Termin steht schon fest

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Jetzt doch: Bürger entscheiden über Fusion

Etliche Bürger in den kleineren Gemeinden haben Angst, bei einer Fusion untergebuttert zu werden. Das zumindest ist die Befürchtung der Wählergemeinschaft Lärz. Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth bemühte sich, die Bedenken zu zerstreuen. 
Etliche Bürger in den kleineren Gemeinden haben Angst, bei einer Fusion untergebuttert zu werden. Das zumindest ist die Befürchtung der Wählergemeinschaft Lärz. Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth bemühte sich, die Bedenken zu zerstreuen.
Grafik: Heiko Wahle

Die Gemeinde Lärz hat kein Geld. Eine Fusion mit Rechlin soll die finanzielle Situation erheblich verbessern. Dennoch sind die Lärzer skeptisch. Die Bürgermeister der Gemeinden standen den Bürgern jetzt Rede und Antwort.

Alle Einwände der Wählergemeinschaft Lärz schienen vergeblich: Über eine mögliche Fusion der Gemeinde mit Rechlin und Schwarz sollen doch die Bürger selbst entscheiden und nicht die Gemeindevertreter, forderte sie. Was zunächst nach einem unerfüllbaren Wunsch aussah, wird nun aber doch Realität. Denn Bürgermeister Hartmut Lehmann lenkt ein. Ein Bürgerentscheid steht an. Am 11. November haben die Lärzer die Zukunft ihrer Gemeinde selbst in der Hand.

Ob es aber zu einer Fusion – die Planungen sind bereits weit vorangeschritten – auch tatsächlich kommt, bleibt weiterhin offen. Denn die Lärzer machten am Donnerstagabend bei einer Bürgerversammlung deutlich, dass sie Bedenken haben, den Bund mit Rechlin einzugehen.

Lärzer sorgen sich um ihre Kita

Die Bürger und auch die Wählergemeinschaft sind besorgt. Sie haben Angst, dass ihre kleine Gemeinde in künftigen Gemeindevertretersitzungen mit, sollte es zur Fusion kommen, dann 17 Vertretern, kein Gehör mehr findet, die Interessen von Lärz untergehen. Und damit nicht genug: Wie soll es mit der Gemeinde weitergehen, wie soll sie sich entwickeln, welche Visionen hat Rechlins Bürgermeister?

„Ich würde mich für eine größere Gemeinde genau so einsetzen wie für Rechlin bisher”, betonte Wolf-Dieter Ringguth (CDU), Bürgermeister von Rechlin. „Ich will etwas entwickeln, den Tourismus weiterentwickeln und gewerbliche Stellen schaffen.” Und weiter: „Ganz wichtig sind auch unsere Kinder.” Ein großer Pluspunkt bei den Lärzern. Denn die sorgen sich vor allem um ihre Kita. Für diese hat das Dorf den Bestandsschutz verloren. Wird nicht bald gehandelt, war es das mit der Einrichtung. Bei einer Gemeinde-Hochzeit lockt aber die Fusionsprämie von 400 000 Euro für Lärz. Davon soll ein Teil in den Neubau einer Kita fließen, Unterstützung gebe es zudem von Kreis und Land, sagte Lehmann.

Kann Rechlin Lärz finanziell auffangen?

„Ich merke, dass Angst geschürt wird. Dass Sie glauben, in einer großen Runde kein Gehör mehr zu finden. Die Angst kann ich Ihnen nehmen”, so Ringguth. „Aktuell kommt ein Drittel aller Gemeindevertreter aus dem ganz kleinen Ort Vietzen. Und ein Gemeindevertreter kommt aus Retzow. Dort bauen wir gerade für 500 000 Euro eine Umgehungsstraße.” Ringguth garantiert auch, die Feuerwehren – bei einer Fusion wären es fünf – nicht „wegzurationalisieren”. „Sie bedeutet für ein Dorf mehr als nur Brandbekämpfung.” Er stellte letztlich klar: „Wenn Ihr wollt, sind wir der Bräutigam. Aber denkt daran: ohne Moos nichts los.”

Und hier horcht Lehmann auf. Er verbindet mit der Hochzeit vor allem eines: Seine Gemeinde wieder finanziell gut aufzustellen. Lehmann: „Die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde ist nicht weiter gegeben. Wir versuchen nur noch das, was wir haben, zu erhalten. Wir verwalten nur noch. Das ist kein Zustand. Erst recht keiner, der die Gemeinde weiter entwickelt.” Von der Fusionsprämie soll neben der Kita auch in die Wehren Lärz und Krümmel investiert werden. Deren Feuerwehrfahrzeuge sind alt. Doch auch Rechlin bekommt ein Stück von der Torte ab, was den Lärzern nicht schmeckt. Und die wollen außerdem wissen: Kann Rechlin Lärz auffangen ohne pleite zu gehen? „Momentan ja”, so Kämmerer Matthias Mahnke.