalb froh, dass ihre Tochter den Unterhalt für ihren kleinen Hund übernehme. „Und dann redet man immer von Vereinsamung der alten Menschen. Selbst ein Besuch im Café ist für viele Rentner nicht drin.“

 

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