Unterschriften werden überreicht

Hunderte Widersprüche gegen neue Windräder

Windkraftgegner ziehen nun alle Register und übergeben Hunderte Widersprüche an den Planungsverband. Ein Ergebnis wird es dieses Jahr nicht mehr geben.
Nadine Schuldt Nadine Schuldt
Brigitte und Norbert Leberl müssten durch ein neues Eignungsgebiet für Windräder vor den Türen ihres Landhauses wohl Einbußen bei den Buchungszahlen und beim Immobilienwert hinnehmen, befürchten sie.  
Brigitte und Norbert Leberl müssten durch ein neues Eignungsgebiet für Windräder vor den Türen ihres Landhauses wohl Einbußen bei den Buchungszahlen und beim Immobilienwert hinnehmen, befürchten sie. Nadine Schuldt
Bürgermeister Egbert Wenghöfer steht auf dem Feld bei Satow genau dort, wo das Eignungsgebiet beginnen würde.
Bürgermeister Egbert Wenghöfer steht auf dem Feld bei Satow genau dort, wo das Eignungsgebiet beginnen würde. Nadine Schuldt
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Satow.

Zahlreiche Gegner von Windeignungsgebieten in der Seenplatte werden sich am Dienstag in Neubrandenburg versammeln. „Sie werden ihre Widersprüche symbolisch an die Geschäftsführung des Regionalen Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte übergeben“, sagt Norbert Schumacher vom Aktionsbündnis Freier Horizont. Er gehe von mehreren hundert Einwänden aus. Das Datum ist bewusst gewählt: Am Mittwoch endet die Frist für Stellungnahmen beim Planungsverband zu neuen oder überarbeiteten Eignungsgebieten wie Kogel, Grabow-Below oder Bütow/Zepkow.

Unter den Stellungnahmen befindet sich auch die der „Initiative Freier Horizont für Woldzegarten, Walow, Kogel, Jaebetz und Massow“. Diese spricht sich vor allem gegen das geplante, 181 Hektar große Eignungsgebiet bei Kogel aus. An die 200 Meter hohe Windräder könnten dort künftig stehen. Deshalb befürchten die Mitstreiter einen herben Einschnitt beim Tourismus sowie beim Naturschutz.

Angst um die berufliche Existenz

„Für uns sind die Windräder existenzbedrohend“, sagt Brigitte Leberl. Sie und ihr Mann Norbert sind daher Mitglieder in der Initiative. Seit 2015 führen sie das Landhaus Fünfseen in der gleichnamigen Gemeinde. Dafür hätten sie vor vier Jahren in Hessen alles aufgegeben und fast eine Million Euro in die Hand genommen, um das Haus auf Vordermann zu bringen.

Der Bürgermeister der Gemeinde Fünfseen, Egbert Wenghöfer, sowie das Amt und die Stadt Malchow sehen das ähnlich und beziehen ebenfalls Stellung. „Eine Verspargelung des Landes mindert nicht nur unsere Lebensqualität, sondern auch den Urlaubseffekt für unsere Gäste“, sagt Malchows Bürgermeister René Putzar.

Beschluss zieht sich hin

Ganz so ernst sieht Bert Balke, Geschäftsführer des Tourismusverbandes, die Lage (noch) nicht. „Bislang wurde noch kein Hotelbetrieb in der Müritzregion wegen Windenergieanlagen geschlossen“, sagt er. Dennoch werde auch der Tourismusverband eine Stellungnahme abgeben. „Mit Blick auf die Müritzregion werden wir darin die Streichung der Eignungsgebiete bei Grabow-Below und bei Kogel fordern“, erklärt er.

Doch bis alle Stellungnahmen aufgearbeitet sind, wird es dauern. Es komme täglich ein ganzer Schwung an Stellungnahmen an, schildert Christoph von Kaufmann, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte. Am Donnerstag vergangener Woche waren es bereits 263. Die müssten erst einmal aufgearbeitet werden. „Eine öffentliche Verbandsversammlung wird nicht vor Februar/März 2019 eine Abwägung über alle Stellungnahmen treffen“, sagt von Kaufmann. Er rechne nicht vor Ende 2019 mit einem finalen Beschluss.