Follow The Vote

Ist diese neue Wahl-App besser als der Wahl-O-Mat?

„Follow The Vote” will mit täglichen Info-Häppchen auf die Bundestagswahl einstimmen. Eine gebürtige Warenerin arbeitet daran mit – und erklärt, wie das funktioniert.
Mit der App Follow The Vote sollen politische Inhalte einfach, faktenbasiert und unterhaltsam vermittelt werden. Jeden Tag gib
Mit der App Follow The Vote sollen politische Inhalte einfach, faktenbasiert und unterhaltsam vermittelt werden. Jeden Tag gibt es ein neues politisches Statement, anhand dessen die eigene Einstellung mit dem Abstimmungsverhalten der sechs Bundestags-Parteien verglichen werden kann. FollowTheVote
Die gebürtige Warenerin Hanna Kerschefski vor dem Hafen ihrer Heimatstadt.
Die gebürtige Warenerin Hanna Kerschefski vor dem Hafen ihrer Heimatstadt. privat
Waren

Den „Wahl-O-Mat” kennen mittlerweile viele. Nutzer geben ihre Meinung zu politischen Themen an und am Ende wird das mit den Wahlprogrammen ausgewählter Parteien abgeglichen. Bin ich mit meinen Ansichten näher an der AfD oder doch eher bei den Linken? Neige ich eher zu grüner Politik oder doch zur SPD? Das Wahl-O-Mat-Ergebnis vermittelt zumindest einen groben Eindruck darüber, wo man selbst steht.

Doch es gibt einen Knackpunkt: Was in Wahlprogrammen steht, muss ja nicht zwingend umgesetzt werden. Im Gegenteil, manchmal stimmt die Partei später im Bundestag glatt gegen ihr eigenes Programm – und somit gegen den Willen ihrer Wähler. Genau an dieser Stelle setzt die neue App „Follow The Vote” an: Dort können Nutzer auf dem Smartphone oder auch im Browser ihre Einstellung mit dem abgleichen, wofür oder wogegen Parteien bislang aktiv gestimmt haben.

Einfach, faktenbasiert, unterhaltsam

Zum Dutzend junger Menschen, die die App erdacht, entwickelt und Anfang August an den Start gebracht haben, gehört auch Hanna Kerschefski. Die 25-Jährige wurde in Waren geboren, hat dort ihr Abi gemacht, und dann ging es raus in die weite Welt. Mit dem Auslandspraktikum in Indien ging es los, da packte sie das Fernweh so richtig: Sie fing an zu reisen, besuchte seither mehr als zwei Dutzend Länder und liebt es immer noch, die Welt zu entdecken und Neues kennenzulernen.

 

 

Doch zurzeit ist sie wieder zu Hause, in ihrer Heimat in Waren, bei ihren Eltern. Mit dem Laptop aus dem Home Office kümmert sie sich vor allem um die Öffentlichkeitsarbeit und die Auftritte von Follow The Vote in den sozialen Medien. „Wir wollen den Nutzern ermöglichen, sich jeden Tag einige Minuten einfach, auf Fakten basiert und unterhaltsam mit Politik zu beschäftigen”, umschreibt sie das Ziel der App. Das konkrete Ziel dabei sei, „der Stimme zu folgen”, also genau zu schauen, welche Partei bei welchen Themen im Bundestag wie abgestimmt hat – und wie dieses konkrete politische Handeln zur eigenen Einstellung bei der jeweiligen Frage passt.

Abgleich mit realen Abstimmungen

„Die politische Informiertheit geht zurück, gerade bei jüngeren Menschen“, sagt Hanna Kerschefski, „wir wollten etwas schaffen, wo sich Menschen nicht nur über das Wahlprogramm der Parteien informieren können, sondern ihre Einstellungen auch mit der tatsächlichen Politik abgleichen können.“ Gefüttert wird die App dabei mit Informationen und Statements, die von den Politikwissenschaftlern im Team erstellt werden.

Nach dem Abi am Warener Richard-Wossidlo-Gymnasium hat Hanna Kerschefski in Leipzig den Bachelor-Studiengang Buch- und Medienproduktion absolviert, derzeit studiert sie Medienmanagement an der Bauhaus-Universität Weimar und schreibt an ihrer Masterarbeit. Dass sie vorübergehend wieder bei den Eltern wohnt, ist der Coronapandemie geschuldet. „Ich bin zwar ein großer Fan der Müritz-Region, doch in naher Zukunft will ich auch wieder in eine größere Stadt ziehen.“

Einfache Sprache wird verwendet

Bei Follow The Vote möchte sie gerne länger bleiben, das Projekt gefällt ihr. „Allerdings sind wir davon abhängig, dass wir weiter Unterstützung bekommen“, erklärt sie. Derzeit gibt es eine Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium, über ein Engagements-Stipendium kann sie sich 30 Arbeitsstunden in der Woche um die Politik-App kümmern. Auch um Spenden wird geworben, in den ersten zwei Wochen wurde die App immerhin mehr als 2500 Mal heruntergeladen.

Das ist aber noch kein Vergleich zu den Nutzerzahlen des lange etablierten Wahl-O-Maten, der für die Bundestagswahl am kommenden Donnerstag (2. September) startet . Was sind also die wesentlichen Unterschiede? „Wir waren vor der Bundestagswahl früher online, haben mehr Hintergrundinformationen zu den Themen, wir verwenden einfache Sprache und betrachten das, was die Parteien gemacht haben und nicht das, was sie versprechen“, wirbt Hanna Kerschefski für die neue Politik-App.

Sie kann sich gut vorstellen, dass das Prinzip bei den Menschen ankommt. „Wir wollen das richtig groß machen. Man könnte es auf Länderebene runterbrechen oder auch international entwickeln.“ Einer der Gründer ist Holländer, gut möglich also, dass Follow The Vote schon bald weitere Kreise zieht. So wie auch Hanna Kerschefski: Sie hofft, bald wieder in die weite Welt reisen zu können– und viel Neues zu entdecken.

 

Noch unentschieden? Mit dem Wahlswiper lassen sich die Positionen der verschiedenen Parteien bei der Landtagswahl 2021 in Mecklenburg-Vorpommern vergleichen. Lesen Sie hier dazu mehr.

* Diese App ist ein kostenloses Angebot des Vereins WahlSwiper. Der Nordkurier ist dafür inhaltlich nicht verantwortlich.

 

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