KUNST WEICHT LOGISTIKZENTRUM

In Malchow gibt’s ein Wandbild für die Hosentasche

Bald ist das Wandgemälde aus der Kantine des ehemaligen Malchower Teppichwerkes Geschichte. Wer möchte, könnte sogar bald ein Stückchen mit nach Hause nehmen.
„Mauerspecht“ Wolfgang Ahnert löst aus dem Wandbild einzelne Teile heraus, um sie zu bewahren. Edeka hatte zu
„Mauerspecht“ Wolfgang Ahnert löst aus dem Wandbild einzelne Teile heraus, um sie zu bewahren. Edeka hatte zuvor als Besitzerin des Bildes ihre Zustimmung gegeben. Ingrid Kass
Das sind einige der rund 50 Teile, die Wolfgang Ahnert retten konnte. Sie sind für eine besondere Aktion gedacht.
Das sind einige der rund 50 Teile, die Wolfgang Ahnert retten konnte. Sie sind für eine besondere Aktion gedacht. Ingrid Kass
Bürgermeister René Putzar bekommt von Edeka-Logistikleiter Uwe Schmidt (rechts) den Stick mit dem Wandbild-Scan.
Bürgermeister René Putzar bekommt von Edeka-Logistikleiter Uwe Schmidt (rechts) den Stick mit dem Wandbild-Scan. Petra Konermann
Jakob Schoder, Restaurator aus Dresden, verpackt behutsam die Teilstücke, die aus dem Wandgemälde fachgerecht entfer
Jakob Schoder, Restaurator aus Dresden, verpackt behutsam die Teilstücke, die aus dem Wandgemälde fachgerecht entfernt wurden. Petra Konermann
Die Teilstücke sollen später zu einem rund 15 Quadratmeter großen Stück wieder zusammengesetzt und in Zuk
Die Teilstücke sollen später zu einem rund 15 Quadratmeter großen Stück wieder zusammengesetzt und in Zukunft auf dem Kloster gezeigt werden. Petra Konermann
Malchow.

Die Abrissbagger der Malchower Recyclingfirma stehen schon in den Startlöchern, um die Kantine des ehemaligen Teppichwerkes abzureißen und dabei auch gleich die „Reste“ des großen Wandgemäldes, das zuletzt für viele Schlagzeilen gesorgt hat, zu entsorgen. Restauratorin Bettina Strauß weiß, dass ihr und ihren Kollegen die Zeit im Nacken sitzt. Ein paar Tage noch, dann ist die Kantine ebenso Geschichte wie das Wandgemälde.

Ein rund 15 Quadratmeter großes Stück – wiederum in Einzelteile zerschnitten – kann nun bewahrt werden. Eine private Initiative um die Malchower Architektin Ulrike Ahnert hat das mit vielen Unterstützern erreicht. Die Initiative bekam dabei auch Rückhalt von der Edeka Nord Handelsgesellschaft, die Besitzerin des Gebäudes und damit des Wandbildes ist und die die Kosten für die Rettung des Teilstücke übernommen hat. Das Unternehmen, das eine rund 65 Millionen Euro teure Erweiterung seines Malchower Logistikzentrums plant, hat auch die Kosten für einen Hochleistungsscan des gesamten, damals noch intakten und rund 25 Meter langen Wandgemäldes übernommen.

Gerettetes Teilstück kommt ins Kloster

Uwe Schmidt, Leiter des Edeka-Logistikbereiches, überreichte diesen Scan nun der Stadt Malchow. Das Gemälde, das rund 60 Quadratmeter groß war, passt als Bilddatei auf einen kleinen Stick. Malchows Bürgermeister René Putzar (parteilos) erklärte, dass inzwischen eine Lösung gefunden wurde, wo das gerettete Gemäldeteilstück später gezeigt werden kann. „Wir planen, dem Teilstück auf dem Kloster einen neuen Platz zu geben. Ergänzt werden soll es durch eine ausführliche Infotafel, auf der die Geschichte des Gemäldes im Zusammenhang mit dem Teppichwerk erzählt wird. Und darauf findet sich dann auch Platz, um das Bild des Gesamtgemäldes zu zeigen“, so Putzar.

Zwei Kuratoren arbeiten derzeit an einem neuen Museumskonzept für das Kloster (der Nordkurier berichtete), das auch die Geschichte Malchows als Tuchmacher- und Teppichstadt berücksichtigen soll. „Insofern passt das gerettete Teilstück des Wandgemäldes dort gut hin“, meinte Putzar. Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis das Konzept steht und auch umgesetzt ist, so Putzar.

Mini-Kunstwerke werden für guten Zweck verkauft

Doch die Malchower müssen gar nicht so lange warten, bis es zumindest ein klitzekleines Wiedersehen mit dem Wandgemälde aus der Kantine des ehemaligen Teppichwerkes gibt. Denn jeder, der Lust hat, könnte sich schon bald ein kleines Stück des Kunstwerkes in die Hosentasche stecken. Bevor das Gemälde nun zu großen Teilen verschwindet, hat nämlich der Malchower Wolfgang Ahnert, Mann von Wandbild-Retterin Ulrike Ahnert, kleine Teile des Wandbildes abgeklopft. „Natürlich nur an Stellen, die nicht von den Restauratoren herausgelöst wurden“, betonte Ahnert.

Die Teilstückchen sollen dann gegen eine Spende auf dem Adventsmarkt am 14. und 15. Dezember auf dem Malchower Kloster an Interessenten abgegeben werden. Der Erlös, so Wolfgang Ahnert, soll der Klosteranlage zu Gute kommen.

Ganz wohl sei ihm nicht gewesen, als er dem Werk renommierter Künstler zu Leibe gerückt sei, meinte der Malchower „Aber wir wissen ja, dass es nicht ganz bewahrt werden kann. So wenigstens haben wir kleine Stücke davon“, sagte Ahnert. Er habe die Putzschicht, auf der die drei renommierten Künstler Otto Sander Tischbein, Falko Behrendt und Andreas Homberg 1983 ihr Kunstwerk aufgebracht hatten, wie ein „rohes Ei“ behandeln müssen. „Der Putz war sehr bröslig, fast zerfiel mir das Kunstwerk unter den Händen“, meinte Ahnert. Rund 50 Stückchen habe er so aber sichern können. „Es würde mich freuen, wenn diese Kunstteilchen neue Besitzer finden würden, als Erinnerung an ein Stück Malchower Geschichte“, meinte er.

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